Ton

Der Geräuschemacher: Wenn ein Fahrrad bremst rutscht ein Feuerzeug über eine Glasplatte!

Mel Kutbay:

Ich tobe mich jeden Tag aus. Der einfachste Film ist eine Herausforderung. Ich will jeden am besten machen. Wir haben mal einen algerischen Film vertont. „Little Senegal“ von Rachid Bouchareb, eine Koproduktion der Wiesbadener TaunusFilm International. Dieser Film wurde für die Kategorie „Bester nicht englischsprachiger Film“ für den Oscar nominiert. Es geht um Schwarze in New York. Der Hauptdarsteller kommt aus Senegal nach New York und trägt dicke warme Schuhe, viel zu groß, was er nicht gewöhnt ist. Ich konnte seinen Charakter und den der anderen Darsteller durch spezifische Geräusche seiner Schritte unterstreichen. Das Bild sagt mir, was ich machen muss. Wenn das Bild nicht aufmerksam macht, wie er geht, wie er agiert dann würde ich nicht darauf kommen, diese Schritte so zu machen. Dann hätte ich sie anders gestaltet. Es gab auch andere Details von anderen Charakteren, einer hatte einen leichten Schritt, der andere lief mit Sportschuhen herum. Ein sehr schöner Film.

Camgaroo:

Wie muss man sich die Arbeit eines Geräuschemachers im digitalen Zeitalter vorstellen?

Mel Kutbay:

Es ist einfacher geworden, was die Technik betrifft, aber das Handwerk ist das gleiche geblieben. Ja, es ist eine Freude. Im digitalen Zeitalter habe ich eine große Hilfe mit dem Computer, mit Technik, mit Sampler und Synthesizer. Heute kommt der Ton von der Festplatte ins Pro Tool oder in andere Geräte, mit denen man schneidet. Hier kann man den Ton gleich ändern, beispielsweise pitchen oder verlängern – es ist eine große Hilfe.

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Camgaroo:

Können Sie unseren Lesern Tipps geben, wie man realistische Geräusche aufnimmt?

Mel Kutbay:

Ausprobieren. Das Tonwesen lernen. Wenn man den Knopf eines Aufnahmegerätes drückt, muss man wissen, was für ein Gerät man hat, was es kann und was nicht, welches Mikrophon, welche Entfernung, was muss ich beachten. Diese Tongegebenheiten müssen Sie intus haben. Auch ein Amateurfilmer, der seine Filme nachvertonen möchte, muss eine Ahnung haben von Tontechnik.

Das würde ich jedem vorschlagen: Geh und lerne ein bisschen das Tonwesen, wenigstens ein bisschen horchen, Ohren aufhalten, und dann haut das nach einiger Erfahrung hin.

Camgaroo:

Vielen Dank für das Interview



  • Geräuschemacher Mel Kutbay im Interview

  • Hier werden Schritte auf verschiedenen Böden simuliert

  • Reichhaltige Auswahl: Hier ist die Abteilung für verschiedene Glocken

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