Videofilmen, Audiobearbeitung
Oft vernachlässigt: der Ton
Montag, 29. September 2008: Tonaufnahmen spielen bei den meisten Videoproduktionen eine wichtige Rolle, allzu oft werden diese aber sträflich vernachlässigt. Geht man aber bei Setup und Aufzeichnung des Audiomaterials gezielt und sorgfältig vor, wird sich das auf die gesamte Produktion positiv auswirken.
Aufnahme von Erzählerstimmen
In diese Kategorie fallen z.B. Overdubs für Dokumentarfilme oder sonstige Tonspuren, die nicht an die Darstellung vor der Kamera angepasst werden müssen. Die besten Resultate lassen sich in einer schallfreien Umgebung erzielen. Wenn keine schalldichte Kabine vorhanden ist, kann die Aufnahmeumgebung stattdessen mit weichen, schallisolierenden Materialien ausgekleidet werden, um vergleichbare Ergebnisse zu erhalten. Das geeignete Sprachaufnahmemikrofon sollte in angemessener Distanz zur Geräuschquelle positioniert werden. Dabei geben ein Kondensatormikrofon mit einer großen Membran oder ein dynamisches Mikrofon speziell für Sprachaufzeichnungen einen vollen, natürlichen Klang, der sich gut von den übrigen Geräuschelementen abhebt. Selbstverständlich ist man nicht auf die Aufnahmetechnik der Kamera beschränkt (sofern diese über eine solche überhaupt verfügt). Für eine gute Sprachaufnahme sollte das Recording-System egal ob separat oder computerbasiert - die folgenden Voraussetzungen erfüllen:
• Eingang für ein Mikrofonsignal (Mic-Level)
• Phantomspannung für die Kondensatormikrofone
• Aufzeichnung von Einkanalton
• Unterstützung eines standardmäßigen dreipoligen XLR-Mikrofonkabels
Sprachaufnahmen vor der Kamera
Erheblich schwieriger wird es, wenn man das Tonstudio verlässt und Sprachaufnahmen vor laufender Kamera macht. Bei diesem Szenario ist es unter Umständen schwierig, die Kontrolle über Umgebungsgeräusche, insbesondere bei Aufnahmen im Freien, zu behalten. Aus diesem Grund müssen Geräte und Mikrofon so platziert werden, dass das gewünschte Tonmaterial möglichst isoliert und störungsfrei aufgenommen werden kann.
Für die weitgehende Kontrolle von Umgebungs- geräuschen eignen sich besonders zwei Arten von Mikrofonen: Ein Ansteck- oder Lavalier-Mikrofon ist ein Miniatur-Mikrofon, das direkt an der Kleidung des Sprechers befestigt wird. Sein Vorteil besteht darin, dass sich der Abstand zwischen Mikrofon und Sprecher nicht verändert und so gleichbleibende Aufnahmelevel sichergestellt sind. Allerdings sind Ansteckmikrofone in der Regel omnidirektional, d.h. sie nehmen Geräusche aus allen Richtungen auf, sodass sich laute Hintergrundgeräusche besonders im Freien störend bemerkbar machen können.
Bei einem Boom- oder Richtmikrofon handelt es sich um ein stark gerichtetes Mikrofon, das außerhalb des Kamerawinkels platziert wird und hervorragende Sprachaufnahmen erzielt. Dabei ist der so genannte „Boom“ ein einstellbarer Ständer, an dem das Mikrofon so positioniert wird, dass es direkt auf die Tonquelle gerichtet ist, ohne von der Kamera erfasst zu werden. Richtmikrofone müssen sorgfältig platziert werden. Oftmals ist eine Positionsanpassung notwendig, wenn sich der Bildausschnitt im Laufe der Szene verändert, um zu verhindern, dass das Mikrofon ins Bild gelangt, und um immer eine optimale Ausrichtung auf die Schallquelle zu gewährleisten.
Mitunter kann auch eine Kombination von Ansteckund Richtmikrofonen genutzt werden, deren Aufnahmen dann im Studio gemischt werden. Auf diese Weise profitiert man von den Vorteilen beider Systeme und kann bei unerwünschten Hintergrundgeräuschen oder Versagen der Ausrüstung die jeweils bessere der beiden Tonspuren verwenden.
Umgebungsklang
Bei einer Videoszene sollten Bild und Ton zueinander passen. Eine Straßenszene ohne Fahrzeuggeräusche wirkt wenig überzeugend. Und wenn sich die Darsteller in einem gut besuchten Restaurant unterhalten, sollten sie nicht klingen, als befänden sie sich in einem schallfreien Raum. Damit Audioproduktionen realistisch wirken, muss der Umgebungsklang stimmen.
Durch die Platzierung von zusätzlichen Mikrofonen in einer Szene gewinnt man vielseitige Umgebungsgeräusche, die der Produktion den letzten Schliff geben. Ein omnidirektionales Mikrofon zeichnet Geräusche aus allen Richtungen auf und erzeugt so ein akustisches Abbild seiner Umgebung. Üblicherweise genügen bereits zwei solcher Mikrofone, um Stereosound zu schaffen.
Grundsätzlich gibt es die folgenden Optionen für die Mikrofonplatzierung:
• Bei einer A/B-Platzierung befinden sich die beiden Mikrofone an verschiedenen Stellen und erfassen so unterschiedliche Umgebungsgeräusche. Mit dieser Vorgehensweise lässt sich ein weitreichendes und realistisches Stereoklangfeld erzeugen. Ihr Nachteil liegt in einer möglichen Phasenauslöschung, bei der sich Schallwellen, die zu verschiedenen Zeitpunkten auf die Mikrofone treffen, gegenseitig überlagern und damit aufheben können.
• Bei der X/Y-Anordnung werden zwei Mikrofone sehr dicht nebeneinander so positioniert, dass sie in verschiedene Richtungen zeigen und somit unterschiedliche Umgebungsgeräusche aufzeichnen. Eine Phasenauslöschung kann bei dieser Platzierung nicht eintreten.
Hochwertige Kamera-Mikrofone, mit denen sich Umgebungsklang in professioneller Qualität aufzeichnen lässt, sind rar gesät. Die meisten Kameras sind mit gering leistungsfähigen Mikrofonen ausgestattet. Dazu kommt, dass sich die Kamera nicht immer in der optimalen Position für die Tonaufnahme befindet, insbesondere, wenn sie bewegt wird. Daher stellen externe Mikrofone, die mit der Kamera verbunden sind, oder aber separate Recorder die beste Lösung dar.
Dieser Artikel ist erschienen in Camgaroo-Ausgabe 03/08.
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