Aktuelle Produktion

S3D-Produktionsbericht: Der Schatten der Gerechtigkeit

 Montag, 16. Juli 2012: Ob es ohne Erfahrung möglich ist, einen S3D-Realfilm als Low-Budgetfilm zu produzieren? Nun - sicher waren wir uns nicht, aber auf einen Versuch wollten wir es auf jeden Fall ankommen lassen. Die Geschichte unseres Filmes begann, als die Vorstellung von „Haunted Castle“ im IMAX endete. Dieser dreidimensionale Bildeindruck, einfach faszinierend! Für uns war klar: Das wollten wir auch hinbekommen.
[Text- und Bildmaterial: Robert Fischer und Constantin Maier, © Camgaroo/LechnerMedia]

Die ersten Versuche ein Kamerarig zu konstruieren und erste Aufnahmen in S3D zu filmen waren ernüchternd. Rückblickend ist es kein Wunder, dass diese Tests nicht klappten. Die Stereobasis war schlichtweg zu groß gewählt und eine vertikale Parallaxe zerstörte die dreidimensionale Bildwirkung schließlich völlig. Nur wussten wir zu dieser Zeit noch nicht im Ansatz, was diese beiden Begriffe überhaupt bedeuten. Damit wurde die Idee erst einmal wieder beiseite gelegt. Aber irgendwie ließ sie uns einfach nicht los. Also begannen die Recherchen im Internet: Stereo3D? Wie funktioniert das eigentlich? Welche Grundregeln müssen wir beachten? Was bedeuten Begriffe wie Parallaxe, Stereobasis, usw.?

Es wurde also Zeit ein wenig Licht ins Dunkle zu bringen. Wenn wir ein dreidimensionales Bild erhalten wollen, brauchen wir zwei verschiedene Kameras. Warum ist das so? Bestes Beispiel sind unsere Augen. Wir können dreidimensional sehen, weil unser Gehirn vom linken und rechten Auge zwei leicht unterschiedliche Ansichten unserer Umgebung erhält. Für diesen Bildunterschied gibt es in der Fachsprache einen festgelegten Begriff: Die Parallaxe. 

Nun wurde schnell klar, was wir falsch gemacht hatten. Unsere beiden Augen haben einen Abstand von ca. 6,5 cm. Zwischen den Objektiven unserer beiden Kameras (eine Canon HV20 und eine Canon HV30) lagen aber schon über 10cm. Zudem liegt unser Augenpaar auf einer horizontalen Linie, während in unserem provisorischen Kamerarig, eine der beiden Kameras deutlich höher montiert war als die andere. Demzufolge hatten die beiden Bilder einen vertikalen Unterschied, die vertikale Parallaxe. Sie sollte auf jeden Fall vermieden werden.

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Durch die neuen Erkenntnisse modifizierten wir unserer Rig und … es funktionierte. Wir waren begeistert und stürzten uns in die Vorbereitungen für unser Filmprojekt. Da wir aus einigen 2D-Filmproduktionen schon Erfahrung und Equipment mitbrachten, kamen wir nun gut voran.

Zuerst wurde das Drehbuch für unsere Geschichte entworfen. Zugegeben, ein Arbeitsschritt auf den wir nicht unser Hauptaugenmerk richteten. Der Fokus lag auf der S3D-Vorplanung, damit beim Dreh alles glatt läuft. Auch die Kameraeinstellungen wurden in einem Storyboard festgehalten. 

Es stellte sich bald heraus: Eine 3D Produktion unterscheidet sich maßgeblich von einer 2D Produktion! Es wäre ein Irrtum zu denken, dass S3D nur etwas mehr Arbeit in der Postproduktion bedeutet. Es beeinflusst sämtliche Teilbereiche. Es bietet sich an, dies an einem Beispiel zu erklären:

In einer Schlüsselszene des Films trifft der Hauptdarsteller James (Henning Neu) auf den Verbrecher Neil (Conny Thees). Bevor die Schauspieler zu agieren begannen, musste überprüft werden, ob Weißabgleich, Blende und Fokus bei beiden Kameras identisch waren. Dann endlich fiel die Filmklappe einmal vor der Kamera zu. Warum? Neben dem Aspekt, dass Bild und Ton so in der Nachbearbeitung gut aufeinander abgestimmt werden können, lässt sich dieses Hilfsmittel auch sehr gut zur Synchronisation des Bildmaterials beider Kameras nutzen. Ist zwischen den Videospuren für das rechte und das linke Auge beim späteren Betrachten ein Versatz, kann der 3D-Eindruck dadurch gestört werden. Kopfschmerzen sind die Folge. Da eine genaue Synchronisation per Genlock für unser Kamerapaar nicht möglich war, konnten die beiden Ansichten nur framegenau aufeinander abgestimmt werden. Auch die Fixierung der Stereobasis auf ca. 7cm bereitete uns schon beim Dreh Kopfzerbrechen. Die Folge war, dass Nahaufnahmen nicht möglich waren. Das lag daran, dass bei sehr nahen Objekten, die Parallaxe zu groß wurde. Denn bei einem zu großen Unterschied zwischen den Bildern für das linke und das rechte Auge lassen sich die verschiedenen Ansichten im Gehirn nicht mehr zu einem dreidimensionalen Bild zusammensetzen. Also achteten wir schon bei der Aufnahme dieser Szene darauf, einen Mindestabstand zu Neil bzw. dem Stuhl auf dem er saß, einzuhalten. 



  • Szene aus "Der Schatten der Gerechtigkeit"

  • Jonas Buerschaper als Kameramann mit Steadycam

  • Constantin Maier als Kameramann mit Shoulder Support

  • 1: Einfügen des beiden Ansichten, 2: Angleichen der farblichen Unterschiede, 3: Zusammensetzen der beiden Ansichten, 4: Angleichen der Rotation und vertikalen und horizontalen Parallaxe, 5: Farbkorrektur und finale 3D Ausgabe

  • Unser in After Effects geschriebenes Preset zur stereoskopischen Verarbeitung