Förderung

Filmförderung für Bayern: Prof. Dr. Klaus Schaefer und Julia Rappold im Gespräch mit Camgaroo

C.: Was versteht man eigentlich unter einem bedingt rückzahlbaren Darlehen.

K.S.: Eigentlich wäre es richtiger zu sagen „erfolgsbedingt rückzahlbares Darlehen“. 

Erfolg heißt wirtschaftlicher Erfolg und zwar wirtschaftlicher Erfolg beim Produzenten. Das heißt, wenn der Produzent tatsächlich Geld zurückbekommt. Nicht allein, wenn der Film im Kino gut läuft. Filme, die im Kino über eine Million Zuschauer haben, müssen noch lange kein wirtschaftlicher Erfolg sein. Die Hälfte der Einnahmen behält eh das Kino, der Rest geht zum Verleih, der nimmt sich seine Provision und holt sich seine Verleihgarantie zurück.  Es kann sein, dass kein Euro beim Produzenten ankommt.  Alle jubeln immer: „Der Film hat eine Million Zuschauer, ein riesiger wirtschaftlicher Erfolg“. Ich frag dann immer, für wen? Für den Kinobetreiber ja, für den Verleiher möglicherweise auch, für den Produzenten? Das heißt, wir sprechen erst von einem wirtschaftlichen Erfolg, wenn der Produzent wirklich Rückflüsse hat. Und erst wenn er seinen Eigenanteil zurückgeführt hat, beginnt die Phase der Rückzahlung des Darlehens.  

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Aber auch nur 50 % dessen, was bei ihm ankommt. Den Rest soll er für den nächsten Film verwenden oder die Erfolgshonorare auszahlen oder ähnliches. Deshalb haben die Förderungen auch nicht so üppige Rückflüsse. Würden wir in der Rangfolge an einem anderen Platz stehen, hätten wir auch höhere Rückläufe. Dieses Modell ist aber bewusst so gestaltet, um so die Produzentenlandschaft auch langfristig zu stärken. 

J.R.: Im Nachwuchsbereich sind wir in der Regel bei Zuschüssen.

K.S.: Genau, hier (K.S. deutet auf das Plakat von „Das Leben der Anderen“) haben wir einen Zuschuss gegeben. Eigentlich schade, weil der Film später tatsächlich wirtschaftlich erfolgreich gewesen ist.  

J.R.: Seitdem sind wir etwas kritischer und geben ab und zu auch erfolgsbedingt rückzahlbare Darlehen, wenn wir denken, das Projekt könnte ein wirtschaftlicher Erfolg werden 

C.: Ist es so, dass wenn der Filmproduzent etwas zurückzahlt, er indirekt einen Anspruch auf die gleiche Summe für sein nächstes Filmprojekt hat? 

K.S.: Das ist das Prinzip der Erfolgsdarlehen. Das haben wir übrigens im Nachwuchsbereich auch so übernommen. Wenn ein Produzent zurückzahlt, wird dieses Geld für drei Jahre für ihn auf einem virtuellen Sonderkonto geparkt, und er kann es erleichtert abrufen. Erleichtert heißt, wenn er nur den „geparkten“ Betrag haben will, muss er nicht mehr in den Vergabeausschuss, sondern ich  als Geschäftsführer kann alleine entscheiden und zwar nach Prüfung der formalen Kriterien.  

Ich prüfe also nicht mehr, ob ich vom Drehbuch überzeugt bin, sondern nur, ob es unseren Richtlinien entspricht. Außerdem überprüfen wir, ob der erforderte Bayerneffekt erfüllt ist. Dann geben wir das Geld frei. Hier in Bayern gibt es natürlich ein paar Firmen, die über relativ große Erfolgsdarlehen verfügen. Für diese Firmen ist das ein sehr gutes Finanzierungstool für den Fall, dass ihnen plötzlich ein Finanzierungspartner wegfällt. Dann haben sie die Möglichkeit, auf ihr Erfolgsdarlehenskonto zurückzugreifen.



  • Prof. Dr. Klaus Schaefer und Julia Rappold im Gespräch mit Gabriele Lechner

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