Bericht, Home Cinema

Display-Sensationen auf der CES 2003

Montag, 10. Februar 2003: Flache Bildschirme in Übergrößen dominierten die Consumer Electronic Show, die in Las Vegas wie immer zu Anfang des neuen Jahres die neuesten Trends der Branche aufzeigte. Neben den bereits in der vorigen Ausgabe vorgestellten Plasma-Bildschirmen ringen jetzt weitere Technologien um die Vorherrschaft im Heimkino.

Die digitale Revolution erobert nun auch das Wohnzimmer. Täglich schreitet die Verschmelzung der Computertechnik mit der Unterhaltungselektronik weiter fort. Der PC wird zum Fernseher und der Fernseher zum Computer. Davon profitieren im starken Maße die Hersteller von Bildschirmen, Fernsehgeräten und Monitoren. Dabei ist nicht nur unter den Produzenten sondern vor allem auch zwischen den unterschiedlichen Displaytechniken ein starker Konkurrenzkampf entbrannt. Denn dort entscheidet es sich, wie wir in Zukunft unsere Fernsehprogramme oder Videokonserven zuhause genießen werden. Wer jetzt auf die richtige Technik setzt, wird beim Wechsel der Zuschauer auf die nächste Gerätegeneration das Geschäft machen.

Einige Trends dabei sind klar und dürfen nach den Wünschen der Verbraucher beim Fernseher der Zukunft auf keinen Fall fehlen: Sie müssen flach sein und sie müssen dem Qualitätsstandard sowie dem Seitenformat des HDTV-Formats (High Definition Television) 16:9 entsprechen. Doch schon dann trennen sich die Geister. Je nach dem aus welchem Lager die Hersteller kommen und welchen historischen Interessengruppen sie angehören – ob sie nun aus der Unterhaltungselektronik oder den Informationstechnologien kommen - werden unterschiedliche Ansprüche gestellt und verschiedene Ausstattungsmerkmale bevorzugt. Doch es scheint, dass sich durch den rasanten Vormarsch der DVD-Player und -Recorder die Philosophien und Qualitätsansprüche der Computerbranche durchsetzen werden. Der PC-Monitor und der Fernseher der Zukunft werden weitaus mehr Ähnlichkeiten besitzen als es heute im Zeitalter der Bildröhren der Fall ist.

Stärkster Konkurrent der im vorigen Heft vorgestellten Plasma-Bildschirme und der DLP Rückprojektionsfernseher sind zur Zeit die TFT-LCD-TV-Geräte. Als ein High-Light der Messe hat der in Süd-Korea beheimatete Konzern LG.Philips einen TFT-LCD TV-Bildschirm mit einer Bilddiagonale von 52“ mit der hohen Auflösung von 1920 x 1080 Pixel vorgestellt. Dies ist eine rund siebenmal höher Auflösung als die bisheriger Standardfernseher. Selbst im Vergleich zu den heutigen HDTV-Geräten ist die Auflösung des vorgestellten Super-Bildschirms noch etwa doppelt so hoch. Im Vergleich zu den Plasma-Bildschirmen liefern die TFT-LCD-TV-Displays neben ihrer extrem flachen Bauweise eine überragende Bildqualität mit großer Helligkeit und starken Kontrasten. Das jüngste Produkt aus dem bereits seit 1995 bestehendem Joint Venture von Philips und LG mit Produktionsstätten in Europa, Asien und Amerika unterstreicht den Anspruch beider Unternehmen auf die Führungsrolle im stark wachsenden Markt für LCD-TV-Geräte. Zur Eröffnung der Messe glaubten die beiden Partner auch noch ihr neues Flagschiff den größten Fernseher der Welt in TFT-LCD-Technik präsentieren zu können.

Allerdings stahl ihnen einer der größten Wettbewerber, nämlich der ebenfalls aus Korea stammende Konzern Samsung Electronics mit seinem 54-Inch großen Prototypen die Show. Auch dieses Gerät verfügt über die hohe Auflösung von 1920 x 1080 Pixel , bietet einen Betrachtungswinkel bis zu 170° und glänzt mit einem Kontrastverhältnis von 800:1. Erst wenige Wochen zuvor hatte Samsung ein Gerät mit 46 Inch Bilddiagonale vorgestellt. Eine Steigerung der Bildgröße ist allerdings in naher Zukunft kaum zu erwarten, da 54-Inches das Maximum darstellt, das in den heutigen Fertigungsstätten produziert werden kann.Allerdings werden die TFT-LCD-Produktionslinien überall auf der Welt mit Volldampf ausgebaut. Die nächste Generation solcher Fabriken wird frühestens Ende 2003 die Produktion aufnehmen können und soll dann allerdings Flachbildschirme mit Diagonalen von nahezu anderthalb bis zwei Meter liefern können.

Bereits im Bau sind die neuen Fertigungsstätten von Sharp. Sie sollen auf Grund der weltweit rasant wachsenden Nachfrage nach Flachbildfernsehern früher als geplant die Produktion aufnehmen. Das Unternehmen stellte in Las Vegas weitere Modelle seiner Aquos LCD-TV-Linie vor. Das neue Flaggschiff der Reihe LC-37HV4U besitzt eine Bilddiagonale von 37 Zoll und liefert eine Auflösung von 1466 x 768 Pixel. Ein weiteres Modell, der LC-30HV4U mit 30 Inch Bilddiagonale und einer Auflösung von 1280 x 768 Pixel, bietet ähnliche Ausstattung. Sharp glaubt an eine deutliche Überlegenheit seiner TFT-LCD Fernseher gegenüber gleichgroßen Plasma-Bildschirmen. Dazu gehören die höhere Helligkeit, die längere Lebensdauer der Lampen, der größere Betrachtungswinkel, der geringere Formfaktor und der niedrigere Stromverbrauch.

Einer der Nachteile von LCD-Flachbildfernsehern oder Computerbildschirmen gegenüber herkömmlichen Röhrenmonitoren war der geringere Betrachtungswinkel. Helligkeit und Kontrast des Bildes nahmen bei seitlichem Blickwinkel stark ab. Die jüngste Generation der Sharp Flachbildschirme verwendet nun eine Technik, mit der der Betrachtungswinkel auf 170° erweitert werden konnte. Die mit der Abkürzung ASV bezeichnete Technologie (Advanced Super View) sorgt gleichzeitig auch für kurze Reaktionszeiten und liefert so gestochen scharfe Actionszenen. Sie reduziert auch den Stromverbrauch und dämpft die Wärmeentwicklung. Beide Geräte erlauben die Präsentation von HDTV-Bildquellen im Format 16:9. zwei abnehmbare Lautsprecher auf jeder Seite der Panels, sorgen für einen hochwertigen Stereosound. Beide Modelle werden sowohl mit Fuß als auch mit dem notwendigen Zubehör für die Wandmontage geliefert. Billig sind die neuen Flachmänner allerdings nicht. Für das 37-Inch-Modell muss der Kunde knapp 9000 Euro bezahlen, wer sich mit 30 Inch begnügt zahlt immer noch gut 5500 Euro.

Auch Sony setzt auf den Trend der TFT-LCD Flachbildfernseher. Unter der Marke Wega zeigte der Elektronikriese ein hochauflösendes Modell mit 30 Inch Bilddiagonale , DVI-HDTV Schnittstelle und Memory Stick Speicherkartensteckplatz. Das Gerät verfügt über eine Auflösung von 1280 x 768 Pixel. Auch dieses Gerät gestattet laut Sony einen Betrachtungswinkel von 170°. Fernsehbildschirm und Receiver sind für eine besonders flache Bauweise getrennt und über ein spezielles AV-Kabel miteinander verbunden. Die Media Receiver Unit (MRU) verfügt über Schnittstellen für eine Vielzahl unterschiedlicher Videoquellen und besitzt auch den Speicherkartensteckplatz für den Memory Stick. Das Digital Visual Interface (DVI-HDTV) gestattet die Vorführung kopiergeschützer High-Definition Videos über eine entsprechende Set-top Box. Darüber hinaus bietet das Gerät sechs verschiedene Eingänge für die unterschiedlichsten Video- und Audiokomponenten. Eine Besonderheit ist die Flexible Twin View Technik, die eine gleichzeitige Vorführung zweier Programme aus unterschiedlichen Videoquellen nebeneinander gestattet. Der von Sony auf der Messe angegebene Preis für den 30-Inch LCD Wega Fernseher beträgt etwa 6.000 Euro.

Aus der Verbindung von NEC und Mitsubishi stammt der 30-Inch-Fernsehr NEC LCD3000. Das Gerät besticht durch seine hohe Auflösung von 1280 x 768Pixel. Das Unternehmen gibt eine schnell Reaktionszeit von 25 Millisekunden an, so dass sich auch schnelle Actionszenen ohne die störenden Geisterbilder darstellen lassen. Da die Technik anders als etwa bei CRT- oder Plasma-Bildschirmen üblich ohne Phosphorfarbstoffe auskommt, besteht keine Gefahr, dass sich bei langen Standzeiten Bilder im Schirm einbrennen und so auf Dauer die Qualität der Wiedergabe negativ beeinflussen. Bei dem Gerät, das sich über ein spezielles Kabel auch in einer Entfernung bis zu 100 Meter von der Videoquelle betreiben lässt, können alle Funktionen auch über eine kabellose Fernsteuerung eingestellt werden.

Bei uns weniger bekannt sind die Fernseher der Marke Zenith. In Las Vegas zeigte das bereits 1918 gegründete Traditionsunternehmen eine breite Palette an LCD-Fernsehern mit Bildschirmgrößen zwischen 23 und 17 Inch und kündigte für die nahe Zukunft flache Großbildschirme mit Bilddiagonalen von 42 bis 52 Inch an. Die Firma, die auch das amerikanische HDTV-Übertragungssystem entwickelt hat, gehört heute zur koreanischen LG-Electronic Inc. und kann sowohl auf eigene als auch auf Technologien der Muttergesellschaft zurückgreifen.

Eine weitere Sensation stellte Philips mit seiner neuen Single Panel LCOS Projektionstechnologie vor. LCOS steht für „Liquid Crystal on Silicon“, einer Rückprojektionstechnik, die höchste Bildqualität und Schärfe ohne sichtbares Raster verspricht. Die Geräte sind zwar etwas tiefer als die TFT-LCD-Modelle aber bieten große Bilddiagonalen von 44 bis 55 Inch verbunden mit einer hohen Auflösung. Bestechendes Design, geringes Gewicht und schlanke Bauweise sind weitere Kennzeichen, dieser innovativen Fernsehtechnik. Die Auflösung der Geräte liegt bei 1280 x 720 Pixel. Alle verfügen über DVI Input, Bild-in-Bild-Technik über zwei integrierte Tuner die zwei Programme nebeneinander darstellen können. Zwei der Modelle verfügen über die neue Pixel-Plus Technologie (44PL9773 und 55PL99773), einer Technologie zur Bildverbesserung, die hoch auflösende Bilder von praktisch jeder Bildquelle erzeugt. Bei der LCOS-Technologie werden die Steuerelemente hinter den Flüssigkristallen untergebracht, so dass sie kein Licht blockieren oder ablenken. Durch die nah nebeneinander gepackten Pixel des LCDs wird eine Rasterung unterdrückt, die ganze Pixeloberfläche ist sichtbar. Da alle drei Grundfarben gleichzeitig durch die Illumination unterschiedlicher Bereiche abgetastet werden statt nacheinander, verspricht Philips auch einen ermüdungsfreieren Fernsehgenuss ohne Farbabbrüche. Mit der LCOS Technologie will Philips eine Bildqualität erreichen, wie sie bisher nur bei hochwertigen CRT-Monitoren möglich war. Dabei erlaubt sie gleichzeitig größere Bildschirme mit geringerer Tiefe. Die Technik gestattet auch höhere Auflösungen zu geringeren Kosten als etwa durch den Einsatz von Digital Micromirro Devices (DMD) oder Durchlicht-LCDs. Dank der nur 8 Micron großen Pixel liefert der Fernseher eine Auflösung, wie sie konventionelle Projektionstechnologien nicht erreichen. Durch die schnelle Reaktionszeiten der Lichtschleusen ergibt sich ein weiches, farbechtes und flackerfreies Bild. Eingeblendete Texte werden sauber dargestellt, so dass die Geräte auch auf neue Dienste wie das Internet TV und andere Informationsangebote vorbereitet sind.

Glossar

ASV Abk. für „Advanced Super View“ bezeichnet eine Technik zur Vergrößerung des Betrachtungswinkels bei Flachbildschirmen von Sharp (siehe auch IPS).

DMD Abkürzung für „Digital Mircromirror Device“ einer von Texas Instruments entwickelten Technologie für DLP Projektoren

DLP Abk. für Englisch „Digital Light Processing“ einer von Texas Instruments entwickelten digitalen Projektionstechnologie

DVI Abk. für Englisch „Digital Visual Interface“, bezeichnet die Schnittstelle für den Anschluss digitaler HDTV-Geräte.

IPS – Abk. für Englisch „In Plane Switching“ einer von LG und Philips verwendeten Technologie für schnelle Reaktionszeiten und großen Betrachtungswinkel. Letzter Stand der Entwicklung ist das nochmals verbesserte Super IPS oder S-IPS.

LCOS Abkürzung für „Liquid Crystal On Silicon” einer von Philips entwickelten Hintergrundprojektionstechnik.

TFT Abk. für Englisch „Thin Film Transistor“, einer Technologie für die Produktion von LC-Displays.


TFT/LCD-Fernseher günstig bei idealo.de.




Leserkommentare
Keine Kommentare

Kommentar hinzufügen

* - Pflichtfeld

*
*



*