Schnitt

Häppchenweise - die richtige Szenenaufteilung für den Schnitt

Zeitverkürzungen

In einem Videofilm steht immer nur eine begrenzte Zeit zur Verfügung und fast jede reale Handlung wird nicht in „Echtzeit“ dargestellt, sondern die Handlungsabläufe müssen im Schnitt verkürzt werden. Damit dies einfacher fällt, müssen Sie schon bei der Aufnahme daran denken, wie das funktionieren kann. Stellen Sie sich vor Ort immer die Frage: „Wie kann der Vorgang so abgekürzt werden, dass der Ablauf verstanden werden kann, aber keine überflüssigen Informationen gegeben werden?“ Das Komprimieren in eine möglichst dichte Einstellungen und das Zusammenraffen einer Szene in möglichst kurze, aussagekräftige Bilder ist eine Kunst, die sich erst mit der Erfahrung einstellt und die viel von Ihrer Beobachtungsgabe abhängt. Mit den folgenden Tipps zur Zeitverkürzung haben Sie aber das beste Rüstzeug dazu.

Räumliche Distanz

Wenn Objekte oder Personen an einem Drehort weit voneinander entfernt sind, ist es meist Zeit raubend diese durch Schwenks oder Fahrten darzustellen oder in Beziehung zu setzen. Entweder Sie verändern die Kameraperspektive so, dass alle wichtigen Elemente mit aufs Bild passen (Bild 2), oder Sie lösen die Szene mit mehreren „Nahen Einstellungen“ auf. Bei der ersten Variante erhalten Sie ein hohe Plastizität und Dreidimensionalität, da alle bildwichtigen Elemente in einer Einstellung zu sehen sind und sich in unterschiedlichen Bildebenen befinden (Vordergrund/Hintergrund). Dabei können Sie besonders gut mit Licht und Bildsschärfe gestalten. Planung und Aufnahme gestalten sich aber meist aufwendiger als bei Detailaufnahmen, bei denen der räumliche Zusammenhang erst durch die Montage entsteht.

Schuss und Gegenschuss

Das Schuss/Gegenschuss Prinzip ist elementar für zahlreiche Aufnahmesituationen. Es erleichtert den Ein- oder Ausstieg, beugt Problemen im Schnittrhythmus vor und hilft häufig die räumliche Situation zu verdeutlichen. Das Wort „Schuss“ steht für die Aufnahme einer Einstellung und wird im Drehalltag gerne als abkürzende Form verwendet. Wenn Sie eine Szene aus einer Perspektive aufnehmen, filmen Sie dieselbe Szene noch einmal von einer fast gegenüberliegenden Position. (Beachten Sie aber die 180° Regel, den Achsensprung und überqueren Sie nicht die Linie.) Der „Gegenschuss“ sollte in Abbildungsgröße und Perspektive einen ähnlichen oder denselben Bildausschnitt darstellen und zur gedachten Kameraachse denselben Winkel besitzen (siehe Bild 3).

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  • Bild 1: Ein Anschwenk: Zunächst sieht man nur das Logo des „Jekyll und Hyde“ Musicals (1). Mit dem Schwenk nach unten (2) wird offenbart das es sich um einen Ballon handelt (3).

  • Bild 2: Perspektivisch passt der Truck komplett aufs Bild

  • Bild 3: Das Prinzip von Schuss und Gegenschuss: Bild1 zeigt das herannahende Polizeiauto, aufgenommen aus Position 1, das in Bild 2 rechts wieder aus dem Bild verschwindet. Anstatt mit dem Wagen mitzuschwenken, wird beim Gegenschuss die Kamera in Position 2 ausgerichtet. Dort fährt das Polizeiauto links wieder in den Bildausschnitt (Bild 3) hinein.

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