Testbericht, Schnitt

Und jetzt geht es doch - Videoschnitt mit AVCHD

Dienstag, 12. Juni 2007: Als Sony letzten Herbst die ersten AVCHD-Modelle vorstellte, da stellte sich für viele die Frage nach den Bearbeitungsmöglichkeiten des neuen Formats. Damals sah es noch schwarz aus. Auch die Hersteller konnten keine Angaben darüber machen, wann und wie AVCHD zu bearbeiten wäre. Mangels Bearbeitungs-Möglichkeiten hielt sich die Begeisterung für das neue Format deshalb für ambitionierte Videofilmer erst einmal in Grenzen. Doch das Warten hat nun ein Ende …

In den beiden letzten Heften stellten wir Camcorder vor, die im neuen AVCHD-Format aufnehmen. Dieses hochauflösende Videoformat wurde entwickelt, um auch die Aufnahme auf Speichermedien wie Festplatte, DVD oder SD-Karte zu ermöglichen. Es soll eine Alternative zum bereits etablierten HDV-Format, das jedoch an das DVSystem gekoppelt ist, darstellen. Die Videobearbeitung mit HDV kann inzwischen als ausgereift betrachtet werden, das richtige Schnittprogramm vorausgesetzt. Bei AVCHD ist die Sache etwas komplizierter, denn die eingesetzte MPEG-4-Kompression hat es in sich.

Sony legt seinen AVCHD-Modellen den „Picture Motion Browser“ nebst Player-Software bei, damit die Aufnahmen wenigstens auf dem PC abgespielt werden können, oder um damit eine AVCHD-DVD zu brennen, die jedoch auf herkömmlichen DVDPlayern nicht abspielbar ist. Mit Picture Motion kann man immerhin Clips kürzen, doch erfordert schon die Neuberechnung von 10 Sekunden AVCHD runde 3 Minuten Zeit.

Panasonic gibt sich noch spartanischer: Hier liegt den Camcordern nicht einmal eine Abspiel- bzw. Brennsoftware für den PC bei. In der Anleitung geht man davon aus, dass Sie bereits im Besitz eines Blu-ray-Players sind (natürlich von Panasonic), um wenigstens die DVD der HDC-DX-1 ansehen zu können. Wie die SD-Karten Version auf eine AVCHD-DVD oder Blu-ray-Disc gebracht werden soll, steht nirgends. Das Kapitel über die PC-Anbindung in der Anleitung befasst sich nur mit der Weiterverarbeitung von Fotos.

Wie im letzten Heft schon beschrieben, benötigt man ein Vielfaches der heutigen Rechnerleistung, um mit AVCHD flüssig Videos bearbeiten zu können – oder Edius Pro 4 von Canopus. Anfang März erhielten wir einen Patch, der die AVCHDClips, die zuvor auf den PC kopiert wurden, erkennt, und mit Hilfe des HQ-Codec von Canopus diese Clips in ein AVI-Format wandelt. Der Konverter agiert unabhängig von der Edius-Software und berücksichtigt auch den 5.1-Surround Ton. Er verlangt zunächst das Verzeichnis, in dem sich die AVCHD-Dateien befinden. Anschließend ruft man dieses über den Windows-Explorer auf und wählt die entsprechenden Clips aus. Der Konverter wandelt sie in AVI-Dateien um, wobei bei einem Doppelprozessorsystem beide Prozessoren zu gleichen Teilen beschäftigt werden, wie sich mittels Task-Manager sehr schön verfolgen lässt. Das reduziert die Konvertierungszeit um die Hälfte. Trotzdem benötigt eine 30 MB große Datei (Aufnahmezeit ca. 20 Sek.) etwa 1 Minute. Die Dateigröße wächst dabei etwa um den Faktor 8,5 – das 30- MB-File beansprucht dann 252 MB. Wer also größere Projekte zu bearbeiten hat, sollte dafür genügend Festplattenkapazität bereithalten. Das Material auf der voll bespielten 30 GB-Festplatte einer Sony SR-1 (s. Heft 6/2006) belegt nach der Umwandlung eine 300 GB-Platte fast vollständig. Eine oder besser zwei zusätzliche Platten für die AVCHD-Bearbeitung erscheinen hier angebracht. Dafür gewährt der anerkannte Canopus HQ-Codec eine praktisch verlustfreie Konvertierung.

Die gewandelten AVI-Clips lassen sich übrigens auch in anderen Schnittprogrammen bearbeiten, wie unsere Versuche mit Adobe Premiere Pro 2 und Ulead Video Studio 10 Plus zeigten. Bei Premiere Elements 3 klappte die Vorschau nur in 4:3, Pinnacle’s Studio 10 Plus importierte zwar die konvertierten Clips, konnte aber nichts damit anfangen.

Um in den Genuss des HQ-Codecs von Canopus zu kommen, braucht man aber unbedingt Edius. Zwar ist die Software auch als Download-Version auf der Canopus-Homepage zu haben, doch nach 30 Tagen i st s ie abgelaufen. Die neueste Canopus- Entwicklung zeigt auf jeden Fall auf, wohin es geht: Statt auf noch mehr Rechenpower zu setzten, wählt man eine möglichst hochwertige Formatumwandlung. Das werden wohl auch die Software- Entwickler anderer Hersteller anstreben. In Kürze soll der AVCHD-Konverter auch in die „Pro Coder“-Software aus gleichem Hause integriert werden. Dann ist sicher auch die Rückumwandlung nach AVCHD möglich, um in einem geeigneten Authoring-Programm eine AVCHD-DVD brennen zu können. Wer einen Camcorder von Sony besitzt, könnte dies dann über die mitgelieferte Software erledigen. Die nächste Generation an Authoring- und Brennprogrammen wird hier hoffentlich die notwendigen Funktionen bereitstellen. Der andere Weg, nämlich die Umwandlung in ein HDV-File ist kaum sinnvoll, denn dann könnte man ja gleich mit einem HDV-Camcorder drehen.

Fazit:
Mit dem AVCHD-Konver ter hat Canopus dem neuen Format einen großen Verdienst erwiesen, denn nun lassen sich AVCHD-Aufnahmen genauso bearbeiten, wie DV-Clips, vorausgesetzt man verfügt über einen geeigneten PC (Dualcore-Prozessor), ausreichend Festplattenkapazität und natürlich Edius Pro in der Version 3 oder 4. Mit 659 Euro (Vers. 4) spielt die Software allerdings in einer Preisliga, in der nicht jeder Hobbyfilmer mitspielen will. Die Umwandlung mittels HQ-Codec in das AVI-Format dürfte aber bis auf weiteres die qualitativ beste Lösung sein. Spannend bleibt weiterhin die Ausgabe auf HD-DVD, Blu-ray Disc oder der damit kompatiblen AVCHD-DVD.

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