3D/Stereoskopie

Stereoskopie-Grundlagen, Teil 1: Historie

Mit dem großen Erfolg von AVATAR ist der 3D Realfilm in den Mittelpunkt des allgemeinen Interesses gerückt und es scheint so, als sei die Zeit für dreidimensionalen Filmgenuss nun reif. Der Blockbuster überholte mit einem weltweiten Einspielergebnis von ca. 2,3 Milliarden US$ inzwischen den ebenfalls von James Cameron gedrehten Spitzenreiter „Titanic“ und ist damit der finanziell erfolgreichste Film aller Zeiten.

Die Produktion von AVATAR kostete ca. 250 Millionen US$ und nochmals nahezu die gleiche Summe verschlang die gigantische Marketingkampagne. Trotzdem konnten die Produzenten ca. 3 Wochen nach Filmstart vermelden, dass die Kosten bereits eingespielt wurden. Die Besucherzahlen in Deutschland lagen am 3. März laut 20th Century Fox bei 9.703.458. (Titanic deutschlandweit ca. 17 Mio. über die komplette Spielzeit).

Historie - die ersten 3D-Versuche im Filmbereich

Nachdem man in der Fotografie bereits Anfang des 19. Jahrhunderts die ersten Versuche unternahm, Bilder auch in 3D erscheinen zu lassen, begeisterten Mitte des 19. Jahrhunderts die sogenannten Stereoskope selbst die britische Königin Viktoria.

Die Gebrüder Lumiére, Erfinder des Cinematographen, experimentierten Ende des 19. Jahrhunderts mit dreidimensionalen Aufnahmen.

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Der erste längere 3D Stummfilm „The Power of Love“ wurde 1922 im Anaglyph- Verfahren hergestellt. Damit wurde die 3D-Technik früher in einem Film eingesetzt als Ton oder gar Farbe. 1953 erlebte der 3D-Film eine Boomphase, die allerdings nur ca. ein Jahr andauerte. In der Zwischenzeit versuchten die unterschiedlichsten Studios immer wieder mal Ihr Glück mit einem 3D-Film. In den 80er Jahren begann IMAX vor allem Sach- und Wissenschaftsfilme in 70 mm Film auf 3D zu drehen.

Aber erst mit der neuen digitalen Technik und der jetzigen Leistungsfähigkeit der Hard- und Software erreicht 3D einen Qualitätsstandard, der auch die Massen zu begeistern vermag. Einer Etablierung steht damit nichts mehr im Wege. Nicht umsonst hat sich die Zahl der Titel, die in 3D produziert werden von 19 (im letzten Jahr) auf inzwischen 40 Ankündigungen für 2010 erhöht. Kaum eine Filmproduktionsgesellschaft, die nicht mindestens einen 3D-Titel in Produktion hat.

Es ist also an der Zeit, sich näher mit den technischen Grundlagen von 3D zu beschäftigen.

Räumliches Sehen – ein Wunder der Natur

Damit räumliches Sehen möglich wird, muss das Gehirn viele Informationen verarbeiten, darunter auch die sog. Tiefenhinweise. Dabei unterscheidet man zwischen den monokularen (=einäugig) und binokularen (=zweiäugigen) Tiefeninformationen.

Monokulare Informationen für das Gehirn sind z.B. Größenverhältnisse, Perspektive, Texturen, Luftphänomene, Licht und Schatten. Sie sind zum größten Teil Erfahrungswerte, die wir von Geburt an realisieren.

Binokulare Tiefeninformationen entstehen dadurch, dass durch den Augenabstand vom linken wie vom rechten Auge jeweils geringe unterschiedliche Perspektiven „gescannt“ werden. (siehe Abbildung 1). Im Gehirn werden die beiden Bilder zusammengefügt und es entsteht die räumliche Perspektive. Wie genau das Gehirn dabei vorgeht, ist bis heute noch nicht erforscht. Um zweidimensionale Filme dreidimensional zu sehen, müssen wir unserem Gehirn also diese zwei unterschiedlichen Perspektiven vorgaukeln.

Das bedeutet für uns Filmemacher, dass wir zwei synchron laufende Sequenzen aufnehmen müssen, nämlich eine für das rechte und eine für das linke Auge und dabei den Augenabstand, und die dabei entstehende Parallaxe (anscheinende Positionsveränderung des Objektes) berücksichtigen. (siehe Abbildung 2). Dazu brauchen wir zwei möglichst synchron laufende Kameras oder eine Kamera mit zwei Linsen, wie z.B. die neue Panasonic 3D AG-3DA1. Alternativ dazu bieten 3D Programme, wie Maxon Cinema 4D oder Compositing- Software wie After Effects Möglichkeiten unterschiedliche Kameraperspektiven zu erzeugen.



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