Videofilmen, Workshop

H.264 oder was?

Mittwoch, 19. Mai 2004: H.264 ist nicht die Bezeichnung eines Lebensmittelzusatzes nach EU-Norm sondern ein neuartiger CoDec* zur Videokompression. Wahrscheinlich kennen Sie bereits andere CoDecs wie MPEG-2 (bei DVDs), DivX, MJPG oder DV. Jeder von ihnen hat seine Vor- und Nachteile: Bei DV und MJPG wird beispielsweise eine sehr gute Bildqualität erzielt während bei MPEG-2 und DivX eine hohe Datenreduktion erreicht wird. Bei der Auswahl des passenden CoDecs ist entscheidend, welche Anwendung vorliegt.

Generell unterscheidet man CoDec-Verfahren, die jedes Bild eines Videos einzeln verarbeiten wie DV und MJPG und solche, die nur die Veränderung von einem Bild zum nächsten speichern wie MPEG-2 oder DivX. Die einzeln gespeicherten Bilder sind natürlich leichter zu schneiden, da ein problemloser Zugriff direkt auf jedes einzelne Bild im Video möglich ist. Bei MPEG-2 oder DivX ist das viel komplizierter, denn hier muss beim Schneiden jedes Mal bis zum letzten sogenannten I-Frame zurückgerechnet werden um den Bildinhalt auszulesen. I-Frames sind direkt vom Originalbild berechnet und werden in bestimmten Abständen als Referenzbild in den Datenstrom eingefügt. Von diesem aus werden dann wieder die Veränderungen der Folgebilder berechnet. Ein I-Frame wird bei MPEG-2 typischerweise nach jedem 15-ten Bild eingefügt.

Je nach Anwendung werden verschiedene CoDecs verwendet. Als aktiver Videofi lmer wollen Sie natürlich eine gute Bildqualität und präzise Schnittmöglichkeiten. In Verbindung mit der hohen Speicherkapazität von (DV-)Videokassetten hat sich der DV-CoDec auf breiter Front etabliert. Mit einem Kompressionsfaktor von 1:5 bleibt die Originalqualität weitestgehend erhalten und die Aufnahmekapazität entspricht den praktischen Anforderungen. Doch schon beim Archivieren der Filme macht sich die hohe Datenmenge (3,6 MByte pro Sekunde) negativ bemerkbar: Auf einen DVD-Rohling würden nur etwa 20 Minuten DV-Video passen. Dank der hohen Prozessorleistung heutiger PCs oder anderer Schnittsysteme ist eine Umwandlung z.B. in MPEG-2 dann oft die beste Lösung.

Neue Camcorder, die direkt auf Disc oder gar in einen Speicherchip aufnehmen sind auf eine Platz sparende Kompression der Daten angewiesen. Ebenso verhält es sich bei der Übertragung digitaler Videos über Internet oder überhaupt in Netzwerken und natürlich bei der Archivierung. Die sich teilweise widersprechenden Anforderungen nach bestmöglicher Qualität (z.B. Videoediting oder Broadcast) und gerinstmöglicher Datenrate (z.B. Internet-Telefonie oder Streaming-Video) verlangen nach einem höchst effi zienten CoDec. Nun sind wir beim H.264, auch als MPEG-4, Part-10 bekannt. Im Grundsatz handelt es sich hierbei um einen CoDec, der die Bildveränderungen und nicht nur Einzelbilder auswertet.

<< Erste < Vorherige 1 2 3 Nächste > Letzte >>