Ton

Zum guten Ton...

...führen viele Wege. Man muss sie nur gehen. Das klingt zwar wie eine Selbstverständlichkeit — ist es aber nicht. Viele Filmer achten zu sehr aufs Bild, der Ton scheint da eher nebensächlich zu sein. Da gibt es Nebengeräusche, der Ton ist zu leise und der Kommentar scheint von ganz weit weg zu kommen. Lesen Sie wie Sie die schlimmsten Fehler vermeiden können und wie Sie aus ihrer Tonspur ein optimales Ergebnis herausholen können.

Vertrauen ist gut…

Ein möglicher Grund, warum viele Filmer den Ton vernachlässigen: Keine unmittelbare Kontrollmöglichkeit. Das Bild des Camcorders wird sofort im Sucher oder auf dem Display dargestellt. Der Ton jedoch … - dafür muss man extra einen Kopfhörer anschließen — vorausgesetzt ein Kopfhörerausgang ist vorhanden. Das aber empfiehlt sich bei jeder Aufnahme, in der der Originalton verwendet wird. Ganz besonders wichtig ist die Tonkontrolle bei Interviews. 

Mikrofone

Auch sollten Sie sich nicht auf das im Camcorder eingebaute Mikrofon verlassen. Allein durch die Tatsache, dass sich dieses im Gehäuse der Kamera befindet, ist es anfällig für allerlei Arten von Störgeräuschen. Das Laufwerk erzeugt ständig Geräusche, die bei manchen Geräten bei der Aufnahme deutlich zu hören sind. Diese werden oft direkt durchs Gehäuse übertragen. Auch eine schnelle Bewegung mit der Kamera, ein Umgreifen oder das Bedienen der Zoomwippe kann auf der Aufnahme zu hören sein. 

Abhilfe schaffen hier externe Mikrofone, die entweder an der Kamera befestigt werden, oder per Tonangel auf die Schallquelle gerichtet werden. Auch störende Einflüsse von außen sollte man versuchen auszuschalten. Dazu gehören Windgeräusche aber auch Baustellen- und Verkehrslärm. Behelfen kann man sich hier ebenfalls mit besonderen Mikrofonen die nur in einer Richtung besonders empfindlich sind.  Auch hierzu finden sich im erwähnten Artikel weiterführende Informationen.

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O-Ton und Atmo

Es muss nicht immer der Ton verwendet werden, der direkt bei der Aufnahme vorhanden ist. Manchmal machen Nebengeräusche wie eine nahe, viel befahrene Straße jede Naturaufnahme zunichte. Dann ist es von Vorteil, wenn man bereits auf ein Archiv an sog. Atmos zurückgreifen kann. Am besten Sie legen sich selbst eine Sammlung an Tönen und Hintergrundgeräuschen zu oder Sie greifen nach Bedarf auf entsprechende Angebote im Internet zu. 

Ein Klangteppich, der die Tonstimmung eines bestimmten Ortes wiedergibt nennt man „Atmo“. Beispiele hierfür sind: Gedämpfte Stimmen und Geschirrklappern für eine Restaurantszene, Vogelgezwitscher und leises Blätterrascheln für Aufnahmen im Wald, Jahrmarktsmusik laute Stimmen und das Rattern der Achterbahn für den Spaziergang auf dem Oktoberfest, oder Fangesänge und die unverständliche Durchsage eines Stadionsprechers für Szenen, die auf Sportveranstaltungen spielen. 

All diesen Beispielen sind zwei Dinge gemein. Sie geben die Atmosphäre eines Ortes so treffend wieder, dass der Zuschauer, auch ohne das Bild zu sehen, sofort weiß, wo er sich befindet. Auch wichtig: Die Atmos drängen sich nicht in den Vordergrund. So müssen beispielsweise die Stimmen in der Restaurantszene unverständlich bleiben um den Zuschauer nicht vom eigentlichen Dialog abzulenken.

Der Soundmix

Um die volle Kontrolle über den Ton zu bekommen, empfiehlt es sich, nichts dem Zufall zu überlassen. In großen Hollywoodproduktionen werden höchstens die Dialoge der Schauspieler direkt aufgenommen. Oft genug werden selbst diese nachsynchronisiert, etwa wenn bei der Aufnahme der Ton nicht optimal war oder unerwünschte Nebengeräusche aufgetreten sind. 

Um die Stimmen der Umgebung anzupassen werden Effekte wie Hall oder Echo später auf elektronischem Weg erzeugt. So lässt sich die „trockene“ Sprachaufnahme nachträglich dem im Film gezeigtem Raum angleichen. Soundeffekte werden zusätzlich hinzugefügt. Diese kommen in modernen Produktionen aus dem Archiv oder werden extra neu zusammengemischt. Früher wurden sie ausschließlich von Geräuschemachern erzeugt, die sich allerlei skurriler Werkzeuge bedienen. So wird Pferdegetrappel beispielsweise mit Hilfe zweier ausgehöhlter Kokosnusshälften erzeugt. Mit Kies gefüllte Holzkisten lassen sich verwenden um Schritte auf dem entsprechenden Untergrund zu erzeugen. Fahrradklingeln, Türscharniere, alles gehört zum Fundus eines Geräuschemachers. Die Klänge werden mit einfachen Mitteln erzeugt, dann aber meistens aufwändig weiterbearbeitet — schließlich gilt es diese, bei modernen Kinoproduktionen mit mehren Soundkanälen, optimal im Raum zu platzieren.



  • Externes Richtrohrmikrofon: Mit Windschutz versehen lassen sich dieser Typus gut im Freien verwenden.

  • Aussteuerungsanzeige: fast bis zum Anschlag – aber nicht drüber.

  • Dynamische Lautstärkeanpassung: unerwünschte Geräusche lassen sich so ausblenden.

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