Testbericht, Camcorder, Sony
Sony HVR-Z7 - HD Camcorder zum Geld verdienen
Donnerstag, 04. September 2008: Dass Sony parallel zu den Amateur-Camcordern auch immer eine Variante für den Profi anbietet, kennen wir bereits vom DV-Bereich. Auch dem ersten HDV-Camcorder HDR-FX1 stellte man mit dem HDR-Z1 ein Profi-Modell zur Seite. Dieses wurde vor kurzem vom HVR-Z7 abgelöst. Bei einem Preis von knapp 7000 EURO liegt es preislich noch über dem Vorgängermodell und unterstreicht allein damit schon seinen professionellen Anspruch. Was der Camcorder sonst noch an Besonderheiten bietet, erfahren Sie hier.
Wechselobjektiv
Schon beim Auspacken bemerkt man das höhere Gewicht gegenüber dem Vorgänger, was vor allem auf das Wechsel-Objektiv zurückzuführen ist. Die Auswahl ist allerdings noch klein, gegenwärtig gibt es von Zeiss noch ein 8-fach Zoom, das aber über einen größeren Weitwinkel verfügt, als das mitgelieferte 12-fach Zoom. Über optional erhältliche Adapter lassen sich auch Fujinon-Optiken auf dem 1/3 Zoll Bajonett- Anschluss montieren. Im Juni soll außerdem noch ein Adapter für die Verwendung von Sonys Spiegelreflex- Objektiven der „Alpha“-Serie auf den Markt erscheinen.
HDV-Aufnahme auch auf Speicherkarte
Das Kameragehäuse ist erstaunlich kurz geraten, trotzdem nimmt es auch den großen NP-F 960 Akku auf, ohne dass dieser übersteht. So lässt sich mühelos ein weiteres Feature befestigen, das den Sony-Neuling auszeichnet: Ein separater Speicherkartenrekorder, der im Lieferumfang enthalten ist und sich rückwärtig mittels „Active Interface Shoe“ andocken lässt. Dieser ermöglicht HDV und DVCAM-Aufnahmen auf einer CF-Speicherkarte. Die Übertragung zum PC erfolgt per mitgelieferten i-Link Adapter via Firewire-Kabel. HDV auf Speicherkarte – es geht also doch. Betrachtet man die aktuelle Modellpolitik der Hersteller fällt auf, dass das HDV-Format zunehmend für professionellere Filmer reserviert wird (siehe Sony FX- 7, HC-1000, Canon XL-H1s und XH-A1/G1), während sich der weniger betuchte Hobbyfilmer mit seinem nicht minder starken Interesse am neuen HD-Video mit dem MPEG-4 AVC-Codec und seinen Auswüchsen bzw. Problemen zu begnügen hat. Selbst Schuld also, wer nicht mehr auf Band aufnehmen will?
Wer die Anschaffung eines Z7 plant, hat die Frage des Aufzeichnungsmediums zwar klar entschieden, erhält aber mit dem andockbaren CFKartenrecorder zusätzliche Freiheiten wie z.B. die Fortsetzung der Aufnahme während die Kassette gewechselt wird, die Endlos-Aufnahme, die den Speicher immer wieder neu beschreibt, oder Zeitraffer bzw. Intervallaufnahmen. Auch die Aufnahme nur auf die CF-Karte ist möglich. Auf 16 GB passen etwa 72 Minuten HDV-Material. Dies gilt auch für DV bzw. DVCAM-Aufnahmen, denn sie haben die gleiche Datenrate.
Funktionen für Profis
Neben den Vorzügen der beiden Laufwerksarten erhält der Z7-Interessent einen kompakten Kamerabody mit vielem, was Profifilmer schätzen und den Amateur überfordern dürfte. Dazu gehören vor allem Einstellungen, die den Bildcharakter beeinflussen, und die sich ohne separaten Kontrollmonitor gar nicht optimal einstellen lassen, so zum Beispiel die Justage des Schwarzpegels der jeweiligen Farbauszüge Rot, Grün und Blau, die Korrektur der Gamma-Kurve, die Dämpfung von Spitzlichter mittels der Knee-Funktion, sowie explizite Einflussnahme auf die Bildschärfe bzw. ihre Wirkung auf bestimmte Signalparameter. Auch die Beeinflussung der Farbphase, die Farbextrahierung oder die gezielte Korrektur bestimmter Farbtöne bedürfen eher der Ausbildung eines Bildtechnikers, da sich deren Zusammenhänge und Beeinflussungen untereinander mit „Learning by doing“ nur schwer erschließen lassen. Dazu gehört z. B. die Einstellung des Weißabgleich-Charakters für einen wärmeren oder kälteren Bildeindruck, sowie die Feinjustage der Farbtemperatur zwischen 2300 und 15000 Kelvin. Alle diese Funktionen und auch die differenzierte Hautton-Korrektur sind in der Regel nur im Studiobetrieb oder bei gestellten Szenen optimierbar, kaum aber in der mobilen Praxis unter häufig wechselnden Bedingungen. Immerhin lassen sich aber die nach einiger Erfahrung erstellten Presets auf dem Memorystick als Benutzerprofile speichern (bis zu 99) und nach Bedarf laden.
Funktionen nicht nur für ProfisFür den ambitionierten Amateur „on Location“ beherrschbar sind aber eine Reihe anderer Funktionen, wie z.B. die Vorwahl für die Belichtungsautomatik, die sich mittels der Vorgaben für sechs verschiedene Bildbereiche auf unterschiedliche Lichtverhältnisse einstellen lässt. Stört z. B. im oberen Bildbereich die Deckenbeleuchtung oder ein Fenster, haben diese keinen Einfluss mehr auf die Blende, die normalerweise in einer solchen Situation zu weit schließen würde, womit das aufzunehmende Objekt nur noch als Umriss zu sehen wäre. Für die korrekte Belichtung dient die „Zebra“-Funktion (70 – 100+), die es auch bei Amateurmodellen gibt, sowie die Programmierung von Profilen, die den gewünschten Bildcharakter erzeugen. Wie schon beim Vorgänger stehen sechs dieser „Picture Profiles“ zur Verfügung, vier davon sind bereits voreingestellt, lassen sich aber ebenfalls verändern.
Programmierbare Tasten
Für sechs wichtige Grundeinstellungen gibt es ferner sechs Assign-Buttons, die sich individuell belegen lassen, so auch z. B. mit der Peaking-Funktion, die mittels Kantenanhebung im Monitorbild das manuelle Scharfstellen erleichtert. Beim Vorgänger gab es hierfür rückwärtig noch einen Schiebeschalter. Auch die Tasten für Spotlicht, Displaybeleuchtung, Farbbalken wurden eingespart, doch lassen sich jetzt die Assign-Buttons damit belegen. Geblieben ist die Möglichkeit der Bildvergrößerung, die das manuelle Fokussieren gerade bei wenig Licht erleichtert. Um bestimmte Aufnahmesituationen, bei denen sich Bildausschnitt (Zoom), Fokussierung, Belichtung oder Weißabgleich verändern, lassen sich über die „Shot-Trans“-Funktion vorher programmieren und starten. Die Veränderung wird dann automatisch ausgeführt. Sinn macht dies aber nur im Stativbetrieb.
Spezielle Funktionen
Zum Experimentieren laden die Stop-Motion-, Intervall- und Zeitlupenfunktion ein. Bei letzterer lassen sich 3,6 oder 12 Sekunden mit höherer Bildfrequenz in einen Puffer speichern, um sie anschließend in normaler Geschwindigkeit auf Band aufzunehmen. Dies erfolgt aber nicht in HDAuflösung, und da der Pufferspeicher begrenzt ist, sinkt mit steigender Aufnahmezeit die Bildqualität. Kompressionsbedingt funktioniert Stop-Motion nur im DVCAM-Betrieb. Wer in die Verlegenheit kommt, von PC-Monitoren abfilmen zu müssen, kann die Shutterzeit des Z7 auf Bildfrequenzen zwischen 50 und 200 Hz anpassen. Sonst funktioniert der Shutter im Bereich von 1/3 bis 1/10000 Sek.
Der Sony Hvr-z7 im Praxiseinsatz
Da der Z7 uns nur einen Tag zur Verfügung stand (vielen Dank diesbezüglich an Foto-Video-Sauter in München), konnten wir natürlich nicht alle Details und Presets erforschen. Da das Wetter schön war, zog es den Kameramann natürlich ins Freie, um sich auf die Spuren des heuer eher zaghaft einsetzenden Frühlings zu begeben. Dank gärtnerischer Mühe gab es geeignete Motive im Münchner Westpark, der vor 25 Jahren für die Bundesgartenschau geschaffen wurde. Die zarten Grüntöne der austreibenden Bäume und Sträucher, die pastellfarbenen Blüten und die zahlreichen Farbtupfer in den Blumenbeeten, die den Bienen „kommt hierher“ signalisierten, waren geeignete Motive, um Detailverhalten und Farbtreue auf die Probe zu stellen. Für Großaufnahmen wurde eine Nahlinse aufgeschraubt. Dafür musste immer wieder die Gegenlichtblende abmontiert werden, was gegenüber dem Vorgänger wesentlich vereinfacht wurde: Statt an der Befestigungsschraube zu drehen genügt nun ein simpler Knopfdruck.
Mäßiges Display, sensationeller Suchermonitor
Das aufklappbare Display (kein Touchscreen) hat gegenüber dem Z1 einiges eingebüßt. In der Standardeinstellung ist es bei Sonnenlicht wenig hilfreich, und auch nach der Aufhellung um vier Stufen kommt es nicht an die Güte des Vorgänger-Displays heran. Die meiste Zeit erfolgte die Kontrolle daher im Suchermonitor – und der überraschte durch ein absolut pixelfreies Bild sowie einer sehr neutralen Farbwiedergabe mit guten Kontrasten. Bei schnellen Augenbewegungen zeigten sich aber für einen kurzen Moment RGB-Streifen an Objektkanten – wie beim Betrachten von Filmen über einen Videobeamer mit DLP-Technik. Zurückzuführen ist dies auf die spezielle Anordnung der Pixel und deren Ansteuerung, wie uns ein Techniker bei Sony erklärte. Verwendet werden aber nach wie vor LCD-Displays. Der genannte Streifeneffekt stört übrigens beim Filmen so gut wie gar nicht und wird eher unbewusst wahrgenommen. Obwohl er uns bekannt ist, bemerkten auch wir ihn erst nach einer Weile und konnten ihn nur durch bewusste Aktionen herbeiführen.
Es muss nicht immer Full-HD sein
Beim Betrachten der Aufnahmen auf einem Full-HD LCD Flachbildschirm (über HDMI eingespeist) waren wir erstaunt über den hohen Detailreichtum, auch bei Totalen. Der Weitwinkelbereich, der dem Bildwinkel eines 35mm Kleinbildobjektivs entspricht, reicht für die meisten Aufnahmesituationen, der 12-fach Zoom erlaubt auch noch ruhige Aufnahmen aus der freien Hand, natürlich unterstützt vom optischen Bildstabilisator. Wie sehr bei HD-Videos die Qualität des Objektivs eine Rolle spielt, zeigt sich am Z7. Obwohl die 3 CMOSBildsensoren „nur“ 1,2 Megapixel (1440 x 810) haben und davon knapp über 1 Million für die Videoaufnahme verwenden, lassen sie so manchen „Full-HD“ Camcorder aus dem Amateurbereich alt aussehen. Im Profi-Segment hat man solche Attribute nicht nötig. Schließlich arbeiten die meisten HD-Profi-Systeme mit 1440 x 1080i – und erzielen dabei schärfere Aufnahmen als die mit „Full-HD 1920 x1080“-Aufklebern gespickten Amateurmodelle. Auch dünne Farbränder (chromatische Aberration) an hellen Objektkanten oder extremen helldunkel- Übergängen sind kaum zu sehen.
Auch nachts bleibt es bunt
Nun sind Aufnahmen bei hellem Tageslicht eher die ideale Situation. Aber wie sieht es abends aus? Um das zu klären, nahmen wir den Z7 mit auf das Münchner Frühlingsfest. Nun sind die Lichtverhältnisse auf einem Volksfest für Camcorder keine große Herausforderung. Doch wie kommen die CMOS-Bildsensoren mit den schnellen Bewegungen und den knallbunten Lichteffekten der Fahrgeschäfte zurecht? Der Z7 meisterte auch das hervorragend. Knallige Neon-Schriften, Stroboskopblitze und die schnell blinkenden, bunten Lampen wurden naturgetreu und ohne farblich auszubleichen erfasst. Um den Weißabgleich nicht zu irritieren, wählten wir allerdings die Standardeinstellung für Kunstlicht. Zur Vermeidung von Helligkeitssprüngen während der wechselnden Lichtspiele wurde die Blende manuell geregelt, was Dank des griffigen Blendenrings kein Problem war. Da nun keine Sonne mehr störte, zeigte auch das aufklappbare Display seine Qualitäten. Dennoch bevorzugten wir meist den Suchermonitor. Die Lichtempfindlichkeit ist hervorragend, auch abseits der hell beleuchteten Fahrgeschäfte musste nicht ein einziges Mal die Gain-Funktion aktiviert werden. So gelangen rauschfreie, farblich gut gesättigte Aufnahmen. Bunte Leuchtreklamen und die rasanten Bewegungen der Karussells meisterte der Z7 sehr gut. Auch der Autofokus kam auch mit einigen heiklen Motiven gut zurecht. Der manuelle Fokusring hat zwei Positionen: Eine für den rein manuellen Betrieb und eine für den halbautomatischen. Die beiden Betriebsarten werden durch Vor- und Zurückschieben des Rings aktiviert.
Der Ton – natürlich in jeder Lebenslage
Das mitgelieferte Stereomikrofon mit XLR-Anschluss nahm den ruhigen Atmo-Ton im Park erwartungsgemäß recht natürlich auf, wobei trotz Schaumstoffüberzug eine gewisse Windempfindlichkeit bestehen bleibt. Profis werden sowieso ein Fell über das Mikrofon ziehen. Laufwerkgeräusche konnten wir in dieser Umgebung keine feststellen. Abends auf dem Volksfest gab es das Gegenteil: Hämmernde Beats aus den Lautsprecherboxen, aggressive Geräuscheffekte, kreischende Teenies in den herumschleudernden Fahrgondeln. Auch hier lieferte die Automatik von wummernden Bässen bis zu den zischenden Geräuschen der Karussell- Hydraulik und quietschenden Mädels eine stimmungsgerechte Tonkulisse.
Fazit:
Für den Profi stimmen Preis-/Leistungsverhältnis Der Hvr -z7 bietet alles, was professionelle Filmer benötigen und die sich keine Kameras zum Preis von Mittelklassewagen leisten können oder wollen. Detailtreue, Lichtempfindlichkeit und Farbwiedergabe werden auch höheren Ansprüchen gerecht. Das Gehäuse ist sehr solide, die Bedienung griffig. Wer mit Video Geld verdient, hat hier ein Werkzeug, mit dem er auch in schwierigen Situationen sehr gutes Material abliefern kann, vorausgesetzt, er hat die zahlreichen Einstellmöglichkeiten soweit verinnerlicht, dass er sie richtig einzusetzen weiß. Der anspruchsvolle Amateur hingegen wird sich überlegen, ob ihm sein Hobby die Ausgabe von knapp 7000 Euro wert ist und er sich sonst nichts mehr gönnt. In der gleichen Preisklasse liegt übrigens auch Konkurrent Canon mit dem XH-G1. Canon bietet allerdings eine abgespeckte Version des XH-G1, dem XH-A1 (Vorstellung in Heft 1/2007) für derzeit knapp 3500 EURO an. Hier fehlen dann zwar Features wie externe Synchronisierung oder SDI-Ausgang, aber die sind für den Amateur auch nicht so wichtig. Auch deren 20-fach Zoom ist zwar fest eingebaut, aber sehr hochwertig. Eine weitere Alternative für den ambitionierten Amateur ist der Sony FX1, den man inzwischen zum Preis von unter 3000 EURO erwerben kann und dessen Leistungsfähigkeit ebenfalls überzeugt. (siehe Camgaroo 03/2005)
Preisvergleich für Sony HVR-Z7


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