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Pioniere der Stop-Motion – wenn Gegenstände laufen lernen

Donnerstag, 19. April 2007: Das Stop-Motion-Verfahren ist fast so alt wie das Filmemachen selbst. Bei dieser Tricktechnik wird ein Gegenstand animiert, indem er für jedes Einzelbild eines Films geringfügig verändert wird. Setzt man die Einzelbilder anschließend zu einem Film zusammen und lässt ihn ablaufen, erhält man den Eindruck, dass sich der Gegenstand bewege. Durch die Einfachheit erfreut sich die Technik auch bei Hobbyfilmern großer Beliebtheit. Zwei Pioniere des Stop-Tricks sind Georges Méliès und der Puppenkünstler Ray Harryhausen.

Man benötigt viel Geduld bis man einen Stop-Motion-Trickfilm endlich im Kasten hat. Ein 90 Minuten langer Film ist aus bis zu 135.000 Einzelbildern (Frames/bei 25 Frames pro Sekunde) zusammengesetzt. Für die präzise Anordnung der Gegenstände oder Figuren benötigt man vor allem ein gutes Auge und eine ruhige Hand. Der Kreativität sind fast keine Grenzen gesetzt. Heute ist dies mit Computer und Videoschnittsoftware leichter zu bewerkstelligen. Besonders der so genannte Brickfilm, in dem Lego-Figuren animiert werden, hat es in den letzten Jahren zu immer mehr Anhängern gebracht. Das berühmteste Beispiel für diese Stop-Motion-Technik ist die zehnminütige Nachstellung des WM-Finales 1954 in „Die Helden von Bern“. Die Projektarbeit der Fachhochschule Offenburg ist sogar käuflich auf DVD zu erwerben. Doch bis die Gegenstände und Figuren durch den Stoptrick das laufen lernten, war viel Pionierarbeit nötig.

Der französische Zauberkünstler und Theaterbesitzer Georges Méliès erwirbt 1895 bei dem Londoner Optiker Robert W. Paul eine der ersten Filmkameras. Eher durch Zufall entdeckt er bei Aufnahmen die Stop-Motion-Technik. Als Méliès am Pariser Opernplatz eine Straßenszene filmt, geht ihm die Filmrolle aus. Er lässt das Stativ und die Kamera unverändert, legt eine neue Filmrolle ein und dreht weiter. Im später fertig geschnittenen Film verschwinden Passanten wie von Geisterhand, andere tauchen ebenso magisch aus dem Nichts wieder auf. Ein Bus verwandelt sich plötzlich in einen Leichenwagen. Zwei Tage nach seiner Entdeckung beginnt Méliès damit, die Filme mit seinen Zauberkunststücken zu kombinieren. Er lässt im Oktober 1896 in „Escamotage d‘une dame au théâtre Robert Houdin“ die Schauspielerin Jeanne d‘Alcy „magisch“ in ein Skelett verwandeln. D‘Alcy nimmt auf einen Stuhl Platz, während Méliès sie mit einem Seidentuch verhüllt. Als er das Tuch wieder entfernt, sitzt dem erstaunten Publikum plötzlich ein Skelett gegenüber, ehe der Zauberer dieses wieder in die Frau zurück verwandelt. Die Technik ist heute mit jeder Videokamera mit Einzelbildaufnahme zu bewerkstelligen, doch damals war sie eine Sensation.

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