Imo Moszkowicz, Interview
Späte Leidenschaft: Alter schützt vor Video nicht
Donnerstag, 10. März 2011: Videofilmen – die beste Medizin gegen vorzeitiges Altern? Imo Moszkowicz im Gespräch mit einer prominenten Videografin, mit Beate Burchhard. Das Leben setzt gelegentlich Markierungen, die man zum Zeitpunkt des Geschehens für selbstverständlich gehalten hat, und ein späteres Erinnern beweist erst, dass es so selbstverständlich nicht gewesen sein konnte.

Früher kreativ im Job: Beate Burchhard im Gespräch mit Herbert von Karajan und Luciano Pavarotti

Heute kreativ mit der Kamera
So ergeht es mir mit Beate Burchhard, die vor etlichen Jahren die künstlerischen Weichen in meinem Regisseursleben stellte, als sie dem Intendanten der Zürcher Oper, dem Dr. Drese, ‚soufflierte’ mich die geplante ‚Zauberflöte’ inszenieren zu lassen. Diese kühne Empfehlung befreite mich von dem langjährigen Druck, auch weiterhin lediglich der mutige, junge Regisseur für neue Opern zu sein.
Als ich diesen Vorgang vor Beginn unseres nachfolgenden Gespräches in Erinnerung rief, sagte sie lediglich vor sich hin: ‚Es war eine so schöne Zauberflöte...’ und Ihre Gedanken schienen - für einige Herzschläge lang – in jene Zeit zurückzugehen, da sie als Disponentin die Geschicke des Zürchers Opernbetriebes steuerte.
Dieser verantwortungsvollen Tätigkeit war sie bereits an diversen, sehr bedeutenden Opernhäusern nachgekommen, und nachdem sie sich für einige Zeit an die Zürcher Oper gebunden hatte, zog sie Herbert von Karajan nach Salzburg, wo sie unter ihm dreizehn Jahre als Geschäftsführerin seiner Osterfestspiele und Pfingstkonzerte tätig war. Der große Dirigent brauchte die Osterfestspiele Salzburg unbedingt für sein überquellendes Künstlertum, das nach einer unkomplizierten künstlerischen Entfaltung außerhalb der ihn belastenden Opernbetriebe lechzte. Nach seinem Tod leitete sie vier Jahre die Salzburger Osterfestspiele und Pfingstkonzerte als allein verantwortliche Geschäftsführerin.
Im Vorgeplänkel unseres Gesprächs ließen wir gleichsam unsere gegenseitige Sympathie wieder aufleben, denn es war unser erster Kontakt nach über einem Dutzend Jahren, in denen jeder seinen künstlerischen Weg suchte, den ich zwar gefunden hatte, sie jedoch nicht, denn ihr Suchen nach eigener künstlerischer Kreativität fand erst im Alter beglückende Erfüllung.
Was war der Impuls zu sagen, ich will jetzt videografieren?
Ich habe eigentlich schon immer Fotos gemacht, ein pensionierter Kinderarzt im Hause war Schmalfilmer und hatte eine VHS-Videokamera. Das hat mir gefallen und so habe ich mir auch eine VHS-Camera zugelegt.
Wann war das?
Das war Ende der Achtziger.
Da waren Sie kein junges Mädchen mehr. Richtig?
So ist es.
