Wissen, Videofilmen
Von der Idee zum fertigen Kurzfilm - Teil 2: Dramaturgie
Donnerstag, 17. Februar 2011: Sie wollen einen Film drehen – dann beginnen Sie doch am besten mit einem Kurzfilm und nehmen damit gleich am Camgaroo Award teil. Dann schlagen Sie mehrere Fliegen mit einer Klappe. Erstens, Sie haben ein Ziel mit Abgabetermin vor Augen, mit einer gewissen Themenvorgabe, auch wenn diese sehr frei und individuell ausgelegt werden kann. [Von Gabriele Lechner]
Dramaturgie im Film
An dieser Stelle möchte ich kurz mit Ihnen auf die Dramaturgie eines Films eingehen. Ihre Aufgabe als Filmemacher ist es, die Zuschauer möglichst durchgehend in den Bann des Filmes zu ziehen, sie zu fesseln und auf keinen Fall zu langweilen. Wie schaffen Sie das?
In dem Sie die Emotionen der Zuschauer ansprechen. Dazu müssen Sie am besten ein Spannungsfeld aufbauen. Spannung entsteht immer dann, wenn unterschiedliche Charaktere oder Situationen aufeinander treffen.
Um Spannung zu erzeugen können Sie zu folgenden dramaturgischen Hilfsmitteln greifen:
- a) Kontraste und Paradoxien aufbauen: z.B. Starker Mann hat Angst vor Spinnen, kleines Kind rettet großes Tier usw.
- b) Wissensvorsprung des Zuschauers: Der Zuschauer weiß mehr als der Hauptakteur, das erzeugt im Zuschauer immer das Gefühl, er müsse den Hauptakteur warnen. Welche Emotionen da hervorgerufen werden, haben Sie sicher schon live erlebt.
- c) Überraschende Wende: Überraschungen sind gut für das menschliche Gehirn, das sofort mit der Ausschüttung von Glückshormonen reagiert. Geben Sie Ihrem Film also eine überraschende Wende
- d) Neugierde wecken: Bringen Sie Spannung ein, in dem Sie den Zuschauer neugierig machen. Neugierde kann nicht nur durch interessante Inhalte, sondern auch durch eine abwechslungsreiche Bildsprache oder spannende Kameraführung erzeugt werden.
- e) Emotionen einbauen: Zeigen Ihre Akteure Emotionen, z.B. weinen oder lachen, so werden diese auf die Zuschauer übertragen. Aber Achtung, gerade bei Laiendarsteller kann man beim Zuschauer auch oft das Gegenteil erreichen. Wer hat es nicht schon erlebt, dass das jemand weint und die Zuschauer zu lachen anfangen. Noch schlimmer, der Schauspieler im Film schüttet sich aus vor Lachen und die Zuschauer schütteln nur den Kopf und können beim besten Willen nicht mitlachen. Manchmal wird dieser Effekt natürlich auch ganz gezielt eingesetzt, denken Sie nur an die Sketche von „Dick und Doof“mit Oliver Hardy und Stan Laurel.
- f) Gegensätzliche Situationen schaffen: Erfolg / Niederlage, Liebe / Hass, Freude / Trauer, Freunde / Feinde, Gut / Böse, Schön / Hässlich ...
Über den dramaturgischen Aufbau eines Films könnte man seitenweise Abhandlungen verfassen.


