Workshop, Nachbearbeitung
After Effects 5, Teil 9: Was von der Farbe übrig blieb…
Mittwoch, 19. Dezember 2007: Ein beliebter Spielplatz für Videoeffekte ist die Fernsehwerbung. Hier wird oft mit Farbverfremdungen experimentiert, wie beispielsweise mit dem Effekt, der das gesamte Bild in Grautöne hüllt und nur einen einzigen Gegenstand in seiner natürlichen Farbe erscheinen lässt. In diesem Workshop lernen Sie, wie Sie derartige Effekte mit After Effects verwirklichen können.
Oft wird angenommen, dass gerade dieser Effekt mit sehr viel Aufwand verbunden ist – bei richtiger Vorbereitung reduziert sich dieser jedoch auf ein Minimum. Am geeignetsten sind Gegenstände, die eine einzige, möglichst kräftige Farbe aufweisen. Der Effektfilter des Programms kann dann diese Farbe mit ihren Schattierungen über einstellbare Toleranzwerte hindurch lassen und den Rest in Schwarzweiß darstellen. Soll nur ein einziger Gegenstand hervorgehoben werden, erklärt es sich von selber, dass alle anderen Objekte gleichen oder ähnlichen Farbtons aus dem Bild entfernt werden müssen. Mit einem bisschen Phantasie erschließen sich hier einige Möglichkeiten. Soll beispielsweise bei der Darstellung einer Schüssel voller Zitronen nur eine einzige der Früchte in ihrem leuchtenden Gelb dargestellt werden, bietet es sich an, die anderen Zitronen durch unreife grüne Früchte zu ersetzen.
Um die Wirkung des Effekts zu verdeutlichen können Sie dessen Anwendung an einem Beispiel durchexerzieren. Die dazu benötigten Dateien lassen sich wieder von unserem Webserver www.camgaroo.com im Bereich „Service“ herunter laden. Neben den fertigen After-Effects-Projektdateien beinhaltet das Archiv auch einen Beispielclip im DV-Format.
Starten Sie After Effects und legen Sie eine neue Komposition mit den Ausmaßen 720x576 an. Importieren Sie anschließend den DV-Clip in das Projekt. Er erscheint daraufhin im Projektfenster. Ziehen Sie ihn von dort in die Zeitleiste, woraufhin hier der entsprechende Eintrag erscheint. Zusätzlich wird im Kompositionsfenster das erste Bild des Clips sichtbar. Achten Sie darauf, dass der Clip in der Zeitleiste aktiviert ist und wählen Sie im Menü „Effekt > Stilisieren“ den Unterpunkt „Farbe übriglassen…“. Es öffnet sich das dazu gehörige Effektfenster.
Der oberste sichtbare Wert mit der Bezeichnung „Ausbleichen“ gibt den Grad der Sättigungsrücknahme an. Es ist also nicht nur möglich die Szene in Grautöne umzuwandeln, sondern beispielsweise auch in nur leicht angedeuteten Farbtönen zu halten. Für eine volle Sättigungsrücknahme muss ein Wert von „100%“ eingestellt werden.
In unserem Beispiel wollen wir die Betonung auf die im Bild sichtbaren Tomaten legen. Folglich muss im Effektfenster der passende Farbton – also Rot – gewählt werden. Durch einen Klick auf das farbige Rechteck beim Eintrag „Restfarbe“ öffnen Sie das Farbauswahlfenster. Stellen Sie hier einen zu 100% gesättigten Rot-Ton ein.
Der darunter befindliche Wert „Toleranz“ bestimmt, wie viele „verwandte“ Farbtöne zusätzlich durchgelassen werden. Möchte man z.B. noch Orange und Violett mit dabei haben, kann der Wert höher eingestellt werden. Für unser Beispiel, das ausschließlich Rot-Töne durchlässt stellen Sie den Wert auf „7%“.
Die Funktion „Kanten glätten“ bewirkt einen weichen Übergang zwischen durchgelassenem und blockiertem Farbton. Damit der Übergang nicht zu hart erscheint geben Sie hier einen Wert von „2%“ ein.
Wichtig für die Auswirkung des Effekts ist der letzte Punkt im Effektfenster mit der Bezeichnung „Farbabstimmung“. Hier wird eingestellt, auf welche Weise die durchzulassende Farbe bestimmt wird. Ist hier, wie in der Voreinstellung, „Nach RGB-Werten“ eingestellt, so wird nicht nur grob nach dem Farbton Rot gesucht, sondern nach der genauen Entsprechung der eingestellten Farbwerte. Damit würde man jedoch nur einen kleinen Teil der Tomaten erfassen. Für unsere Zwecke muss also der Eintrag „Nach Farbton“ ausgewählt sein. Nur so wird die gesamte Farbe Rot des Bildes, mitsamt Schattierungen und Abstufungen erfasst.
Spätestens jetzt sollten Sie im Kompositionsfenster die Auswirkungen des Effektes sehen können. Am besten lassen Sie eine Voransicht berechnen, um den Effekt über die ganze Länge des Clips zu begutachten.
Manchmal kann es passieren, dass trotz gründlicher Vorbereitungen weitere Objekte im Bild farbig erscheinen. Dann kann man sich mit der Maskenfunktion von After Effects behelfen. Das Hauptobjekt braucht mit der Maske nur grob freigestellt zu werden. Den Rest erledigt ja der „Farbe übriglassen“-Filter.
Aktivieren Sie den Clip in der Zeitleiste und wählen Sie im Menü „Bearbeiten“ den Unterpunkt „Duplizieren“. Die Kopie des Clips erscheint daraufhin als weiterer Eintrag in der Zeitleiste. Blenden Sie den oberen der beiden Einträge aus, indem Sie auf der linken Seite auf das dazugehörige Augensymbol klicken. Aktivieren Sie anschließend mit einem Klick den unteren der beiden Einträge und wählen Sie aus dem „Effekt“-Menü „Bild einstellen > Einfärben“. Im sich daraufhin öffnenden Effektfenster erscheint der gewählte Effekt an zweiter Stelle. An erster Stelle ist ja immer noch der Filter „Farbe übriglassen“, der beim Duplizieren des Clips mitkopiert wurde. Wählen Sie ihn an und löschen Sie ihn mit Hilfe der „Entf“- oder der „Backspace“-Taste. Beim Effekt „Einfärben“ stellen Sie den Regler für „Stärke“ auf „100%“. Im Kompositionsfenster sollte nun der gesamte Bildbereich in Schwarzweiß erscheinen.
Aktivieren Sie in der Zeitleiste den oberen der beiden Einträge und blenden Sie diesen wieder ein. Wählen Sie nun im Menü „Ebene > Maskieren“ die Funktion „Neue Maske“. Wählen Sie im Anschluss, im gleichen Menü, den Unterpunkt „Maskenform…“. Im daraufhin erscheinenden Fenster klicken Sie in der Sektion „Form“ auf „Oval“ und anschließend, zum Bestätigen, auf „OK“. Nun muss noch, wieder im Menü „Ebene > Maskieren“, der unterste Punkt mit der Bezeichnung „Freie Transformationspunkte“ aktiviert werden. Weniger umständlich ist das Verwenden der entsprechenden Tastaturkürzel „Strg-T“ beim PC bzw. „Apfel-T“ beim Macintosh.
Im Kompositionsfenster erscheint nun die ovale Maske mit zusätzlichen Anfassern. Mit Hilfe dieser Anfasser bringen Sie das Oval in die richtige Größe. Es sollte dabei nur knapp größer sein, als die im Bild sichtbare Schale mit den Tomaten. Klicken Sie außerhalb der Anfasser ins Bild und bewegen Sie bei gedrückter Maustaste den Mauszeiger, so können Sie die ovale Maske drehen. In einer leichten Diagonalstellung deckt sie sich viel besser mit dem Tomatenmotiv.
Nun kommt die eigentliche Fleißarbeit. Da sich bei unserem Clip die Kamera bewegt, muss auch die Maske entsprechend angepasst werden. Drehen Sie dazu in der Zeitleiste, mit einem Klick den Pfeil neben dem obersten Eintrag um. Neben dem nun sichtbar gewordenen Punkt mit der Bezeichnung „Masken“, drehen Sie den Pfeil ebenfalls um. Gleichsam verfahren sie mit dem Pfeil neben dem ersten Maskeneintrag, woraufhin die Animationsparameter für die Maske sichtbar werden. Aktivieren Sie die Keyframe-Aufnahme für den „Maskenform“-Parameter, indem Sie auf das Stoppuhr-Symbol auf der linken Seite klicken. Bewegen Sie die Zeitmarkierung in der Zeitleiste nach rechts, bis sich die Tomaten deutlich aus dem Maskenbereich herausbewegt haben. Nun drücken Sie wieder die Tastaturkombination „Strg-T“ bzw. „Apfel-T“ und passen die Maske so an, dass sie die gesamte Tomatenschale abdeckt. Dadurch wird an dieser Stelle ein Keyframe aufgenommen. Die Bereiche dazwischen werden interpoliert, weswegen man nicht Bild für Bild arbeiten muss. Verfahren Sie für den restlichen Clip nach dem gleichen Muster, so wird nach und nach der Bereich um die Tomaten maskiert. Unerwünschte Farben außerhalb dieses Bereichs werden damit eliminiert. Wenn Sie nun wieder eine Voransicht berechnen lassen, können Sie das fast schon sendefähige Endergebnis bewundern.
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