Schnitt

Häppchenweise - die richtige Szenenaufteilung für den Schnitt

Wenn Sie bei Dreharbeiten damit konfrontiert werden, ein Thema oder eine Situation in Szenen aufzulösen, stellt sich die Frage, wie Sie am besten dabei vorgehen, womit Sie beginnen und auf- hören und was es zu beachten gibt, damit die Aufnahmen zusammenpassen.

Eine Szene besteht aus einer Einstellung oder einer Abfolge von Einstellungen, die inhaltlich zusammengehören und am selben Ort stattfinden, bzw. bei denen die Ortswechsel im Bild zu sehen sind. Dabei sollte die letzte Szene mit der nachfolgenden harmonieren oder eine stilistische Zusammengehörigkeit erkennbar sein. Diese inhaltlichen Einheiten werden häufig mit Stilmitteln gekennzeichnet. Überlegen Sie sich zuerst die zentrale Aussage der Szene, welchen Stil und welches Tempo die Aufnahmen haben sollen und für welches Publikum die Szene gedacht ist. Überlegen Sie sich ein Minidrehbuch - wie die jeweilige Szenerie mit den anderen zusammengehört, was davor liegt und was danach kommt. Dabei ist vor allem die Gestaltung des Einstieg in eine Szene und der Ausstieg wichtig, damit eine nahtlose Integration in den Videofilm erleichtert wird. Wir zeigen Ihnen hier einige Grundlagen und Tricks, wie Sie immer den richtigen Ein- und Ausstieg finden. Jedem Video liegt ein mehr oder weniger fertiges Konzept oder vielleicht auch nur eine Idee zugrunde, die Ihnen die Anhaltspunkte für die Auflösung einer Szene liefern kann. Behalten Sie dieses Konzept im Kopf und richten Sie die Wahl Ihrer Bildausschnitte oder die Kameraführung danach. Wenn kein Konzept vorgegeben ist, überlegen Sie sich, was zu dem Thema passt. Dies wird gerade bei Dokumentarfilmen häufig vorkommen, denn der fertige Film entsteht meist erst in der Montage.

Für eine Stilistik entscheiden

Bleiben Sie konstant in der Umsetzung Ihres einmal gewählten Stils. Wenn ein schneller, rasanter Film gefordert ist, machen Sie schnelle und rasante Aufnahmen, verwenden Sie viele Handkameraeinstellungen und extreme Perspektiven. Wenn eine konservative Ästhetik gefragt ist, wählen Sie konventionelle Einstellungen, arbeiten Sie viel mit dem Stativ und vermeiden Sie Reisschwenks. Je langsamer und ruhiger die Aufnahmen sind, umso wichtiger ist es, genügend Vor- und Nachlaufzeit mitzunehmen (einige Sekunden), da diese im Schnitt für Blenden benötigt werden.

Die erste Aufnahme und Antextbilder

Besonders wichtig für die einleitende Einstellung ist der zeitliche Rahmen, der für den gesamten Videofilm zur Verfügung steht. Wenn eine Szene im fertigen Film nur kurz sein darf, muss bereits der Einstieg schnell gehen. Bei Nachrichtenberichten werden Interviews meist mit sog. Antextbildern eingeleitet. Das ist eine Einstellung, über die später ein einleitender Text zu der Person, oder dem Thema des Interviews eingesprochen wird. Die kurze Szene sollte mit der Person oder ihrer Tätigkeit zusammenhängen. Wenn Ihnen im Film mehr Zeit zur Verfügung steht, können Sie sich auch für die Einleitung mehr Zeit lassen und diese schrittweise aufbauen. Mit Detailaufnahmen anzufangen ist eine Methode um Spannung zu erzeugen. Die inhaltlich einfachste Möglichkeit in eine Szene einzusteigen ist es, mit einer Aufnahme in der Totalen zunächst die Umgebung zu zeigen, und dem Zuschauer Orientierung zu verschaffen. Die räumliche Situation und Brennweite des Objektivs erlaubt es häufig nicht eine Totale aufzunehmen. Sie können stattdessen die Umgebung abschwenken. Verwenden Sie ein Stativ und führen Sie den Schwenk langsam und gleichmäßig aus. Eine weitere Option ist der sog. Anschwenk, der in der Fernsehberichterstattung häufig eingesetzt wird, um in eine Szene einzuführen und Bildelemente, die nicht zusammen auf eine Einstellung passen, in Zusammenhang zu bringen. Dabei wird von einem Aspekt einer Szene auf einen anderen geschwenkt und so mit einer einfachen, kurzen Bewegung viel Information vermittelt. Wenn Sie beispielsweise von den Türmen der Frauenkirche auf einen Stand im Weihnachtsmarkt schwenken, weiß der Zuschauer sofort, dass Sie sich in München befinden und sich die nachfolgenden Szenen auf dem Weihnachtsmarkt abspielen. Der Anschwenk wird häufig mit einem Zoom kombiniert, um beispielsweise von einem Detail in eine Totale zu wechseln, die dem Zuschauer vor Augen führt, wozu das Detail eigentlich gehört. Somit wird Spannung erzeugt und die Neugier des Zuschauers geweckt.

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  • Bild 1: Ein Anschwenk: Zunächst sieht man nur das Logo des „Jekyll und Hyde“ Musicals (1). Mit dem Schwenk nach unten (2) wird offenbart das es sich um einen Ballon handelt (3).

  • Bild 2: Perspektivisch passt der Truck komplett aufs Bild

  • Bild 3: Das Prinzip von Schuss und Gegenschuss: Bild1 zeigt das herannahende Polizeiauto, aufgenommen aus Position 1, das in Bild 2 rechts wieder aus dem Bild verschwindet. Anstatt mit dem Wagen mitzuschwenken, wird beim Gegenschuss die Kamera in Position 2 ausgerichtet. Dort fährt das Polizeiauto links wieder in den Bildausschnitt (Bild 3) hinein.

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