Testbericht, Nachbearbeitung, Maxon
Maxon CINEMA 4D R10
Montag, 16. April 2007: Als emsigen Bienenstock möchte man sich die Firma Maxon vorstellen, in dem rund um die Uhr gearbeitet wird und eine Heerschar an Mitarbeitern mit der Weiterentwicklung von CINEMA 4D beschäftigt ist. Nur so scheint es möglich, dass in kurzer Folge ein großes Update nach dem anderen erscheint - mit augenfälligen Weiterentwicklungen die nicht nur kosmetischer Natur sind. So ist nun schon Version 10 der 3D-Modeling- und Animationssoftware erhältlich. Camgaroo hat die aktuelle Version unter die Lupe genommen.
Wer wer ein wenig in der Entwicklungsgeschichte der 3D-Sof tware stöbert, der stolpert zwangsläufig über eine Jahreszahl: 1989. Man möchte es kaum glauben aber die Wurzeln von CINEMA 4D liegen inzwischen schon 18 Jahre in der Vergangenheit. Damals erschien die erste - und absolut spartanische - Version des Raytracers „Fastray“. Szenendateien waren simple Textdateien die entsprechend editiert werden mussten - es gab keine grafische Benutzeroberfläche. Diese kam dann zwei Jahre später in Form von FRED (Fastray Editor). 1993 erschien dann CINEMA 4D 1.0 für den Amiga, einer Plattform die damals in Sachen Video, 3D-Grafik und Animation ganz vorne zu finden war. Nachdem Amiga-Hersteller Commodore Konkurs anmelden musste, wurde CINEMA 4D im Jahr 1995 auf PC- und Macintosh-Systeme portiert. Maxon ist diesen Systemen bis heute treu geblieben und hat seine Software seitdem konsequent weiterentwickelt. Auch mit dem aktuellen Update auf Version 10 sind wieder einige interessante Neuerungen dazugekommen.
Benutzeroberfläche
Kaum zu übersehen ist das veränderte Erscheinungsbild der Benutzeroberfläche. Diese wirkt deutlich aufgeräumter und weniger verspielt als die der Vorgängerversionen. Ein mutiger Schritt des Herstellers - sind die bisher verwendeten Symbole doch schon jahrelang in Gebrauch und sorgten mit für den Ruf der Software besonders einfach und intuitiv erlernbar zu sein. Für eingefleischte CINE MA-4D-Nutzer ist das neue Erscheinungsbild daher zunächst sehr ungewohnt. Allerdings lernt man schnell, welche Funktionen sich hinter den neuen Symbolen verbergen. Wer ganz und gar nicht mit dem neuen Aussehen zurecht kommt, hat immer noch die Möglichkeit in den „Programm-Voreinstellungen“ zur vertrauten Oberfläche mit den alten Symbolen zu wechseln.
Body-Paint
Body-Paint gehört ab sofort zum festen Funktionsumfang der Basisversion. Das Tool, mit dem sich Texturen direkt auf Oberflächen malen lassen wird vor allem für das Ausgestalten von 3D-Charakteren und deren Feintexturierung eingesetzt. Durch die Verwendung von UV-Mapping lässt sich so gezielt jeder Ort auf der Oberfläche des 3DModells ansprechen. In der neuen Version können nun auch Texturen mit einer Farbtiefe von 32 Bit je Farbkanal bearbeitet werden. Auch HDR -Dateien (High Dynamic Range) lassen sich importieren und bearbeiten. Es kann gleichzeitig in mehreren Texturkanälen gearbeitet werden. So lassen sich beispielsweise Farb- und die Glanztextur in einem Arbeitsgang editieren. Wem die Maus zu ungenau ist der kann alternative Eingabewerkzeuge wie ein Grafiktablett benutzen. Zusätzliche Parameter, die sich damit bei der Eingabe übertragen lassen - wie etwa die Stärke des Drucks, die der Stift auf das Tablett ausübt - können von der Software erkannt werden und lassen sich so beispielsweise in unterschiedliche Strichstärken umsetzen.
Interaktiver Renderbereich
Was früher ebenfalls ein externes Plugin war ist mit dem „Interaktiven Renderbereich“ nun fest in die Software integriert worden. Dieser ermöglicht es eine beliebige Zone im Editor zu markieren, die sofort nach einer Änderung berechnet wird. Die Auflösung lässt sich dabei schnell durch einen kleinen Schieberegler einstellen. So lassen sich bestimmte Arbeitsschritte sofort nachvollziehen und das Ergebnis beurteilen. Praktisch vor allem für die genaue Positionierung von Texturen, Schatten oder das Finetuning von Materialien.
Erweiterte Open -GL-Darstellung
Wer eine gute Grafikkarte sein Eigen nennen kann, der profitiert mit der neuen Version von der Möglichkeit erweiterte Open-GL-Fähigkeiten nutzen zu können. Hierbei lassen sich Schatten, Transparenzen und sogar Normal-Maps aber auch Environment- Maps schon im Editor in Echtzeit darstellen. Dies wird durch die Unterstützung von „GLSL“ (OpenGL Shading Language) und „CG “ (Nvidia Shading Language) ermöglicht.
Ebenen
Wenn der Anwender auch noch so ordentlich ist und seine Projekte hierarchisch gliedert. Bei komplexen Szenen verliert man schnell die Übersicht. Um dem entgegenzuwirken hat Maxon nun ein Ebenensystem eingeführt. So lassen sich beim virtuellen Bau eines Gebäudes die verschiedenen Stockwerke unterschiedlichen Ebenen zuweisen. Diese können einzeln ein- oder ausgeblendet werden oder beispielsweise von der endgültigen Berechnung ausgeschlossen werden, wenn sie für das Endergebnis nicht relevant sind. Die Ebenen werden automatisch mit verschiedenen Farben markiert. Wird dieses explizit unter „Darstellung“ aktiviert, so werden die Ebenenfarben den entsprechenden Objekten im Editor zugeordnet. Somit lassen diese sich ganz einfach zuordnen.
Objekt-Manager
Eine grundsätzliche Renovierung hat der Objektmanager erfahren. Der Anwender kann zwischen den unterschiedlichsten Möglichkeiten wählen, sich die Inhalte seiner Szene anzeigen zu lassen. Die Suchfunktion wird direkt oberhalb des Fensters eingeblendet. Noch während der Suchbegriff eingegeben wird, schränkt CINE MA 4D das Ergebnis ein. Zudem lassen sich Inhalte nach Art sortieren. Da werden neben den neuen Ebenen Objekte und Tags getrennt voneinander untereinander dargestellt. Durch einen Klick auf das Auge- Symbol lassen sich unerwünschte Inhalte einfach ausblenden. Ein so konfigurierter Anzeigefilter kann dann als Lesezeichen gespeichert und später jederzeit wieder aufgerufen werden. Ähnlich wie es bisher beim Materialmanager möglich war, lässt sich hier nun auch die Größe der jeweiligen Symbole verändern, um das Aussehen weiter dem Projekt und den Bedürfnissen des Anwenders anzupassen.
Zeitleiste
Waren die bisher aufgeführten Änderungen nur in den Bereichen Szenenverwaltung und Modelling zu finden, kommen jetzt auch die Animatoren auf ihre Kosten. Die Zeitleiste - Dreh- und Angelpunkt für jede Animation - wurde ebenfalls gründlich überarbeitet. Die schon erwähnten Ansichtsfilter und Ebenen wurden auch hier implementiert. Die Darstellung von F-Kurven zur Visualisierung der Geschwindigkeit ist jetzt direkt in der Zeitleiste integriert. Zusätzlich sorgt die schon vom Objektmanager bekannte Suchfunktion dafür, bestimmte Inhalte schnell aufzufinden. Ähnlich wie alle anderen Fenster und Manager, lässt sich die Zeitleiste individuell konfigurieren und in der Darstellung anpassen. So ist es ohne weiteres möglich mehrere Varianten der Zeitleiste gleichzeitig auf dem Bildschirm zu haben - beispielsweise um die Kurven für Positionsänderungen zusätzlich vergrößert anzuzeigen. Häufig benötigte Darstellungen lassen sich auch hier wieder als Lesezeichen speichern und später dann jederzeit schnell aufrufen. Ein weiteres sinnvolles Detail: Keyframes offenbaren ihre Werte sobald man mit dem Mauszeiger darüber fährt. Per Doppelklick auf einen Keyframe können die gewünschten Werte direkt per Tastatur eingegeben werden.
Mocca 3
Zwar ist das Modul nicht in der Basisversion enthalten und muss bei Bedarf zugekauft werden, doch wollen wir auch hier die wichtigsten Neuerungen nicht unerwähnt lassen. Mocca lässt sich vor allem für die Animation virtueller Figuren einsetzen. Wurde das bisher durch „Bones“ erledigt geschieht das nun durch die Verwendung sogenannter „Joints“. Diese wirken wie Gelenke und müssen im Gegensatz zu Ihren Vorgängern nicht mehr hierarchisch gegliedert werden. Bones sind zwar weiterhin vorhanden, dienen aber nur noch der Darstellung. Wer alte Bone-Konstruktionen in das neue System eingliedern will, kann diese unter „Charakter > Konvertierung“ entsprechend umwandeln. Neu ist auch das „Muskel-Objekt“. Hiermit lassen sich in Abhängigkeit mit der Ausrichtung der „Joints“ relativ einfach Muskeln simulieren.
Fazit
Bei so manchem Software-Update hat man den Eindruck als würden mit aller Gewalt neue Funktionen implementiert, die niemand benötigt und nur das neue Update rechtfertigen sollen. Nicht so bei CINE MA 4D. Release 10 ist eine logische Weiterentwicklung des Programms mit vielen neuen Hilfsmitteln, die das Arbeiten mit 3D-Szenen spürbar erleichtern. Die Überarbeitung der Oberfläche war ein mutiger Schritt, der die Software noch ein gutes Stück weiter in Richtung Profilager verschiebt, ohne sie aber unübersichtlicher werden zu lassen. Nach kurzer Einarbeitungszeit kommt man mit der neuen Version gut zurecht. Das Update ist für jeden Anwender, der ernsthaft mit der Software arbeitet ein Muss.
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