Workshop, Videofilmen
Der Filmlook
Donnerstag, 14. September 2006: Was beim Videoschnitt die Echtzeitbearbeitung ist, ist bei der Videoaufzeichnung der Filmlook, der nicht erst seit HDV für zahlreichen Diskussionsstoff sorgt. Die Aufzeichnungsprinzipien von Video- und Filmaufnahmen, haben ganz unterschiedliche ästhetische Charakteristika, auch wenn es innerhalb beider Formen noch einmal erhebliche Unterschiede gibt.
Viele Stimmen behaupten, Video hätte eine schlechtere Qualität in der Ästhetik, doch nach objektiven Maßstäben kann das nicht gemessen werden und die Frage, ob Film natürlicher aussieht, weil es mehr den menschlichen Sehgewohnheiten entspricht, oder weil wir uns einfach daran gewöhnt haben, wird immer eine Streitfrage bleiben. Aufgrund vollkommen unterschiedlicher Methodiken wird ein mit Video aufgenommenes Bild immer anders aussehen, als ein auf Film belichtetes. Meist ist es dennoch das Ziel, die Videoaufnahmen in der Ästhetik an die von Filmaufnahmen anzunähern. Bisher wurde der Filmlook meistens in der Nachbearbeitung beeinflusst. Mit der Implementierung der Vollbildaufzeichnung in dem Fernsehformat der Zukunft wird auch von der Industrie versucht, sich dem Ideal Film anzunähern. Vor allem Sonys neues HDV Flagschiff macht mit der erhöhten Auflösung einen entscheidenden Schritt dem Ziel Video an den Filmlook anzugleichen. Schade nur, dass der neue Camcorder keine Vollbildaufzeichnung zulässt. Ganz unabhängig davon, zeigen wir Ihnen mit diesem Workshop, wie Sie sich bei der Aufnahme bereits der Filmästhetik annähern, oder einen passenden „Look“ (= Bildästhetik) entwickeln. Im ersten Teil gibt es eine Einführung in die theoretischen Grundlagen, um die wichtigsten technischen Hintergründe zu verstehen, die für diesen Unterschied verantwortlich sind. Außerdem erklären wir die Einstellungsmöglichkeiten, die mittlerweile viele DV- Modelle bieten um einen filmähnlichen Look herzustellen.
DIE TIEFENSCHÄRFE
Vergleicht man die Größe des vom Objektiv auf den Film bzw. auf das CCD projizierten Bildes, so ist die Fläche eines 16mm Films etwas mehr als ein 2/3 Zoll CCD Chip. Das Standard 35mm Format würde einem fiktiven 1.33 Zoll CCD entsprechen. Bei Consumer-DV-Camcordern reicht die Spanne von 1/6 Zoll bei preiswerten Consumer Modellen, über 1/3 Zoll CCDs bei semiprofessionellen Modellen, bis zu 1/2 Zoll bei DV Schultercamcordern. Der HDV Camcorder HDR-FX 1 von Sony bietet zwar echtes 16:9, hat aber dennoch auch nur drei 1/3 Zoll Chips. Verglichen mit den Film-Formaten ergeben sich bei einer kleineren Projektionsfläche wesentlich kürzere Brennweiten bei gleichem Bildausschnitt und damit eine größere Tiefenschärfe.

