Ton

Der Geräuschemacher: Wenn ein Fahrrad bremst rutscht ein Feuerzeug über eine Glasplatte!

Camgaroo:

Aber wie kommen Sie auf diese Ideen?

Mel Kutbay:

Geschmack. Also für mich klingt das hald so. Es kann jemand kommen, ein Regisseur oder ein Cutter, und sagen, für mich klingt das anders. Gut, dann mach ich ihm ein Geräusch, so wie er es gerne hören möchte. Dann denke ich vielleicht anders, aber ich mache die Töne dem Regisseur dann nach seinem Geschmack. Manche kann man überreden, aber manche sind dann beleidigt – also das ist schwierig.

Camgaroo:

Wie viele Tonspuren kommen bei so einer Produktion zusammen?

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Mel Kutbay:

Also wir hatten bei „Das Boot“ ungefähr 42 Tonspuren nur mit Geräuschen. Der Rest kam aus der Library. Die Sprache, das waren glaube ich 24 Bänder, und dann gab es Effekte auf weiteren Bändern. Wir kamen insgesamt wirklich auf 84 Bänder. Die Mischung selber gebe ich ab. Das machen die Ton Supervisor, die Mischtonmeister. Meine Arbeit ist dann getan. Manchmal gehe ich aus Neugierde hin.

Camgaroo:

Das Band, welches aus all diesen Tonspuren und Bändern entsteht, heißt IT-Band. Können Sie uns den Begriff kurz erklären?

Mel Kutbay:

IT-Band in Deutschland heißt internationales Tonband, kurz IT. das IT Band beinhaltet alle Effekte, alle per Hand gemachten einzelnen Geräusche, z. B. die Türen, Whisky einschenken, Telefon wählen, Eis in den Whisky werfen – all diese Details. Auf diesem IT-Band, was der Engländer m + e Track nennt, ist das Effekt-Track. „M“ steht für Musik und „e“ für Effekt. Auf diesem Track befinden sich, bereits gemischt, alle Geräusche, welche für den Film nötig sind. Sagen wir, die Finnen haben den Film gekauft und möchten diesen in ihrer eigenen Sprache synchronisieren, oder die Japaner. Sie synchronisieren nur die Worte, und dann mischen sie das mitgelieferte Musikband und das IT-Band dazu. Dann hat man alles wieder fertig. Wir machen nach, was fehlt.

Camgaroo:

Fehlt häufig ein Geräusch auf den angelieferten IT-Bändern?

Mel Kutbay:

Ja, das kommt häufig vor. Ich habe wie Sie wissen, im Synchronstudio angefangen. Damals, wenn ein Geräusch gefehlt hat, die angelieferten IT-Bänder nicht vollständig waren, dann konnte ich das nicht durchgehen lassen. Dann haben wir das Geräusch hinzugefügt. Ich weiß noch mein aller erstes Geräusch, welches ich gemacht habe, als Synchronregisseur. Wir brauchten ein leichtes Knarzen. Gerade vorher war jemand im Studio, der mir seine Visitenkarte gegeben hat, und ich hatte diese noch in der Hand. Dann sagte ich zu meinem Tonmeister: „Warte, nimm mal das hier auf“. Also, wenn Sie über ein dickes Papier mit dem Finger rutschen, dann macht das ein „Knarzgeräusch“. Es war ein Film mit Errol Flynn, ein Piratenfilm. Und er schiebt den Segelmast Richtung Wache. Der stößt diesem an den Kopf, und er fällt ins Wasser. Es durfte nicht laut sein, dieses Knarzen, nur das Schwingen des Segelbaumes, aber es musste ein Geräusch geben. Und dann haben wir dieses Geräusch mit der Visitenkarte gemacht.



  • Geräuschemacher Mel Kutbay im Interview

  • Hier werden Schritte auf verschiedenen Böden simuliert

  • Reichhaltige Auswahl: Hier ist die Abteilung für verschiedene Glocken

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