Schnitt

Die Kunst des Weglassens: Videos richtig kürzen

Was weglassen?

Viele Schnittprogramme bieten inzwischen die Möglichkeit Szenen bewerten zu können. Denkbar sind Attribute wie „perfekte Einstellung“, „gute Einstellung“, „zweite Wahl“ und „Ausschuss“. Selbst wenn Ihr Schnittprogramm das nicht anbietet. Eine einfache Tabelle hilft beim Vorsortieren Ihres Filmmaterials. Die Spalten bestehen nur aus Timecode-In, Timecode-Out, Beschreibung und den Feldern für die Bewertung. Kopieren Sie einfach die Tabelle aus diesem Camgaroo-Magazin und füllen sie diese beim Sichten Ihres Videomaterials aus. Das hat nicht nur den Vorteil, dass Sie lernen das eigene Videomaterial kritisch zu bewerten. Dank der Timecode-Angaben finden Sie bestimmte Szenen auch schnell wieder. Legen Sie zu jedem neuen Aufnahmemedium eine solche Liste an und Sie haben im Nu ihre Videos sinnvoll katalogisiert.

Wir haben für Sie eine Vorlage für eine solche Liste erstellt. Sie finden diese im Anschluss an diesen Artikel als PDF-Download.

Seien Sie selbstkritisch, versuchen Sie die Szenen mit den Augen eines neutralen Zuschauers zu betrachten. Verwackelte und unscharfe Szenen gehören in den Ausschuss. Ebenso falsch belichtete Aufnahmen, wenn sich diese in der Nachbearbeitung nicht mehr retten lassen. Perfekte Aufnahmen sind absolut fehlerfrei, man muss auch nach mehrmaligen Betrachten sagen können: „Hier hätte man wirklich nichts besser machen können!“. Dementsprechend selten wird man an dieser Stelle ein Kreuz machen können, denn wer wirklich selbstkritisch bewertet, findet immer Raum für Verbesserungen. Für den Normalgebrauch ist das Feld 2 („gut“). Hier kommen Aufnahmen hinein, zu denen Sie 100-prozentig stehen können. Sichtbare Fehler sollte es hier nicht geben. Als „zweite Wahl“ werden Ersatzszenen bewertet oder Einstellungen mit kleineren Fehlern, die sich im Schnitt noch korrigieren lassen. So bewertete Aufnahmen sollten nur verwendet werden, wenn diese inhaltlich wichtig sind und es keine besseren Aufnahmen gibt. 

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Tragen Sie beim Timecode nicht die Punkte ein, an denen die jeweilige Aufnahme auf dem Band beginnt oder endet, sondern ab denen die Szene verwendbar ist. Ein Beispiel: Sie wollen ein Gebirgspanorama filmen, haben aus Versehen den Auslöser betätigt und nehmen bereits auf, während Sie die Kamera noch auf dem Stativ montieren. Sie bemerken den Fehler, lassen die Kamera aber weiterlaufen und schwenken einmal über die Bergkette. Der Schwenk gelingt fehlerfrei, worauf Sie die Aufnahme beenden. Anstatt auf der Tabelle den Beginn der Aufnahme einzutragen und die Einstellung insgesamt als Ausschuss zu bewerten, wählen Sie hier jeweils die  Punkte an denen der Schwenk beginnt und endet und bewerten die Aufnahme als „gut“. Der unnötige Teil am Anfang wird einfach ignoriert. Damit haben Sie die Aufgabe des Trimmens quasi schon auf dem Papier erledigt.

Sind die Szenen erst bewertet, fällt die Auswahl nicht mehr schwer. Perfekte Aufnahmen bekommen natürlich den Vorzug, ansonsten werden nur Aufnahmen verwendet, die mit „gut“ bewertet wurden. Darüber hinaus sollten nur Szenen ausgesucht werden, die in den Gesamtablauf passen. So kann es sein, dass selbst gute oder perfekte Aufnahmen der Ablauflogik zum Opfer fallen. 



Dateien:

Footage_Bewertung_01.pdf48 K

  • Unscharfe Aufnahme - diese sollte lieber nicht verwendet werden

  • Unterbelichtet - eventuell lässt sich noch etwas retten

  • Verwackelt - auch diese Aufnahme gehört eher in den Ausschuss