Ton

Der Ton macht die Musik, Teil 1

Kaum zu glauben, dass der vertonte Film gegen Ende der Zwanzigerjahre des letzten Jahrhunderts nicht überall beliebt war. Es gab sogar eine Liga gegen den Tonfilm, die mit Anzeigenkampagnen auf mögliche gesundheitliche Schäden hinwiesen. Seit der Veröffentlichung des ersten synchron vertonten Films “The Jazzsinger“ im Jahre 1928 wollten die Zuschauer nur noch Tonfilme sehen und die Filmstudios bekamen alle Hände voll zu tun, diesem Anspruch gerecht zu werden, denn sie mussten etwas lernen, was für sie völlig neu war: Die Tongestaltung.

Da haben wir es heute ja leicht, könnte man glauben, aber der Schein trügt. Natürlich stehen wir nicht mehr vor den technischen Problemen wie in den Anfängen des Tonfilms aber Audio-Sensibilität mit elektronischen und akustischen Gesetzmäßigkeiten zu verbinden, ist für viele Filmerinnen und Filmer oft schwer oder nicht möglich.

Da kommen dabei dann schon mal Vertonungsversuche heraus, die für menschliche Ohren eine Belastung darstellen können. In den meisten Fällen hängt es mit der Ungenauigkeit der Tonmischung zusammen.

Ich bin nie ein Technikfreak gewesen und dennoch haben mich die Zusammenhänge der Wahrnehmung von Bild und Ton interessiert. Als das Filmvertonen bei Amateuren noch direkt mit dem Super-8-Projektor geschah und man froh war, dass der eigene kleine Film nun auch Musik wiedergab, viel mir auch mal ein Super-8-Kauffilm "Die Feuerzangenbowle" in die Hände. Ich saß neben dem Projektor und begann den Film auf meine 150 cm breite Leinwand zu projizieren. Der Filmton kam aus dem eingebauten Lautsprecher im Projektor neben mir.

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Was beim Sehen und Hören auffiel, habe ich nie vergessen. Immer wenn die Toninformation synchron zum Bild war - also Dialoge der Schauspieler und Geräusche im Hintergrund vergaß ich, dass der Ton neben mir aus dem Lautsprecher kam. Das Gehirn transportierte ihn zur drei Meter entfernten Leinwand. Das änderte sich, als Musik die Filmszene dominierte und keine Stimmen oder Geräusche mehr zu hören waren. Die Verbindung zur Leinwand war abgerissen und ich nahm die Musik wieder direkt aus dem Lautsprecher neben mir wahr.

Sie kennen diesen akustischen Eindruck, wenn Sie schon einmal im Autokino waren. Entgegen dem normalen Filmtheater, in dem früher in der Hauptsache hinter der Leinwand die Lautsprecher angebracht waren, hängten Sie im Autokino einen Lautsprecher an die einen Spalt hinunter gekurbelte Seitenscheibe Ihres Fahrzeugs. Von Stereo damals keine Spur. Sie waren vielleicht hundert Meter von der 20 Meter breiten und 10 Meter hohen Leinwand entfernt und hatten durch den synchronen Ton schnell vergessen, dass die Audioinformationen nicht von der Leinwand kamen, sondern sich in Ihrem Auto befanden.

Aus diesem Erlebnis zog ich damals eine Schlussfolgerung, die für mich auch heute noch Gültigkeit hat: Wenn mein Filmton authentisch zum Filmbild wirkt, also synchron ist, erreiche ich den Zuschauer und kann meine Geschichte erzählen. Kritiker können nun natürlich behaupten, dass es ja heute kein Problem mehr sei, einen authentischen Filmton zu erzeugen, machen dies doch alle heutigen Videokameras automatisch und in sehr guter Qualität. Dennoch hat in vielen Fällen der Originalton der Videoaufzeichnung nicht die Wirkung, die er erzielen sollte. Manchmal ist es sogar so extrem, dass obwohl der O-Ton mit dem Videobild aufgezeichnet, einfach nicht zu gebrauchen ist. Sie kennen das. Rauer Wind im Mikrofon. Dumpfe Knallgeräusche dominieren. Zum Blick ins Tal mit Wiesen und Feldern, quatschende Radfahrer, die ihr Gefährt über den Kiesweg hinter der Kamera schieben. Der Vogel, der zu seinem Nest fliegt, wird vom Geräusch eines vorbeijagenden Düsenjets begleitet. Die Szenen sind schön aber deren Töne unbrauchbar.



  • Beispiel 1: Filmanfang

  • Beispiel 1, Szene 1

  • Beispiel 1, Szene 2

  • Beispiel 1, Szene 3