Schnitt

Kreative Schnitttechniken

Ist der Unterschied zwischen den beiden Szenen nicht so einfach zu erfassen wie in Stanley Kubricks Meisterwerk, muss sich an den Match Cut mindestens eine längere, erklärende Einstellung anschließen, damit der Zuschauer der Handlung weiterhin folgen kann. Manchmal soll das Publikum auch absichtlich in die Irre geführt werden — um zusätzlich Spannung  oder ein Aha-Erlebnis zu erzeugen. 

Ein gutes Beispiel hierfür findet sich im Film „Das Schweigen der Lämmer“. Hier treten zwei verschiedene Handlungsstränge scheinbar als ein einziger auf. Zu sehen ist ein Spezialeinsatzkommando, das offenbar das Haus des Serienkillers umzingelt. Einer der Beamten klingelt an der Haustür. Schnitt auf das Innere der Behausung des Bösewichts, das dem Zuschauer schon durch frühere Szenen bekannt ist. 

Die Türglocke ist groß im Bild zu sehen. Es klingelt. Der Darsteller bewegt sich Richtung Tür. Nochmals die Türglocke. Der Bösewicht öffnet die Tür. Davor steht die Hauptfigur des Films, Clarice Starling, gespielt von Jodie Foster, allein und ohne Einsatzkommando. Erst jetzt wird klar, dass das Spezialteam vor dem falschen Haus in Stellung gegangen ist. Die junge Beamtin Starling stolpert eher zufällig in das Haus und ahnt noch nicht, dass sie dem wahren Killer gegenübersteht. Der Match Cut erfolgte, lange vorher, beim Umschnitt vom Einsatzkommando zur Großaufnahme der Türklingel. 

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Es gibt aber noch andere Varianten des Match Cut. Es kann beispielsweise der Ort der gleiche bleiben — nur die Darsteller wechseln beim Schnitt. So auch im Vorspann zur Krankenhaus-Comedyserie „Scrubs“. Die Kamera verfolgt in einer Halbtotale den Weg eines Röntgenbildes, das von Hand zu Hand weitergereicht wird. Durch zahlreiche Schnitte wechseln dabei die Darsteller so, dass nach und nach das gesamte Team zu sehen ist. 

Etwas in dieser Art zu produzieren ist für den Amateur fast unmöglich. Hierfür muss die Kamera an einem computergesteuerten Kran befestigt sein, der in der Lage ist die Kamerabewegung mehrfach exakt gleich zu reproduzieren. Verzichtet man auf die ganze Technik, ist es auch für Amateurfilmer möglich einen Match Cut ähnlicher Machart nachzuvollziehen. Denkbar wäre die Aufnahme eines Joggers vor neutralem Hintergrund. Die Kamera ist in ausreichendem Abstand vom Motiv platziert und schwenkt einfach mit. Wichtig ist die Position des Motivs im Bildausschnitt — diese muss für die späteren Aufnahmen auf dem Display markiert werden. 

Dafür eignet sich am besten ein wasserlöslicher Folienstift. Will man die Personen nun auswechseln, so nimmt man einfach jeden weiteren Darsteller beim Joggen auf. Bewegungsablauf und Geschwindigkeit müssen dafür exakt gleich sein. Die Markierung auf dem Display hilft dabei die Position zu halten. Beim Schnitt muss nur noch auf die richtige Beinstellung geachtet werden — fertig ist der selbst gemachte Match Cut.

Wir können Sie an dieser Stelle nur ermutigen zu allen genannten Beispielen selber zu experimentieren. Sie werden sehen, dass die Ergebnisse Sie für den Extra-Aufwand entschädigen werden. 



  • In der Bewegung der Kamera lässt sich ein Schnitt bestens kaschieren.

  • Frontale Bewegungen: Der Schnitt erfolgt jeweils bei der Nahaufnahme.

  • „2001: Odyyssee im Weltraum“: Mit einem Schnitt...

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