Imo Moszkowicz, Home Cinema
Imo Moszkowicz: Vom Wandkino der Zukunft
Donnerstag, 10. März 2011: Mir will keinerlei glaubhafte Entschuldigung einfallen, warum ich die letzten Ausgaben von CAMGAROO ‚geschwänzt’ habe! Dabei habe ich jede Ausgabe durchblättert und so manchen Beitrag, der mich anzog, zumindest quergelesen, damit ich über technische Neuheiten wenigstens halb informiert bin, sollte ich mitreden müssen.

Imo Moszkowicz ist seit Jahren redaktioneller Mitarbeiter des Camgaroo-Magazins, für das er mehrere Artikel schrieb und etliche Interviews führte.

Zeichnung des Autors zum Thema "Heimkino"
Von Video Meets Music verführt, erkannte ich bald den bewundernswerten Stand der Professionalität, den heutige Videografen vorweisen.
Erstaunlich! Bald lernte ich auch die Begriffe DVD kennen und wie man auf Scheiben brennt, was bisher auf langen magnetisierten Tapes festgehalten werden konnte.
Nun will das schlechte Gewissen entschuldigend kund tun, dass 1000 (mindestens!) andere Angelegenheiten vorrangig erledigt sein wollten, die sich so beim Drehbuchschreiben und im Vorfeld einer Produktion aufdrängeln. Da hat das Hirn kaum noch Windungen, die sich mit dem Schreiben eines Beitrags für CAMGAROO auffüllen lassen.
Jedoch: Die Zeit steht nicht still, die Evolution macht sich durchdringend schrill bemerkbar, lechzt nach bemerkt werden.
„Was denn gab’s zu bemerken?“, fragt höhnisch das Abgründige in mir, das stets so lästig-leidenschaftlich darauf lauert, dass ich mich blamiere.
Lauert denn nicht in den oftmals ganzseitigen, hochglänzenden Empfehlungen der neuen Erfindungen, die nach meinem Geldbeutel gierig Ausschau halten, eine Teufelei, die mich indirekt auffordert, meine alten, lieb gewordenen Geräte wegzuschmeißen, um mich mit Neuem zu umgeben, das ja viel, viel tauglicher sei als der veraltete Scheiß?
Das Abgründige in mir macht mich darauf aufmerksam, dass das Neue wohl kaum bemerkenswert sei, denn alles gleicht sich, als wären es in einem Ofen gebacken; einiges setzt bereits museale Patina an, meint es mit höhnischem Nebenton, den ich nicht überhören kann.
„Auch die flachen Bildschirme mit ihren kristallklaren Bildern?“, erlaube ich mir zu fragen.
‚Die warten doch nur darauf, dass es ein Angebot gibt, das sie, im Ruhezustand weggeklappt, ‚unsichtbar’ werden lässt und auf ihrer Rückseite einen Botticelli oder ein anderes Meisterwerk zeigen. So sind die fernsehlosen Stunden nicht der anklagenden, nackten Bildfläche ausgesetzt.
Ein leerer Bildschirm hat immer etwas aufreizend-verlockendes: die Mahnung, dass du die beste aller Fernsehsendungen versäumst und du keinerlei Chance hast, sie jemals zu sehen, wenn du nicht sofort (Sofort!!!) die Fernbedienung aktivierst!
‚Die verpasste Sensation wiederholt sich nicht!’ mahnt die Verlockung.
Also aktiviere ich die anklagende Glotze und versuche mit der Enttäuschung fertig zu werden, die mir das laufende Programm soeben abermals bietet.
Nun, ja!
