Testbericht, Camcorder, Sony

Chip – Frischling Unter der Lupe – Der neue Chip-Camcorder CX6 von Sony

Donnerstag, 20. Dezember 2007: Mit dem SD5 legt Panasonic bereits die zweite Generation eines HD-Chipcamcorders auf. AVCHD-Partner Sony dagegen steigt jetzt mit dem frisch gebackenen HDR-CX 6 erstmals in diese Katergorie ein. Wenn auch das Aussehen und die Größe der beiden sehr ähnlich ist, gibt es doch ein paar gravierende Unterschiede. Welche, das erfahren Sie in diesem Bericht.

Die Oberfläche

Sony CX-6
Von Gewicht (430 Gramm Betriebsgewicht) und Größe fast gleich ist der Sony HDR-CX-6. Die Optik bietet wie beim Panasonic ebenfalls ein 10-fach Zoom, mit einem 37mm Filtergewinde. Wer allerdings z.B. einen UV-Filter als Linsenschutz anbringt, schaltet damit mittels eingelassenem Taster den Blitz ab (s. unser Bericht zur HDR-SR-7 im letzten Heft). Der horizontale Bildausschnitt entspricht 40-400 mm beim Kleinbild. Schon hinter der Optik hören die Gemeinsamkeiten auf: Der CX-6 hat nur einen Bildwandler, aber auf CMOS-Technologie basierendem, mit knapp 1/3“ Diagonale. Dieser zeigte sich schon bei anderen Modellen in einigen Eigenschaften dem CCD nicht unbedingt überlegen – aber den fehlenden Smear- Effekt kann er prinzipbedingt als Plus verbuchen. Als Speichermedium dient nicht eine SD-Karte, sondern ein Memory-Stick Pro Duo, den es mittlerweile auch schon bis 8 GB gibt. Ein 4 GB-Chip ist schon beigepackt. Er reicht für eine halbe Stunde im XP-Modus (15 MBit/S.).

Der mitgelieferte Akku bringt es im Filmalltag auf 50 – 70 Minuten, je nach dem, wie häufig man den Camcorder ein- und ausschaltet. Achtung: Wenn man nach gemachter Aufnahme nur das Display einklappt, ohne ihn abzuschalten, wird unbemerkt Akkuenergie verbraucht. Zwar wird die Hintergrundbeleuchtung beim Einklappen abgeschaltet, doch das Gerät ist noch einige Minuten weiter in Betrieb. Der optische Bildstabilisator arbeitet recht zuverlässig, nur bei langsamen Schwenks kommt es zu sporadischen kleinen Rucklern. Die Wahl der einzelnen Funktionsbereiche und der Sonderfunktionen erfolgt Sony-typisch über Touchscreen- Menüs auf dem Display. Wie dem Panasonic fehlt auch ihm ein eingebauter Suchermonitor, da das Display aber weniger hell ist als das des Konkurrenten, wird es bei Tageslicht fast unmöglich, die richtige Belichtung, Farbe und Schärfe einer Einstellung zu beurteilen. Wer nicht nur blind draufhält und alles der Automatik überlässt, sondern mit etwas Planung seine Aufnahmen ausführt, kann dies als dickes Minus verbuchen.

Pixelzähler aufgepasst!
Während auf dem SD-5-Gehäuse des Panasonic stolz mit „Full-HD 1920 x 1080“ geworben wird, lässt Sony das „1920“ weg, denn das Bildformat misst 1440 x 1080 Pixel. Diese werden aber aus 2 der 3,1 Millionen CMOS-Pixeln gebildet. Da das 1440er-Format mit einem rechteckigen Pixelseitenverhältnis arbeitet, ist der Bildinhalt gegenüber den 1920 des Panasonic der gleiche Dieser verfügt über drei 560.000 Pixel CCDs, von denen er für die Videoaufnahme je 520.000 verwendet. Die HD-Auflösung wird durch Pixelshifting erreicht. Dabei werden vom CCD-Block aber auch nur 1440 x 1080 Pixel geliefert. Das 1920er Format wird nur in der höchsten Qualitätsstufe durch Bildinterpolation erreicht. Andernfalls würde die Datenrate höher werden, was aber zu Lasten der Kompatibilität mit dem bereits bestehenden AVCHD und der ohnehin nicht unproblematischen Nachbearbeitung geht. Auch Sony bedient sich der Bildinterpolation, aber nur im Fotomodus. Damit wird aus den 3,1 Millionen Bildpunkten des Bildwandlers das Doppelte herausgekitzelt.

Auch beim Ton wird getrickst
Tonseitig bietet der CX-6 Dolby Digital 5.1 Raumklang, auch wenn das eingebaute Mikrofon nur die beiden Stereokapseln und einen Rückkanal und Mono liefert. Der Raumklang wird synthetisch erzeugt. Eine manuelle Tonaussteuerung gibt es nicht, eine Kopfhörerbuchse auch nicht. Doch die Konzeption des Camcorders kann ambitionierte Videofilmer sowieso weniger begeistern. Immerhin gibt es den „Active Interface Shoe“ für herstellereigenes Zubehör.

Menükonzeption der neuen Generation
Die Menügestaltung ist dieselbe, wie bei den Schwestermodellen SR-7/8 mit Festplatte. In der Praxis gut gelöst ist die schnelle Aktivierung der drei Funktionsgruppen für Fokus, Weißabgleich und Belichtung. Für eine schnelle Belichtungskorrektur empfiehlt sich die Punktmessung, bei der innerhalb eines eingeblendeten Rahmens der Referenzbereich für die Belichtungsmessung gewählt werden kann. Die Zebra-Funktion bietet dabei zusätzliche Unterstützung. In 80% der Fälle reicht das aus. Bei starken Helligkeitsunterschieden muss man aber doch die manuelle Blendensteuerung aktivieren. Schade, dass hier keine Blendenwerte angezeigt werden, sondern nur ein schmaler Balken mit Cursor. Gleiches gilt für den Autofokus. Er arbeitet bei ausreichendem Licht zwar recht zuverlässig, doch lässt er sich auch mittels Punktmessung auf einen bestimmten Bildbereich festlegen. Für Motivgestaltung mit bewusst unscharfen Ebenen wird aber doch bisweilen die manuelle Einstellung notwendig, die in gleicher Weise wie die manuelle Blendenregelung funktioniert – aber mit Entfernungsangabe. Für eine Schärfeverlagerung während der Aufnahme ist diese Methode aber trotzdem unbrauchbar. Das gelingt am besten mit einem drehbaren Fokusring am Objektiv.

Durch all die manuellen Aktionen legt sich schnell ein Fettfilm über das Display, der das Arbeiten bei Sonnenschein mit der ohnehin spiegelnden Oberfläche zusätzlich erschwert. Ein Mikrofasertuch zur Displayreinigung sollte deshalb stets dabei sein. Sicher, die HD-Schwestermodelle SR 7/8 bzw. HC-7 haben das gleiche Problem, aber hier gibt es wenigstens einen eingebauten Suchermonitor als Alternative.

Natürlich?
Ebenfalls sehr störend ist die sichtbare Kantenanhebung an hell/dunkel-Übergängen. Einige Einstellungen bei einem Spaziergang durch einen herbstlichen Park, welche das stimmungsvolle Gegenlicht von Büschen oder Bäumen mit ihren farbigen Blättern zeigen sollten, wirkten dadurch unnatürlich hart, kleine farbige Details wurden durch die künstliche Aufhellung praktisch farblos. Wozu nur hat man auch bei einigen HD-Camcordern dieses Grundübel von SDTV übernommen? Schwarze Äste gegen den blauen Himmel, die mit einem hellen Saum umgeben sind, sehen ein fach gräßlich aus! Andererseits bemüht man sich bei Sony um die Natürlichkeit der Farben, was sich an der neuen x.v.Colour-Technik zeigt, mit der auch der CX- 6 ausgestattet ist und die einen erweiterten Farbraum bieten soll.

Auch ohne x.v.Colour liefert der CX-6 recht farbige Aufnahmen. Manchmal wirkt das zu gesättigte Grün von Wiesen und Nadelbäumen unnatürlich, die, so kurz vor dem Winter, dadurch frühlingshaft wirken. Mit bewegten Wasseroberflächen kommt die MPEG-4- Kompression gut zurecht. Nur in manchen Einstellungen fielen zwischen den Wellen hellblau- und magentafarbige Schlieren auf, die dem CMOS-Bildsensor zuzurechnen sind. Diese Effekte traten übrigens auch bei den feinmaschigen Drahtbänken im Park auf.

Die Weißabgleichautomatik kommt mit den warmen Farbtönen des Herbstes nicht immer zurecht und hinterlässt bisweilen etwas unterkühlte Bilder, aber das stellen wir auch bei anderen Camcordern immer wieder fest. Die Umschaltung auf die Festeinstellung für Tageslicht brachte die gewünschten Ergebnisse. Auch die Fixierung auf Kunstlicht und die manuelle Justierung sind vorhanden.

Editierfunktionen
Zum Ansehen der Aufnahmen gibt es eine HDMIBuchse für HD-Displays und einen normalen Videoausgang für Röhren-TVs. Dieser findet sich auch an der mitgelieferten Dockingstation, analoge Komponentenausgang (für beide gehören die Kabel zum Lieferumfang). Das Netzteil wird entweder am Camcorder oder an der Dockingstation angeschlossen, der Akku im Camcorder geladen. Wie bei allen nicht auf Band basierenden Camcordern lassen sich die Aufnahmen per Display-Miniaturen direkt antippen und abspielen. Nicht Gelungene lassen sich löschen - ist nur ein Teil wichtig, lässt sich der Clip teilen und der unbedeutende Teil löschen. Der Trennungspunkt lässt sich aber nur in ½-Sekunden Schritten festlegen. Auch die Organisation in Playlisten ist möglich, wobei die Clips nicht nur einzeln sondern auch nach Datum organisiert werden können. Während der Wechsel von einem Clip zum nächsten normalerweise nahtlos und ohne Aussetzer funktioniert, gibt es nach der Organisation in einer Playlist leider immer kurze Unterbrechungen zwischen den Clips, auch wenn sie in unveränderter Reihenfolge übernommen wurden.

Mitgelieferte Software
Über die bescheidenen Fähigkeiten der mitgelieferten Software „Picture Motion Browser“ haben wir schon vor einem Jahr (Heft 6/2006) berichtet. Da inzwischen einige Programme am Markt mit AVCHD schon recht gut funktionieren, sollte man besser gleich damit sein Material bearbeiten. Mit dem „Picture Motion Browser lässt sich aber der Inhalt des Memory-Stick auf einer herkömmlichen DVD sichern. Diese AVCHD-DVD ist aber nur in Bluray Laufwerken abspielbar. Ein normaler DVD-Spieler kann damit nichts anfangen. Zwar lassen sich auch gewöhnliche DVDs brennen, doch geht das nur in normaler PAL-Qualität.

Fazit
Größe und Konzeption des Sony CX-6 machen klar: Das ist HD für Jedermann. Schnell einmal in die Jackentasche gesteckt, nimmt man das Leichtgewicht gerne mit (eine separate Tasche empfehlen wir aber trotzdem). Bezüglich Bildschärfe liefert er die gleichen Ergebnisse wie der SR-7, den wir im letzten Heft vorstellten. Ambitionierte Filmer haben damit jedoch ihre Schwierigkeiten, denn es fehlen für sie so wichtige Ausstattungsmerkmale wie ein eingebauter Suchermonitor oder ein externer Mikrofoneingang. Zwar liefert das eingebaute Mikro eine respektable Tonkulisse ohne Eigengeräusche, aber die Windempfindlichkeit ist bauartbedingt unüberhörbar. Die Ausführung der manuellen Einflussmöglichkeiten machen bewusste Motivauswahl und gestalterisches Filmen auch nicht leichter. Für den etwas anspruchsvolleren Filmer aber sind sie eine Alternative, falls die Automatik doch einmal nicht das gewünschte Ergebnis bringt. Zu diesem Zweck sind die Funktionsgruppen für Weißabgleich, Focus und Belichtung im Touchscreen-Menü auch für den Laien schnell zu finden. Er sollte sich allerdings etwas mit den Funktionen befassen, um sie auch richtig einsetzen zu können.

Das ab und zu auftretende Farbmoirè hat seine Ursache wohl beim Bildsensor. Wer sich daran stört, dem steht mit dem Dreichip-Modell von Panasonic SD-5 eine echte Alternative zur Verfügung. Er bietet zwar nicht so umfangreiche Sonderfunktionen zuzüglich Punktmessung für Focus und Belichtung, auch die Navigation über den Mini-Joystick ist nicht so komfortabel wie über einen Touchscreen, dafür ist sein Display heller und spiegelt nicht. Der Stabilisator basiert auf dem optischen Prinzip, die drei CCDs zeigen kein Moirè, die SD-Speicherkarten kosten deutlich weniger als Memory Sticks. Wer sich gar nicht entscheiden kann, wird dies vielleicht dem Preis überlassen: Und der spricht im ersten Blick für den Panasonic SD-5. Allerdings muss bei der Panasonic erst einmal noch zusätzlich etwa 40 – 60 EURO in eine 4 GByte SD-Card investiert werden, während bei der Sony ein 4 GByte Memory-Stick im Lieferumfang enthalten ist.

Dieser Artikel ist erschienen in Camgaroo-Ausgabe 6/07.
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Preisvergleich für den Sony HDR-CX 6






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