Ton

Der Geräuschemacher: Wenn ein Fahrrad bremst rutscht ein Feuerzeug über eine Glasplatte!

Camgaroo:

In meinem letzten Interview erwähnte ich, dass ein Geräusch, welches man aufnimmt, nicht immer so klingt, wie es klingen soll. Als Beispiel: Wenn ein Buch runterfällt, lässt man zehn Bücher runterfallen, damit es so klingt.

Mel Kutbay:

Als ich dies gelesen habe, da habe ich etwas gelacht. Natürlich weiß ich, was sie meinen. Vielleicht lasse ich ein Buch gar nicht fallen. Aber ich nehme ein Objekt, das mir dieses herunterfallende Buch-Geräusch hergibt. Vielleicht nehme ich einfach meinen ledernen Tabakbeutel und schlage mit der flachen Hand drauf und raschel noch mit dem Papier. Oder ich lasse dazu die Seiten mit dem Finger auffächern. Oder wenn ein Buch runterfällt, können sie auch ein Buch nehmen und draufschlagen. Das halb offene Buch ein bisschen schütteln und noch mal draufschlagen. Je nach Bild, nach Figur, wie das Buch fällt. Also nicht jedes Buch, das runterfällt, ist ein Buch, das runterfällt.

Manchmal sind die Geräusche sehr schmutzig, es hängt viel von der Aufnahmetechnik ab, welches Mikrophon, welches Gerät. Ich habe letztes Mal eine Straßenbahn aufgenommen, das war alles andere als eine Straßenbahn.

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Es gibt ein schönes Beispiel: Ich sitze hier mit Maximilian Bauer, meinem Tonmeister, er wollte mein Feuerzeug und ich schiebe ihm das Feuerzeug aus Silbermetall über den Marmortisch, es quietschte. Zwei, drei Tage später sind wir im Studio und vertonen eine Sequenz, wo ein Mann mit einem Fahrrad kommt und stehen bleibt. 

Dann sagt Max, ach Mel, geben sie mir ihr Feuerzeug. Ich dachte, er will rauchen und sagte, was, hier im Studio? Nein, nein, sagte er und schob mein Feuerzeug über ein Stück Glasscheibe. Es quietschte genauso, wie wir es gebraucht haben. Alle Achtung, ich habe ihm dann auf die Schulter geklopft. Ja, ich sagte bereits, er ist ein sehr guter Geräuschemacher geworden. Tja, es gibt viele Möglichkeiten, es ist wie ein Spiel.

Camgaroo:

Welchen Arbeitsaufwand müssen Sie einkalkulieren?

Mel Kutbay:

Wenn es zu den Geräuschaufnahmen kommt, ist der Etat für einen Film ausgegeben. Sie haben wenig Geld, sie haben wenig Zeit, weil die Mischung vor der Tür steht. Sie sagen, hier haben wir einen 120 Minuten Film, mach mir das in 5 Tagen. Quatsch – man kann es natürlich machen, aber hinterher weint man. Denn hätte ich mehr Zeit gehabt, dann hätte ich es besser gemacht. Es gab den Ausdruck Low-Budget für Produktionen, jetzt gibt es den Ausdruck „No-Budget“.

Camgaroo:

Gibt es besondere Herausforderungen, welche Sie immer wieder als Geräuschemacher fesseln? Filme, bei denen Sie sich austoben können?



  • Geräuschemacher Mel Kutbay im Interview

  • Hier werden Schritte auf verschiedenen Böden simuliert

  • Reichhaltige Auswahl: Hier ist die Abteilung für verschiedene Glocken

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