Förderung

Filmförderung für Bayern: Prof. Dr. Klaus Schaefer und Julia Rappold im Gespräch mit Camgaroo

K.S.: Viele der Nachwuchsfilmer haben den Unterschied zwischen Kalkulation und Finanzierungsplan nicht verinnerlich. Rückgestellte Eigenleistungen werden kalkuliert, weil sie da sind und einen Marktwert haben. Im  Finanzierungsplan werden sie dann aber zurückgestellt, da sie nicht bar ausbezahlt werden.

C.: Wie viele Filmprojekte werden durchschnittlich pro Jahr gefördert.

K.S.: Ganz grob gesagt: 25 Kinofilme, 25 Fernsehfilme, 25 Nachwuchsfilme. Wobei ich glaube, dass wir inzwischen sogar ein wenig über diesen Zahlen liegen.

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J.R.: Im Nachwuchsbereich liegen wir tatsächlich bei circa 25 Filmen pro Jahr. Darunter sind meist  circa fünf Erstlingsfilme mit 200.000 bis 300.000 € Fördersumme. Die restliche Fördersumme von 1.6 Mio. verteilt sich auf die anderen Nachwuchsprojekte.

C.: Können Sie ein Beispiel für einen wirtschaftlich erfolgreichen Nachwuchsfilm geben?

K.S.: Der wohl erfolgreichste Nachwuchsfilm war der kombinierte Abschluss-Erstlingsfilm „Das Leben der Anderen“. Kombiniert heißt in diesem Falle, dass der Antragsteller seinen Abschluss- und Erstlingsfilm zusammenfasst und dann eine höhere Antragssumme als im regulären Abschlussfilmbereich beantragen kann. Er hat dann jedoch kein Antragsrecht mehr für einen Erstlingsfilm. Dieses Verfahren haben wir bei  „Das Leben der Anderen“ zugelassen. Zum einen weil das Projekt so herausragend war, zum anderen weil der Regisseur bereits zahlreiche gute Kurzfilme davor realisiert hatte. Und unser Vertrauen hat sich letztendlich ausgezahlt: „Das Leben der Anderen“ hat unter anderem einen Oscar gewonnen und noch dazu über 2 Millionen Besucher im Kino erzielt. Das war natürlich für alle Beteiligten eine tolle Erfolgsgeschichte.

J.R.:  Nachwuchsförderung heißt beim FFF Bayern im Übrigen nicht nur Filmförderung, sondern wir vergeben zusätzlich auch zwei Nachwuchspreise: Auf den Regensburger Kurzfilmtagen sowie auf dem Dok.Fest München wird jeweils ein Förderpreis speziell für Nachwuchstalente vergeben. Unsere Intension dabei ist, die Aufmerksamkeit auf einen herausragenden Film zu lenken, aber im besten Fall  auch dem Filmemacher die Finanzierung für den nächsten Film zu erleichtern.

KS.: Wenn wir den Bogen weiterschlagen, was der Freistaat noch alles für den filmischen Nachwuchs unternimmt, dann ist das eine ganze Menge. Er hat eine Filmhochschule für 88 Mio. Euro gebaut, er unterstützt den Mediencampus Bayern, er hat das Bayerische Filmzentrum initiiert, finanziert dort das „First Movie Programm“ und ist bei der „Drehbuchwerkstatt München“ dabei.  Der Freistaat unterstützt die bayerischen Filmfestivals, auf denen viele Nachwuchsfilme gezeigt werden, wie z.B. in Hof, Landshut oder Regensburg. Das gesamte Engagement des Freistaates ist auch im nationalen Vergleich beachtlich. 

J.R.: Gerade in der Filmförderung waren wir im Nachwuchsbereich auch deutschlandweit immer schon ein Vorreiter, zuerst mit einem Etat von 1,2 Mio. und jetzt erst recht mit einem Gesamtfördervolumen von 1,6 Mio. €. Das ist schon außergewöhnlich.

C.: Helfen Sie auch bei der Vermittlung von Produzenten oder Verleihfirmen?

K.S.: Also Tipps geben wir immer, sicher im Nachwuchsbereich mehr als im professionellen Bereich. Aber wenn jemand einen großen Kinofilm auf die Beine stellen möchte und nicht in der Lage ist, einen Verleih zu finden, dann würde uns das allerdings nachdenklich machen. Beim Nachwuchs kann man schon mal einen Tipp geben, aber auch Nachwuchsförderung setzt eine gewisse Professionalität voraus. 



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