Testbericht, Camcorder, Canon
Die Canon HD-3CCD-Camcorderfamilie und ihre Vielfalt
Freitag, 27. April 2007: Vor einem Jahr stellte Canon den HD-Nachfolger des angesehenen XL-2 Camcorders vor. Der H1 führte die erfolgreiche XL-Konzeption ins HD-Zeitalter. Sein Preis von 9.000 Euro passt jedoch so gar nicht in eine Videowelt, in der Geizcamcorder bereits für unter 200 Euro angeboten oder saubilliges per „Schweinetransporter“ ins Haus kommt. Canons Vertriebskonzept sieht eine andere Vermarktungsebene vor, denn Ausstattung und Verarbeitung sind eher für Profis und professionell ambitionierte Amateure gemacht, und bedürfen eingehender Erläuterungen. Die Belieferung einer überschaubaren Anzahl von Fachgeschäften im Lande war daher nur logisch. Nun bekommt der XL-H1 Gesellschaft aus eigenem Hause: Der XH-A1 bzw. der XH-G1 sind die HD-Nachfolger des XM-2. Deren Ausstattung und Funktionsvielfalt orientieren sich am großen Bruder XL-H1. Mit 4.000 bzw. 7.000 Euro spielen sie in der oberen Preisliga mit, noch über den Konkurrenten FX-1 und FX-7 von Sony. Doch so direkt lässt sich das Canon-Gespann nicht mit der Konkurrenz vergleichen, denn die Funktionsvielfalt zielt eher auf deren professionelle Camcorder Z1 bzw. V1 ab.
Aufgrund unserer Leserumfrage im letzten Jahr wissen wir, dass sehr viele professionell ambitionierte Amateure unser Magazin regelmäßig lesen. Auch der Wunsch nach mehr Erläuterungen über die Bedeutung diverser Camcorder funktionen wurde vielfach geäußert. Die Canon HD -Camcorderfamilie ist deshalb geradezu prädestiniert, beidem Rechnung zu tragen, denn einen solchen Funktionsumfang findet man in der Amateurklasse sonst nirgends.
Die Optik
Herausragendes Merkmal der Dreichip-Camcorder aus dem Hause Canon war immer schon das 20-fach Zoomobjektiv. Beim XH-A1/G1 ist es fest eingebaut, beim XL-H1 als Wechseloptik ausgelegt. An das Spezialbajonett lässt sich ein separat erhältliches Weitwinkel-Zoom (6fach) anbringen. Für große Telereichweiten empfiehlt sich ein Adapter zum Aufsetzen von EO S-Objektiven. Da Fotoobjektive bei Videokameras aufgrund der kleineren Bilddiagonalen der Bildwandler-Chips grundsätzlich eine Telewirkung haben, lassen sich enorme Brennweiten erzielen (Umrechnungsfaktor EO S / XL-H1: x 7,6).
Dass das Objektiv des Duos A1/G1 nicht von der XM-2 übernommen wurde, sieht man schon am Filtergewinde, das nicht 58mm sondern 72mm beträgt. Der bisherige Weitwinkelaufsatz lässt sich also nicht mehr verwenden, dafür wird es einen neuen geben. Beim Wechselobjektiv des H1 könnte man zunächst eine schwarz lackierte Variante des Vorgängers XL-2 vermuten, doch auch dieses Objektiv wurde mit nun mindestens 800 Linien Auflösung den HD -Anforderungen angepasst. Die Verwendung z.B. des XL-2 Weitwinkelzooms ist zwar möglich, Canon weist jedoch darauf hin, dass damit nicht die volle HD -Qualität ausgereizt werden kann. Anders bei der Verwendung von EO S-Objektiven: Praxiserfahrungen von Kameraleuten zeigen, dass diese sich bestens für HD -Aufnahmen eignen (z.B. Tierbeobachtungen).
Blenden - und Belichtungsfunktionen
Während das Standardobjektiv des XL-H1 über einen manuellen Focus- und Zoomring verfügt, bieten das A1/G1-Duo zusätzlich noch einen Ring zur manuellen Blendensteuerung, stufenlos von f=1,8 bis 9,5. Im Gegensatz zu echten Profi-Objektiven bieten die Ringe jedoch keinen Anschlag, sondern sind um 360° drehbar, wie bei Innenfokussierungsobjektiven üblich. Für helles Umgebungslicht gibt es zwei einschwenkbare Graufilter, die die Lichtmenge auf 1/6 bzw. 1/32 reduzieren. Die kleinste Blendenöffnung von 9,5 liegt im Vergleich zu Fotoobjektiven, die noch bis 16 oder 22 reichen, relativ niedrig. Man sollte jedoch bedenken, dass bei sehr kleiner Blendenöffnung es physikalisch bedingt zu Abbildungsfehlern kommt, die eine leichte Unschärfe bewirken. Dieser Effekt verstärkt sich noch durch den großen Zoombereich. Gerade bei HD -Aufnahmen wird dies schneller sichtbar als bei SD. Deshalb beschränkte Canon, auch unter Berücksichtigung des großen Zoombereichs, die Blendenöffnung auf einen Wert, der noch scharfe Bilder gewährleistet. Wann die jeweiligen Graufilter zu- oder abzuschalten sind, wird rechtzeitig im Sucherdisplay angezeigt.
Nun ist eine manuelle Blendenregelung in zahlreichen Aufnahmesituationen wenig praktikabel, vor allem, wenn sich Einstellungen oder Geschehnisse nicht im Voraus planen lassen. Die Blendenautomatik jedoch liefert nicht immer die gewünschten Ergebnisse, wie wir im letzten Heft schon aufgezeigt hat ten. Die automatische Blendenregelung der Canon-Modelle läßt sich auf verschiedene Weise beeinflussen: Da gibt es zunächst die gemeinhin als AE-Shift bezeichnete Verlegung des Arbeitspunktes der Automatik um +/- 2 Stufen in sehr feinfühligen ¼-Schritten. Je nachdem, ob man etwas hellere oder dunklere und damit farblich gesättigte Aufnahmen haben möchte, kann man den geeigneten Wert individuell festlegen. Die automatische Blendensteuerung bleibt dabei voll in Funktion.
Verlager t man den Automatik-Arbeitspunkt in den Plus-Bereich, kann es leicht zu „Überbelichtungen“ kommen. Wie in der Fotografie verlieren helle Objekte dann Strukturen und Farben. In der Fernsehtechnik kann dies noch weitere Folgen haben, da Studiomaschinen und die Sendetechnik bis hin zum Fernsehgerät unter Umständen ausgesprochen sauer auf solches Material reagieren. Auf dem Bildschirm können überbelichtete Aufnahmen zittern, die Konturen ausreißen. Damit alles in der Norm bleibt, sind die für die Fernsehübertragung zulässigen Werte genau festgelegt. Da Canon mit seiner XL- und XH–Camorderfamilie auch professionell arbeitende Videoproduzenten ansprechen will, darf natürlich die Zebra-Funktion nicht fehlen. Wird sie aktiviert, erhalten alle Flächen, die einen 100%-Weißpegel überschreiten, eine Schraffur im Sucherdisplay. Mittels manueller Blendenregelung oder AE -Shift läßt sich dann die Belichtung entsprechend korrigieren.
Weitere, eher professionelle Features sind Gamma, Knee und Blackstrech bzw. –press. Dahinter verbergen sich Funktionen, die sich eigentlich nur im stationären Betrieb, z.B. vor der Aufzeichnung einer Theateraufführung, korrekt einrichten lassen und zwar möglichst nicht erst kurz bevor der Vorhang aufgeht, sondern schon bei den Proben (s. Heft 6/2006, S.32). Da sich hier extreme Kontrast-unterschiede schlecht vermeiden lassen, kann man mittels der Knee-Funktion übermäßig helle Bildelemente in drei Stufen beeinflussen. Damit auch in dunklen Bildpartien noch Einzelheiten erkennbar bleiben, lässt sich der Schwarzanteil des Bildes mittels Blackstrech etwas dehnen. Dunkle Bereiche wirken zwar dann etwas grauer, doch werden Details mit schwachen Kontrasten besser sichtbar. Sollen die dunklen Bereiche dagegen noch „schwärzer“ wirken, z.B. um sich in farbiger Beleuchtung noch besser davon abzuheben, lässt sich dies mit Blackpress verwirklichen. Da die vorgegebene, dreistufige Einstellung relativ grob ist, lässt sich der Schwarzwert - Master Pedestal genannt – insgesamt um +/- 9 Stufen regulieren. Wie schon erwähnt, sind diese Funktionen nicht spontan, sondern nur bei geplanten Vorhaben und Einstellungen wirkungsvoll einzusetzen. Und selbst dann bedarf es einiger Erfahrung, denn die Veränderungen beeinflussen die Aufnahme lediglich um Nuancen.
Zwischen extremen Weiß und dunklem Schwarz liegen die Grauwerte (Gamma). Zwar filmen wir heute in Farbe, doch lassen sich Farben in der Fernsehtechnik nicht direkt speichern oder übertragen. Sie sind genau genommen nur Helligkeitswerte der Farbauszüge Rot, Grün und Blau. Nun ist das Medium Video bekannt für seine hohe Lichtempfindlichkeit, aber auch für das gegenüber dem Film schlechtere Kontrastverhalten, das heißt, die Fähigkeit große Unterschiede zwischen Hell und Dunkel darzustellen ist begrenzt. Das liegt aber nicht nur an den Bildwandlern, sondern auch am Übertragungsweg und den Wiedergabegeräten. Ob Röhren-TV, Plasmabildschirm, LCD - Display bzw. -Beamer oder DLP-Projektor: Jede Technik hat diesbezüglich ihre physikalisch bedingten Grenzen. Die Idee, Videomaterial deshalb auf Film zu überspielen, ist nicht erst seit Einführung von Mini-DV ein Thema. Das letzte Beispiel war „Deutschland - ein Sommermärchen“. Steht die Übertragung auf Film (FAZ = Filmaufzeichnung) zur Debatte, muss das Videomaterial entsprechend angepasst werden. Die Canon-Familie (aber auch andere Camcorder dieser Kategorie) bietet dafür eine Cine-Schaltung an, sogar zweistufig. Sie dämpft die Bildhelligkeit etwas, um eine ausgewogene Belichtung zu erreichen und dem Videomaterial seine „Härte“ zu nehmen. Auch für die Präsentation über Videobeamer ist dies eine nützliche Funktion.
Die bei Amateurkameras so zahlreich verwendeten Programmautomatiken sind beim Canon-Trio nicht zu finden. Lediglich eine Position für Spotlicht und für Nachtaufnahmen findet sich am so genannten Power-Rad, mit dem alle Grundbetriebsarten gewählt werden. Hier finden sich auch noch zwei Positionen für Zeit- bzw. Blendenautomatik sowie zwei Automatikstellungen.
Der Lichtverstärker
Obwohl die Lichtstärke von 1:1,6 für ein 20-fach Zoom hervorragend ist, gilt dies nur für die „Weitwinkel“- Stellung. Mit zunehmender Brennweite verkleinert sich der Bildwinkel und das einfallende Licht verringert sich damit. Am Zoomanschlag liefert es aber immer noch den erstaunlich guten Wert von 1:3,5. Ist das Bild trotz voll geöffneter Blende immer noch zu dunkel, muss elektronisch nachgeholfen werden. Der Lichtverstärker (Fachbegriff Gain) verstärkt das Videosignal vom Bildsensor in 6 dB-Schritten. Dezibel ist eine logarithmische Berechnungseinheit. 6 dB entsprechen dem Gewinn von einer Blende, also einer Verdopplung der Signalstärke. Alle Canon-Modelle bieten eine Verstärkung von +6 / +12 und +18 dB. Das Duo A1/G1 sogar noch 36 dB, und übertrifft damit den legendären DV-Boliden XL-1s aus gleichem Hause, der es immerhin auf 30 dB brachte. Da zusammen mit dem Bildsignal auch dessen Rauschanteil verstärkt wird, stört dieser denn auch bei Aufnahmen über +12 dB zunehmend. Bei +36 dB rauscht es dann derart, dass ein Gesicht etwa so aussieht, wie das auf der Vichy-Werbung in den Illustrierten derzeit.
Um den Signalverstärker nicht jedes Mal per Menü aufrufen zu müssen, gibt es den AGC-Schalter (Automatic Gain Control). Er bewirkt eine automatische Regelung je nach Lichtverhältnissen bis +18 dB. Wer den Signalverstärker nach Bedarf aktivieren möchte, kann die drei Positionen des Gain- Schalters individuell belegen. Leider lassen sich die Verstärkungsstufen nur in 6 dB-Schritten vornehmen. Konkurrent Sony erlaubt feinfühligere 3 dB-Schritte, also halbe Blendenstufen. Die Lichtempfindlichkeit der Canon-Modelle ist Dank der drei 1/3“-CCD -Chips hervorragend, obwohl diese im HD -Modus 1,56 Mio. Pixel verwenden. Bis +12 dB hält sich das Rauschen in vertretbaren Grenzen. Braucht man einmal mehr, aktiviert man einfach die AGC.
Der Signalverstärker der Canon-Modelle funktioniert aber auch in der anderen Richtung. Die Stellung –3 dB reduziert die Empfindlichkeit um ½ Blendenstufe. Ist die Beleuchtung gerade ausreichend und will man dennoch möglichst rauscharme Aufnahmen, um z.B. genügend Reserven für die Nachbearbeitung zu haben, empfiehlt sich diese Einstellung.
Die Fokussierung
Beim Duo A1/G1 ist das Objektiv fest eingebaut. Wie beim XL-H1 dient der vorderste Objektivring der manuellen Fokussierung. Über die benutzerdefinierten Einstellungen kann man festlegen, in welcher Richtung in die Nah- bzw. Unendlich- Position zu drehen ist, denn wie beim Blendenring gibt es auch hier keinen Anschlag. Es wird lediglich der Fokusmotor im Objektiv aktiviert. Dennoch muss man auf die von Profiobjektiven gewohnte Entfernungsskala nicht ganz verzichten: Der Abstand zum anvisierten Objekt wird im Display sehr exakt angezeigt – von 0,2m bis unendlich.
Das manuelle Scharfstellen bedarf bei HD besonderer Aufmerksamkeit, denn die beinahe vierfache Auflösung entlarvt Fehler gnadenlos, wenn man sie später auf einem HD -Display betrachtet. Das aufklappbare 2,8“ Display (2,5“ beim H1) mit seinen 207.000 Pixel aber auch der eingebaute Suchermonitor mit 269.000 Pixel sind hier verständlicherweise keine verlässliche Hilfe. Besonders bei weit geöffneter Blende, bei wenig Licht oder im starken Telebereich, wenn die Schärfentiefe nicht besonders groß ist, reicht deren Auflösung für eine vernünftige Schärfebeurteilung nicht aus. Deshalb gibt es Peaking und Bildvergrößerung (Bei Sony: „Expanded Focus“). Beide Funktionen sind nur in den Displays wirksam und haben keinen Einfluss auf die Aufnahme. Während mit der Peaking- Funktion nur die Konturen verstärkt werden, zieht die Bildvergrößerung einen Ausschnitt auf die volle Displaygröße auf, um die exakte Scharfstellung des ausgesuchten Objekts zu gewährleisten. Beide Funktionen lassen sich auch in Kombination verwenden (wie auch bei der Sony FX-1 und 7).
Beim XL-H1 gibt es bedingt durch die Wechseloptik noch ein weiteres Kriterium: Das Auflagemaß. Damit bei manueller Entfernungseinstellung ein anvisiertes Objekt durch den gesamten Zoombereich hindurch scharf bleibt, muss der Abstand des Objektivs zum CCD -Block stimmen. Ein falscher Abstand führt zu Unschärfen entweder im Tele- oder Weitwinkelbereich. Die Anleitung des H1 gibt deshalb wichtige Hinweise zu den richtigen Einstellungen. Im Gegensatz zu echten Profikameras muss man jedoch keine Millimeterarbeiten am entsprechenden Einstellring des Objektivs vornehmen, sondern wird von einer Automatik der XL-H1 unterstützt. Beim Duo A1/G1 entfallen diese Einstellungen aufgrund der Festoptik natürlich.
Selbstverständlich gibt es auch den obligatorischen Autofokus, denn auch professionelle Anwender regeln nicht jede Aufnahmesituation von Hand. Beim großen XL-H1 wird die optimale Schärfeposition über das Objektiv ermittelt (TT L = Through The Lens). Zur Orientierung dienen vor allem vertikale Linien und Hell-/Dunkel-Kontraste. Der Vorteil dieses Verfahrens: Auch mit Vorsätzen bzw. Filtern oder Nahlinsen funktioniert der Autofokus. Der Nachteil: Die Abhängigkeit von Kontrasten kann zu Fehlinterpretationen führen. Kleine Halogenstrahler vor einem kontrastarmen Hintergrund oder Reflexionen in Glasflächen können den Autofokus genauso irritieren, wie Motive bei schlechter Beleuchtung in relativ konturloser Umgebung. Er benötigt dann entweder eine längere Zeit oder packt es gar nicht. Auch der schnelle Wechsel vom extremen Nahbereich auf weiter entfernt liegende Objekte kann manchen Autofokus erheblich irritieren. Solche Situationen lassen sich jedoch neuerdings mit dem „Position Preset“ (bei Sony „Shot Transition“ genannt), meistern. Damit lässt sich eine beliebige Schärfeverlagerung zwischen zwei verschieden weit entfernten Objekten programmieren. Auf Knopfdruck zieht die Kamera dann automatisch die Schärfe vom einen auf das andere Objekt. Die Fokusgeschwindigkeit kann dabei in drei Stufen vorgewählt werden. Auch eine Zoomfahrt lässt sich auf diese Weise automatisieren. Beide Funktionen bedürfen einer gewissen Vorbereitung, weshalb man sie nicht spontan nutzen wird. Ohne Stativ lassen sie sich sowieso kaum sinnvoll einsetzen.
Beim Duo A1/G1 gibt es zusätzlich noch einen Sensor neben dem Objektiv für den Instant AF. Er unterstützt den TT L-Fokus durch zusätzliche Informationen. Der Fokus-Prozessor ermittelt dann aus beiden Informationspaketen die optimale Schärfe. Wird der Weitwinkelvorsatz montiert, funktioniert diese Funktion natürlich nicht mehr, dann gibt es nur noch den TT L. Die große Gegenlichtblende hingegen beeinträchtigt den Instant-AF nicht, da sie über eine seitliche Aussparung für den Messsensor verfügt.
Eine Mischung aus manueller und automatischer Fokussierung ist der Push-AF. Hier wird der Autofokus nur auf Knopfdruck aktiviert, während man die übrige Zeit im manuellen Modus bleibt.
Weissabgleich und Farbmanagement
Für eine korrekte Farbwiedergabe unter den jeweiligen Lichtbedingungen sorgt der automatische Weißabgleich. Da sich dieser auch einmal irren kann, gibt es die üblichen Standardeinstellungen für Tageslicht und Kunstlicht, sowie den manuellen Weißabgleich. Zusätzlich ist es möglich, wie in dieser Preisklasse üblich, mehrere Weißabgleich- Presets zu speichern. Bei der Canon-Familie sind dies zwei, die mittels eines Microswitch-Schalters zugänglich sind. Dieser verfügt außerdem über eine Voreinstellung für Kunstlicht bzw. Tageslicht, die sich in +/- 9 Stufen an die Farbtemperatur unterschiedlicher Lichtsituationen anpassen lässt. Eine dritte Möglichkeit ist die Anpassung an die Farbtemperatur in Kelvin-Graden zwischen 2.800 und 12.000 Kelvin in 100-Grad Schritten (Kelvin-Grade entsprechen denen in Celsius, jedoch beginnt die Skala beim absoluten Nullpunkt (-273° C).
Die günstige Anbringung der Weißabgleichfunktionen erlaubt ein schnelles Eingreifen am Drehort. Sowohl beim automatischen, als auch beim manuellen Weißabgleich zeigt das Canon-Trio sehr natürliche Farben.
Der Einfluss auf die Farbwiedergabe bleibt aber nicht auf die genannten Weißabgleichfunktionen beschränkt. In den benutzerdefinierten Einstellungen wartet das Canon-Trio mit reichhaltigen Korrekturen auf, die direkten Einfluss auf die Farbcharakteristik der Kameras haben. Diese Einstellungen sind aber ohne einem farbneutralen Studiomonitor nebst Vektorskop (s. Heft 6/2006) kaum korrekt vorzunehmen, sofern dies überhaupt notwendig ist. Jedenfalls lassen sich weder über das Display noch den eingebauten Sucher Farbverstärkung, Farbphase, Verstärkung der Kanäle Rot, Grün und Blau, sowie die Kombinationen der Farbkanäle R-G, R-B, G-R, G-B, B-R und B-G korrekt abgleichen. Auch die Funktionen wie die horizontale bzw. vertikale Detailfrequenz sowie die beiden Rauschfilter und die dazu gehörende „Coring“- Funktion sind eher etwas für Bildtechniker. Den Rauschfiltern zugehörig ist auch die Skin - Funktion, die Hauttöne etwas glättet. Gerade HD - Aufnahmen zeigen jede Hautunreinheit und jeden Bartstoppel, was manch gefilmte Person nicht vorteilhaft erscheinen lässt. Da man gewöhnlich auch als professionell arbeitender Amateur keinen Schminkkoffer dabei hat, bietet die Skin-Funktion eine „Weichzeichnung“ der Hauttöne. Da die Hautfarben der Völker dieser Welt recht unterschiedlich sind, bieten Canons HD -Camcorder eine individuelle Anpassung in den Parametern Farbton, Sättigung, Helligkeit sowie für das Farbspektrum, in dem der Filter wirksam sein soll.
Eine weitere Glättungsfunktion bietet das Duo A1/ G1: Die Himmelsdurchzeichnung. Sie bezieht sich auf die Eigenheit der MPEG -Kompression, bei der einfarbige Flächen, je nach Kompressionsstärke, oft eine leichte Unruhe aufweisen. Nun ist bei HD V die Datenrate so hoch, dass dieser Effekt nur in wenigen Fällen in Erscheinung tritt. Blauer Himmel z.B., grieselt manchmal leicht, was man auf großen Displays auch sehen kann, wenn man nahe genug heran tritt. Aktiviert man bei der Aufnahme dagegen die Himmelsdurchzeichnung, erscheint das Blau des Himmels glatter.
Sollen die genannten Einstellungen schnell greifbar sein, lassen sich einige davon den zwei Custom- Preset Tasten zuweisen. Zusätzlich stehen zwei Custom-Key Tasten zur Verfügung, die sich jeweils mit einer Sonderfunktion belegen lassen (z.B. Zebra, Index, oder Audiopegel-Anzeige).
Im Laufe der Zeit nimmt man selbst als Nichtprofi die eine oder andere Einstellungskorrektur vor. Damit diese nicht verloren gehen, lassen sich auf der mitgeliefer ten 16 MB SD-Kar te bis zu drei „Lieblingspresets“ speichern. Dies hat auch den Vorteil, dass z.B. bei Benutzung des Camcorders durch mehrere Kameraleute, jeder sein eigenes Preset laden kann, ohne dass er umständlich jedes Mal wieder neu justieren muss. SD-Karte einschieben, eigene Presets laden – fertig.
Die zahlreichen Anpassungen der Farbkanäle werden im normalen Filmalltag sicher nur selten notwendig. Wird jedoch mit mehreren Kameras unterschiedlichen Typs gearbeitet, kann dies recht hilfreich sein, wenn das Material später zusammengefügt werden soll. Das erspart aufwändige Korrekturen in der Nachbearbeitung. Das Speichern der Presets auf SD-Karte hat den angenehmen Nebeneffekt, dass sich die Einstellungen auch in andere Kameras laden lassen – vorausgesetzt, diese entstammen ebenfalls der Canon HD -Familie.
Soll z.B. eine Bühnenshow oder eine Diskussionsrunde mit zwei Kameras aufgenommen werden, bietet das A1/G1-Duo noch eine Start/Stopp- Bedienung eines zweiten Camcorders gleichen Typs via Firewire-Kabel, ohne dass man dazu einen zweiten Kameramann braucht.
Der Shutter
Die Belichtungsregelung mittels Blende ist eine Möglichkeit, eine andere ist die Verkürzung der „Belichtungszeit“ – genauer formuliert – des Ausleseintervalls des Bildwandlers, auch Highspeed- Shutter genannt. Sie beträgt bei unserem SD-und HD -Formaten 1/50 Sekunde. Schnelle Bewegungen, z.B. beim Sport, erscheinen daher etwas unscharf, vor allem, wenn man sie bei der Wiedergabe in Zeitlupe oder als Standbild betrachten möchte. Das Canon-Trio kann daher die Auslesezeit in 27 Schritten bis auf 1/16.000 Sekunde verkürzen. Wird die Auslesezeit verlängert, spricht man vom Slow-Shutter. Das Canon Trio liefert Aufnahmen mit 1/25, 1/12, 1/6 und 1/3 Sekunde. Damit steigt zwar die Lichtempfindlichkeit enorm, aber für bewegte Motive sind längere Intervalle als 1/25 Sekunde sowieso ungeeignet, da diese dann zu stark ruckeln. Der „Nachzieheffekt“ aufgrund der längeren Belichtungszeit hat aber für Experimentierfreudige durchaus seine Faszination. Für statische Motive, wie z.B. Himmelserscheinungen wie eine Mondfinsternis ist der Slow- Shutter eine wichtige Hilfe.
Eine besondere Shutter-Funktion des Canon-Trios ist der Clear Scan. Damit lassen sich Aufnahmen direkt von Computermonitoren machen, ohne dass dabei das durch die unterschiedlichen Bildfrequenzen bedingte Flackern auftritt. Canon’s Clear Scan akzeptiert Monitorfrequenzen von 50 bis 200 Hertz.
Der Ton
Hatte man bei DV bisher die Wahl zwischen 12 Bit/32 kHz und 16 Bit/48 kHz, wird der HD V-Ton immer mit einer Signaltiefe von 16 Bit und 48 kHz Abtastfrequenz aufgenommen und mit MPEG -1 Layer 2 komprimiert (384 Kbps). War Anfangs nur Stereoton vorgesehen, wurde auf das Bestreben Canons die HD V-Norm um eine zweite „Stereospur“ erweitert. Wie schon bei den DV-Modellen der XL und XM-Reihe, gibt es auch bei den HD VCamcordern die getrennte Aufnahme der beiden Stereospuren. Das eingebaute Mikrofon ist bei allen drei Canons flexibel gelagert und damit sehr gut vom Gehäuse entkoppelt. Laufwerkgeräusche stören auch in leiser Umgebung nicht. Beim Duo A1/G1 lässt sich seine Empfindlichkeit noch um +6 dB erhöhen und, falls es mal richtig laut wird, um bis zu 12 dB dämpfen (XL-H1: 20 dB). Eine Windgeräusche-Dämpfung haben alle drei, eine Menüeinstellung für Stimmenaufnahmen nur das Duo A1/G1.Für das externe Mikrofon gibt es wahlweise eine 25mm-Halterung oder den Zubehörschuh.
Es wird entweder an die 3,5 mm Stereo-Klinkenbuchse oder an einen der beiden XLR-Anschlüsse angesteckt, über die alle drei Canons verfügen. Bei externen Mikros ist sogar eine Dämpfung von 20 dB möglich. Wird eine 48 Volt Phantomspeisung benötigt, lässt sich diese zuschalten. Ebenfalls Profi- like: Bild- und Tondaten sind miteinander verkoppelt, (Fachbegriff: Locked Audio) um 100% Synchronität von Bild und Ton zu gewährleisten. Optimiert ist der normale Mikro-Eingang für Impedanzen um 600 Ohm, jedoch gibt es eine Anpassungsmöglichkeit an die Mikrofonempfindlichkeit. Wird über nur eine XLR-Buchse aufgenommen, lässt sich der Ton per Schalter trotzdem auf beide Kanäle der ersten „Stereospur“ verteilen. Auch hier gibt es eine Verstärkungs- bzw. Dämpfungsmöglichkeit wie oben erwähnt. Wird über die XLRBuchsen ein Mischpultsignal zugeführt, gibt es dafür eine Umschaltung auf „Line“.
Selbstverständlich steht auch eine manuelle Pegelaussteuerung zur Verfügung, dessen Anzeige normalerweise im Powerrad zu sehen ist, auf Wunsch aber auch im Display eingeblendet wird. Bei allen drei Modellen lassen sich die Kanäle von Stereospur 1 getrennt aussteuern, beim XL-H1 auch noch die der zweiten Stereospur.
Weitere Funktionen:
Da in der Konzeption der HD -Camcorder ein SDKartenspeicher integriert ist, lag es nahe, neben der Übertragung von Benutzer-Presets auch Fotos darauf aufnehmen zu können. Mit 1,5 Mio Pixel ist die Fotofunktion jedoch eher für Storyboard- Shots gedacht, als für hochwertige Digitalfotos. Dennoch bietet die Fotofunktion sehr umfangreiche Einstellungen, die wir hier aber nicht näher vertiefen wollen.
Falls erforderlich, lassen sich übrigens auch HD - Aufnahmen vom Band auf die Speicherkarte übertragen. Wie früher beim analogen VHS-System, gibt es beim Canon-Trio auch wieder die Möglichkeit, während der Aufnahme Index-Signale zu setzen, um später bei der Wiedergabe schneller eine bestimmte Stelle zu finden.
Die Aufnahmekontrole
Während das A1/G1-Duo neben dem aufklappbaren Display noch einen eingebauten Sucher besitzt, genügt beim XL-H1 der Suchermonitor. Wird das Okular aufgeklappt, dient das 2,4“ Display mit seinen 215.000 Pixel auch als Kontrollmonitor. Nun ist bei professionellen Anwendern nicht immer eine Kontrolle in Farbe erwünscht, weshalb sich die Displays per Menübefehl auch auf s/w- Betrieb umschalten lassen.
Für den Anschluss an gewöhnliche Fernseher gibt es einen Composite-Ausgang, beim XL-H1 auch noch eine S-Video Buchse. Diese Buchsen lassen sich auch zur Digitalisierung analoger Videoquellen verwenden, allerdings nur im DV-Betrieb. HD -Displays oder Monitore werden über den Komponentenausgang bedient. Die benötigten Kabel gehören zum Lieferumfang. Ein digitaler HD MI-Ausgang ist nicht vorhanden.
Beim XH-G1 bzw. XL-H1 gibt es für die Studio-Einbindung zusätzlich einen SDI-Ausgang, um das noch unkomprimierte 4:2:2 HD -Signal z.B. an einen Studiomischer zu leiten. Für die Synchronisation mehrerer Kameras gibt es den erforderlichen Genlock-Eingang. Zusätzlich stehen zwei Buchsen für Timecode In/Out zur Verfügung. Das HD V-Signal kann live oder vom Band via Firewire- Schnittstelle zum PC übertragen werden. Die gleiche Schnittstelle dient auch der Kamerajustage bzw. Steuerung über die von Canon dafür entwickelte „Console“-Software, mit der sich bei allen drei Modellen die benutzerdefinierten Einstellungen wesentlich komfortabler einstellen lassen, als über die Menüfunktion der Kameras.
Die XH-A1 in der Praxis
Vor dem ersten richtigen Einsatz mit dem A1 sollte man zuerst ein paar „Trockenübungen“ vornehmen, um - will man nicht alles der Vollautomatik überlassen - vor Ort gezielt entsprechende Funktionen aktivieren zu können. Wer schon Erfahrungen mit den DV-Vorgängern hat, wird sich dagegen schneller eingewöhnen.
Das robuste Gehäuse vermittelt einem das Gefühl, dass es auch einen etwas ruppigeren Einsatz verträgt. Ob die etwas eigenwillige Befestigung für das aufklappbare Display hier mithält, wird sich wohl erst nach längerer Praxis zeigen. Wenn die Gefahr besteht, dass die Kamera seitlich irgendwo anstoßen könnte, sollte man es besser eingeklappt lassen. Für den normalen Filmeinsatz ist das Scharnier aber robust genug. Das recht neutral wirkende Display ist auch bei Tageslicht noch gut erkennbar, doch die Feineinstellungen für Blende oder Weißabgleich lassen sich im eingebauten Sucher naturgemäß besser beurteilen. Praktisch: Schärfe, Zoom und Blende können auch dann manuell am Objektiv verstellt werden, wenn diese Funktionen standardmäßig auf Automatik gesetzt sind. Erstaunlich gut arbeitet der optische Bildstabilisator, der selbst bei hohem Zoomfaktor für bemerkenswert ruhige Aufnahmen sorgt.
Bemerkenswert ist auch die hohe Lichtempfindlichkeit der 1/3“ CCD s. Schon bei 0 dB Verstärkung gelingen Abendaufnahmen bei Straßen- und Schaufensterbeleuchtung recht natürlich, bei +12 dB sind sie schon heller als in Wirklichkeit, wobei das Bildrauschen noch vertretbar ist. Bei +18 dB ist dieses dann aber deutlich zu sehen, abendliche Straßenszenen sind dann in den hellen Bereichen schon überbelichtet.
Die Belichtungsautomatik präsentiert sich ausgewogen, in Automatikstellung neigt sie nicht zu den vielfach üblichen, etwas zu hellen Aufnahmen. Nur ab und zu lieferte eine Änderung der AE -Shift auf –0,25% noch bessere Ergebnisse. Die Farben sind in der Grundeinstellung zurückhaltender als z. B. beim FX-7 von Sony, sind aber neutral. Auf eine künstliche Kantenanhebung hat Canon glücklicherweise verzichtet. Dennoch wirken die Aufnahmen nicht weniger scharf, die Detailtreue ist hervorragend. An den Bildrändern ist bei starken Kontrasten eine leichte chromatische Aberration zu bemerken, die bei unserem Modell am linken Bildrand etwas deutlicher zu sehen war. Die kleinste Brennweite entspricht 32.5 mm bei einem Kleinbildobjektiv, der Weitwinkel ist also besser als bei den meisten anderen Camcordern, dennoch wird man auf Dauer auf den passenden Weitwinkelvorsatz nicht verzichten wollen.
Der Autofokus arbeitet auch bei schwachem Licht noch erstaunlich zuverlässig, Dank zusätzlichem Messsensor. Bei der manuellen Einstellung sind die Peaking-Funktion und die automatische Ausschnittvergrößerung während des Scharfstellens sehr hilfreich. Das eingebaute Mikrofon überrascht durch seine gute Entkopplung vom Laufwerk, die Schaltund Tastengeräusche während der Aufnahme kann es freilich nicht verhindern, denn die lassen sich gänzlich nur mit einem externen Mikrofon beseitigen.
Canon hat den Einführungstermin des A1/G1-Duos geschickt platziert: Sony’s HD V-Klassiker FX- 1 (bzw. Z1) tritt den Rückzug an und überlässt dem Nachfolger FX-7 (bzw. V1) das Feld. Dieser punktet zwar mit seinem geringeren Gewicht und einem niedrigeren Preis. Auch auf die zahlreichen Einflussmöglichkeiten der Canon-Modelle für einzelne Bildparameter werden sicher viele Amateure verzichten können. Dessen CMOS-Bildwandler jedoch zeigt noch deutliche Schwächen im unteren Lichtbereich, wie unsere Aufnahmen belegen. Auch mit der Konturenanhebung, eigentlich ein Fossil noch aus der analogen Videoära, mögen sich anspruchsvolle Naturen kaum anfreunden können. Diese sind mit dem Canon-Konzept sicher besser bedient, auch wenn es eine intensivere Beschäftigung mit dem Camcorder erforder t. Dafür bietet er professionelle Funktionsmerkmale und eine ebensolche Qualität. Für die meisten professionell orientierten Amateure (und nicht nur die!) wird der XH-A1 deshalb die erste Wahl sein.
Für den Studioeinsatz optimiert zeigt sich der nahezu identische XH-G1, der zusätzlich über die erforderlichen Timecode- und Synchronisierungsanschlüsse sowie einen SDI-Ausgang verfügt. Erfordert der Einsatz darüber hinaus auch die Möglichkeit eines Objektivwechsels, bleibt nur der Griff zum XL-H1. Hier spielen dessen Größe und Gewicht eine eher untergeordnete Rolle, nicht jedoch sein Preis. Dieser stellt gegenüber echten Proficams eine interessante Alternative dar, nötigt aber andererseits anspruchsvolle Amateure zu der Überlegung, ob die Freude an ihrem Hobby eine solche Investition wirklich rechtfertigt. Das Canon- Konzept setzt hier offensichtlich auf die Filmer, für die das Beste gerade gut genug ist und der Preis keine Rolle spielt.
Canon Camcorder im Preisvergleich bei idealo.de.


Kommentar hinzufügen