Imo Moszkowicz, Videofilmen

Imo Moszkowicz: Alles hat seine Zeit…

Donnerstag, 10. März 2011: Mit dieser, vor Jahrtausenden formulierten Feststellung, hat der weise König Salomo zweifellos Recht. Auch meine Mitarbeit beim Camgaroo-Magazin hat so ihre Zeit. Wenngleich das Impressum meinen Namen immer noch führt, macht ein Durchblick durch die letzten Ausgaben deutlich, dass meine Beiträge immer spärlicher geworden sind.

Szenen aus "Max der Taschendieb" mit Heinz Rühmann

Imo Moszkowicz ist seit Jahren redaktioneller Mitarbeiter des Camgaroo-Magazins, für das er mehrere Artikel schrieb und etliche Interviews führte.

Altersfaulheit kann es wohl nicht sein. Regt sich da untergründig eine gewisse Skepsis im Profiherzen gegenüber dem Versuch, Videoamateure durch wie auch immer verpackte Ratschläge auf die Spuren von Professionalität zu leiten? Beginnt am Ende der Fundus meiner Erfahrungen, aus dem meine Artikel schöpfen, zu veralten, gar zu versiegen?

Unwirsch blättere ich in dem Stapel abgelegter Camgaroos, schnuppere hier und da an den Texten, bleibe an einigen Kapiteln hängen, reiße mich wieder los. Mit diesem Querlesen verlier t sich rasch meine vermeintliche Skepsis. Da dokumentiert sich doch in der Vermittlung von technischen Entwicklungen eine eigene Professionalität, die mir Respekt einflößt. Von Heft zu Heft demonstriert Camgaroo jene apparativen Möglichkeiten, die es dem Amateur erlauben, auf aktuellem technischen Niveau seiner Filmleidenschaft zu frönen und dabei in gestalterische Bereiche vorzustoßen, die ehedem der professionellen Filmarbeit vorbehalten waren.

Inzwischen leisten die neuen Kamerawinzlinge das Gleiche und mehr, als einst die schweren, majestätischen Studiokameras vermochten. Ja, sie werden mehr und mehr für die professionelle Filmarbeit selbst genutzt, und so wundert es nicht, wenn gegenwärtig sogar bedeutende Spielfilme mit ihrer Hilfe gedreht werden. Mit der heutigen Technik ist vieles möglich, wovon man früher nur träumen konnte. Man denke nur an den immensen Beleuchtungsaufwand, daran, wie man nächtliche Stimmung durch Blaufärben (Day for night) von Tageslichtaufnahmen erzeugen musste oder daran, welchen Aufwands es bedurfte, Bewegungsabläufe mit umständlichen Kamerafahrten festzuhalten. Die inzwischen verfügbare Technik ist eine Herausforderung, sie hat aber auch etwas Verführerisches. Das kann soweit gehen zu glauben, die Technik allein garantiere schon ein gelungenes Produkt. Sie ist allerdings lediglich ein Mittel zum Zweck und mögen diese Mittel heute nahezu alles möglich machen, letztlich entscheidend ist das Talent, das sich ihrer bedient.

Diese Lehrmeinung hat vielleicht die „Dogma“ Jünger zum Verfassen ihres Programms bewogen: eines Programms, 1995 von jungen dänischen Filmemachern der Kinowelt als künstlerisches Klistier verpasst, um mit den Schimären der Technik und mit den Obsessionen des Autorenkinos Schluss zu machen, damit eine Reinheit die Wirklichkeit unverfälscht auf die Leinwand bringen kann.

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