Testbericht, Camcorder, Panasonic

Panasonic HDC-DX1

Freitag, 27. April 2007: Im März ist es soweit: Dann bringt Panasonic seine HD-fähigen Camcorder im neuen AVCHDStandard auf den Markt. Wie Sony setzt auch Panasonic stark auf das neue, gemeinsam entwickelte Format, für das es gegenwärtig nur beschränkte Abspiel-, Verbreitungs- und Archivierungsmöglichkeiten gibt. Die Anschaffung ist also in jedem Fall eine Investition in die Zukunft. Die Panasonic-Neulinge tragen die Bezeichnung HDC-DX1 bzw. SD1. Letzterer speichert auf einer SD-Karte, der andere auf einer DVD. Diesen wollen wir Ihnen hier näher vorstellen.

Der erste Eindruck
Von vorn gibt sich der Panasonic-Neuling recht übersichtlich: Das Leica-Objektiv mit 12-fach Zoom (30/120x digital) und einer Lichtstärke von 1:1,8 – 2,8, sowie einem Filtergewinde mit 43 mm erinnert an das DV-Modell NV-GS 500, ebenso der Lamellenverschluss, der die Frontlinse im ausgeschalteten Zustand schützt sowie der Blitz neben dem Objektiv.

Schade: Der geriffelte Objektivring ist nur Zierde und nicht drehbar, wie bei den Konkurrenten von Sony. Dafür punktet der Panasonic HDC -DX1 mit einem hervorragenden optischen Bildstabilisator. Auf der rechten Seite glänzt perlmuttartig die Verkleidung des aufklappbaren 3“ Breitbilddisplays mit seinen 250.000 Pixeln, darunter verstecken sich hinter einer Klappe die Anschlüsse für ein externes Mikrofon (3,5mm Stereoklinke), den analogen Komponentenausgang, der USB-Anschluss sowie der analoge Videoausgang. Die erforderlichen Kabel gehören zum Lieferumfang. Leider fiel die S-Videoverbindung nun auch bei Panasonic dem Sparzwang zum Opfer. Man geht wohl davon aus, dass die Aufnahmen von HD -Camcordern überwiegend auf HD -fähigen Displays betrachtet werden, was natürlich auch sinnvoller ist. Dafür gibt es den digitalen HDMI-Anschluss, der bei aufgeklapptem Display zugänglich ist. Darüber befindet sich der Slot für die SD-Speicherkarte, in dem sich auch die neuen HC (High Capacity)-Varianten ab 4 GB verwenden lassen (s. Heft 4/06, S.18).

Die Verkleidung des DVD-Laufwerks verleiht dem HDC -DX1 sein futuristisches Äußeres. Wie bei den übrigen DVD-Camcordern von Panasonic werden die Formate DVD-RA M, -R/RW und neuerdings auch –R DL (Double Layer)-Medien erkannt. +RWMedien lassen sich nicht verwenden. Von Nachteil ist das allerdings nicht, denn Dank der DVD-RA MUnterstützung würde eine weitere Formatunterstützung nichts bringen (s. DVD-Camcorderspecial Heft 2/06).

Auf der Rückseite ist das für Panasonicmodelle typische Funktionsrad mit Navigationsbutton, der Eject-Schieber für den Disc-Auswurf, der Auslöser, die bei DVD-Camcordern obligatorische Löschtaste für misslungene Szenen, die Menütaste, der Fotoauslöser und die Zoomwippe untergebracht. Das Funktionsrad wurde auf die drei Wahlmöglichkeiten „Aufnahme“, „Wiedergabe“ und „PC“ reduziert, die Umschaltung zwischen Video- und Fotomodus geschieht nun mittels Menü. Der eingebaute Breitbild- Suchermonitor lässt sich zwar ausziehen, aber nicht hochklappen wie z.B. beim Panasonic NVGS 500. Auf eine weiche Augenmuschel wurde zu Ungunsten einer harten Kunststoffabdeckung verzichtet. Na ja, die kann wenigstens nicht mehr verloren gehen und man spart sich die Lagerung für’s Ersatzteil. Brillenträger werden trotzdem nicht ihre Freude daran haben, was allerdings nicht nur Panasonic- Modelle betrifft. So müssen die Betroffenen jedesmal die Brille abnehmen, wenn sie in den Sucher spähen. Wenigstens ist der Dioptrienausgleich noch vorhanden.

Positive Überraschung: Über dem Sucher befindet sich unter einer Abdeckung ein Zubehörschuh, allerdings ohne die Kontakte zum Betrieb des Mikrofons (VW-VMH3E Stereo-Zoom-Mikro) und der Leuchte (VW-LDC 10 E) aus gleichem Hause. Dafür lässt sich handelsübliches Zubehör problemlos verwenden, da der Schuh keine Sonderanfertigung wie bei den Sony-Modellen ist.

Was uns immer wieder gefällt, ist die Tatsache, dass der Akku nicht am Camcorder geladen wird, sondern, wie bisher bei Panasonic, auf dem Netz- /Ladegerät. So lässt sich der Akku wieder laden, während man mit dem zweiten weiterfilmt. Der Li-Ion Akku hat die gleiche Größe wie die Akkus der letzten Modellgeneration, aber eine andere Befestigungsplatte. Ärgerlich ist das aber nur für den, der bereits einen Panasonic-Camcorder der letzten drei Modellgenerationen hat und nun auf HD -Video wechseln möchte, oder für diverse Zubehöranbieter, die mal wieder ihre Produktion an ein neues Akkumodell anpassen müssen. Der HDC -DX1 wurde mit einem internen Mikrofon, das aus 5 einzelnen Membrankapseln besteht, ausgestattet, die eine 5.1 Dolby Surround Tonaufnahme möglich machen und durchaus in der Lage sind, ein gewisses Raumfeeling zu erzeugen. Die Qualität dieser internen Mikrofone kann natürlich die von externen nicht ersetzen.

Innere Werte
Bei den inneren Werten gilt es zunächst die 3- Chip Technik hervorzuheben, denn damit ist das Panasonic-Duo im AVCHD -Format derzeit konkurrenzlos. Die ¼“-CCD s mit jeweils 560.000 Pixeln bringen es erst mit Pixelshift-Technik auf eine HD -fähige Auflösung. Dafür profitiert die Lichtempfindlichkeit von der geringeren Pixelzahl pro Chip. Diese gibt der Hersteller mit 6 Lux bzw. 2 Lux im „Colour Nightview“-Modus an. Aufgenommen wird ausschließlich im HD -Format im MPEG 4/H.264 Verfahren. Dafür stehen drei Qualitätsstufen: HF (13 Mbit/Sek.), HN (9 Mbit/Sek.) und HE (6 Mbit/Sek.) zur Verfügung. Während der HF-Modus in konstanter Bitrate aufgenommen wird (Fachausdruck: CBR ), werden die beiden anderen Betriebsarten mit variabler Bitrate aufgezeichnet (Fachausdruck: VBR ). Pro Scheibenseite sind damit 13, 20 oder 30 Minuten Aufnahmezeit möglich, bei Double-Layer (DL) oder beidseitig bespielbaren Medien etwa das Doppelte. Eine Aufnahme in SDQualität in MPEG -2 wie bei den Sony-Modellen gibt es nicht.

Interessant: Der Verschlussdeckel hat auf der Innenseite, wie die anderen Panasonic DVD-Camcorder auch, eine Gummimatte zur Dämpfung von Vibrationen und Laufgeräuschen eingeklebt. Ebenfalls neu: Ein kleiner Ventilator unter dem Blitz, der anscheinend der Kühlung während der Aufnahme dient. Offenbar will man damit eventuellen Problemen bei höheren Umgebungstemperaturen vorbeugen. Tatsächlich kommt der Minilüfter langsam auf Touren, wenn man ihm mal ein wenig „einheizt“, sprich, den laufenden Camcorder für kurze Zeit auf die Heizung stellt.

Menüfunktionen
Die seit zwei Modellgenerationen bewähr ten Menüeinstellungen wurden auch in die AVCHD - Neulinge übernommen. Deren Steuerung erfolgt über den Navigationsbutton vom Betriebsmodi- Rad. Neben den üblichen Programmautomatiken für Sport, Portrait, Schwachlicht, Spotlicht oder Gegenlicht gibt es diverse Einstellungen für Digitalzoom, Stabilisierer, Datums- und Uhrzeiteinblendung, Qualitätseinstellungen für Foto und Video und dergleichen mehr. Erwähnenswert ist die Einblendmöglichkeit von Hilfslinien im Display in drei verschiedenen Modis, zur Vermeidung von „schrägen“ Aufnahmen. Weitere interessante Funktionen bietet die Menüauswahl „Erweitert“, in der sich eine Zebra-Funktion und ein Farbbalkengenerator finden. Hiermit soll dem HDC -DX1 wohl ein Hauch Professionalität verliehen werden. Bei manueller Fokussierung ist die „Fokus Hilfe“ nützlich. Sie zeigt im Display (oder Sucher) die Bildmitte vergrößert in einem abgegrenzten Fenster, um eine exakte Scharfstellung zu erleichtern.

Über dem SD-Kartenslot befindet sich ein kleiner Schalter zum Wechsel von der Automatik zu den manuellen Funktionen. Diese werden durch einen Druck auf den Navi-Button des Betriebsrades aktiviert und verteilen sich auf insgesamt vier „Seiten“, die jeweils durch Knopfdruck gewechselt werden. Das kennt man bereits von den anderen Panasonic-Modellen. Neu auf der ersten „Seite“ ist der „Hilfemodus“. Wird er aktiviert, werden Informationen zur gewählten Funktion als Laufschrift am unteren Bildrand eingeblendet. Bisher wurden die Hilfstexte und Infos zu den Symbolen im Display als Texteinblendung gezeigt. Diese konnte man schneller lesen, denn die Laufschrift ist nicht gerade die schnellste. Außerdem reduziert sich die manuelle Auswahl dann auf nur drei „Seiten“. Die manuelle Blende lässt sich in 26 Stufen von 1,8- 16 einstellen, der Weißabgleich verfügt über die Positionen Tageslicht / Kunstlicht sowie der manuellen Einstellung und der Automatik, die übrigens in der Praxis schneller reagiert, als bei bisherigen Panasonic- Camcordern. Die Shutterzeit reicht in 14 Stufen von 1/50 – 1/8000 Sek., einen Slow-Shutter für Verschlusszeiten unter 1/50 gibt es nicht. Wird eine der Programmautomatiken aktiviert, lässt sich nur noch der Weißabgleich beeinflussen, da auf Blende und Shutterzeit die Automatik zugreift.

Für den Ton gibt es neben der Automatik auch manuelle Eingrif fsmöglichkeiten: So bietet die Menüauswahl einen Windgeräuschefilter, eine Zoom-Mikro-Funktion und ein Setup für die Aussteuerung, die sich von –30 bis +6 dB verändern lässt. Nützlich ist auch die Möglichkeit, die Automatik trotz manueller Pegeleinstellung weiter aktiviert zu lassen, damit unerwartete Pegelspitzen nicht zu Übersteuerungen führen. Die Aussteuerung aller Tonkanäle wird während der Pegeljustage grafisch dargestellt, reagiert jedoch ziemlich träge. Gleiches gilt auch für die recht grobe Pegelanzeige im Display. Der Windgeräuschefilter kann ein Fell nicht ersetzen, für einen Segeltörn sollte man besser ein externes Mikro verwenden.

Aufnahmepraxis
Wer den HDC -DX1 das erste Mal in die Hand nimmt, ist zunächst überrascht, dass er trotz der kompakten Ausmaße, doch so viel Gewicht mitbringt. Innerhalb kürzester Zeit stellt man aber fest, dass er wie maßgeschneidert in der Hand liegt und eine ruhige Kameraführung ermöglicht. Kenner der Materie wissen längst, dass Aufnahmen unruhiger werden, je leichter und kleiner ein Camcorder ist. Von der Stabilität, die das Gewicht des HDC -DX1 bewirkt, profitieren vor allem die Aufnahmen im Telebereich, mit denen sich auch der beste Bildstabilisator schwer tut. Der Weißabgleich arbeitet sehr gut, sowohl bei Tageslicht, als auch bei abendlichen Schnappschüssen in der Fußgängerzone. Lediglich das Abendrot irritierte ihn. Doch damit hat auch die Automatik der Konkurrenz Probleme. Abhilfe schafft die Umstellung auf die Standardeinstellung Tageslicht oder der Wechsel in die passende Programmautomatik.

Die Belichtungsautomatik zeigte sich gegenüber hellen Flächen nicht empfindlich, auch dunklere Motive führten nicht zu jenen hellen, alles entlarvenden Aufnahmen, die die Stimmung verderben. Vermisst haben wir einen Objektivring für die manuelle Fokussierung. Zwar arbeitet der Autofokus recht zuverlässig, bewusste Schärfeverlagerungen sind aber praktisch kaum durchführbar, da die manuelle Fokussierung nur über die Betätigung des Navigationsbuttons möglich ist. Es ist schon etwas verwunderlich: Auf der einen Seite werden Farbbalken- und Zebrafunktion sowie 5:1 Dolby Surround- Ton integriert, andererseits knapst man an so wichtigen Features wie einer praktisch bedienbaren manuellen Fokussierung. Gewöhnungsbedürftig, aber bei DVD-Camcordern üblich, ist die relativ lange Zeit nach dem Einschalten bis zur Aufnahmebereitschaft, die beim DX1 mit etwa 10 Sekunden zu veranschlagen ist. Gleiches gilt beim Abschalten: Hier werden zuerst noch etwa ebenso lange Daten auf die Disc geschrieben, bis der Camcorder endlich abschaltet. Erschütterungen während dieser Phase sind laut Handbuch zu vermeiden. Bei unseren Außenaufnahmen hatten wir darauf nicht immer Rücksicht genommen, passiert ist aber trotzdem nichts. Offenbar ist die Schreib-/Lese-Einheit gut gegen Erschütterungen gepuffert.

Das aufklappbare Display liefert auch bei Tageslicht ein gut erkennbares Bild, ist aber mit der tief stehenden Wintersonne im Rücken – wen wundert’s - etwas überfordert. Der Blick in den eingebauten Sucher ist in solchen Fällen unverzichtbar. Bei der Wiedergabe direkt vom Camcorder machte sich bei den meisten Szenenwechseln eine kurze Unterbrechung im Ton bemerkbar, wie wir ihn schon bei früheren Tests von DVD-Camcordern bemängelten. Ab und zu war auch noch das Auslösegeräusch zu hören. Keine Beanstandung dagegen lieferte der Szenenwechsel beim Bild, der flüssig und ohne Standbildpause funktionierte. Bezüglich der Detailauflösung liegt der HDC -DX1 etwas besser als die Konkurrenz von Sony, was aber nicht auf die um ein Megabit höhere Datenrate zurückzuführen ist, sondern auf eine verbesserte Detailrekonstruktion. Auch die bei HD nun wirklich überflüssige und außerdem störende Konturanhebung ist nicht zu sehen. An die Qualität von HD V kommt der Panasonic-Neuling noch nicht ganz heran. Der Ton ist klar, auch Außenaufnahmen in ruhiger Umgebung, wie bei einem Spaziergang im Wald oder über einen Friedhof, gelingen recht gut. Nur in Räumen machte sich ein Rauschen bemerkbar, in das sich auch Geräusche des Laufwerks und das leise Sirren des Ventilators mischten. Ein externes Mikrofon schafft hier jedoch Abhilfe. Die Lichtempfindlichkeit der drei CCD -Chips ist besser als die der CMOS-Sensoren der Sony-Konkurrenz, erreicht aber natürlich nicht das Niveau eines Canon XH-A1. Der spielt aber auch in einer ganz anderen Liga. Aufnahmen bei schwachem Licht (Straßenbeleuchtung) wirken etwas flau in den Details, da durchläuft das Signal wohl einen Weichzeichner, der das Rauschen des Verstärkers reduziert, bevor es die Kompression irritiert. Bei Tageslicht überzeugt der HDR -DX-1 durch seine sehr natürlichen Farben und eine ausgeglichene Belichtung. Kräftige Farbtöne verlieren nicht an Details, Farbsäume sind vernachlässigbar gering.

Da unserem Vorserienmodell noch keine Abspielsoftware beigelegt war, verwendeten wir die Player-Software von Sony, die mit der im PC-Laufwerk eingelegten DVD-RA M keine Probleme hatte. Der direkt angeschlossene Camcorder wurde mangels geeigneter Treibersoftware verständlicherweise nicht erkannt. Die Wiedergabe auf dem im letzten Hef t erwähnten Blu-ray Player, dem Panasonic BD -10, funktionierte ebenfalls. Der neue HD -DVD Player von Toshiba erkannte das Format nicht.

Unser Eindruck:
Grundsätzlich muss sich jeder Videofilmer die Frage stellen, ob die Aufnahme auf DVD das richtige für ihn ist, die Vor- und Nachteile abwägen und mit seinem Anforderungsprofil abgleichen. Die Reaktionszeit von ca. 10 Sekunden für die Betriebsbereitschaft und das Abschalten, kurze Tonpausen beim Szenenwechsel, die relativ begrenzte Aufnahmezeit auf Minischeiben und die zur Zeit noch fehlende Möglichkeit der Nachbearbeitung von AVCHD sind Argumente, die für den einen ein Rolle spielen, den anderen aber gar nicht interessieren. Der Markt fordert alternative Speichermedien zum Band, und die DVD ist nun mal ein trendiges Medium. Und wer noch nie mit einem DV- oder HD V-Camcorder gearbeitet hat und sowieso keine Zeit zur Nachbearbeitung hat, wird die oben erwähnten Systemmängel vielleicht gar nicht als solche empfinden, sondern sie einfach hinnehmen und sich über die einfach Handhabung des Mediums DVD freuen.

Wer also eine Alternative zum Band als Speichermedium sucht und trotzdem in HD -Qualität aufnehmen möchte, hat mit dem AVCHD -Format sicherlich eine gute Alternative. Neben den beiden Einchip-Modellen von Sony glänzt Neueinsteiger Panasonic sogar mit professioneller Dreichiptechnik. Die solide Verarbeitung und die Bildqualität sind überzeugend. Der automatische Weißabgleich sorgt für sehr natürliche Farben, die Belichtungsautomatik über treibt die Helligkeit nicht, und auf eine künstliche Anhebung der Konturenschärfe wird verzichtet. Ein rundum gelungenes Debüt von Panasonic im neuen AVCHD - Standard.

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