Postproduktion, 3D/Stereoskopie

Stereoskopische Ausgabe mit 3D-Software ohne Zusatz-Plug-Ins

Parallele Kameras

Die einfachste Lösung um diesem unerwünschten Effekt entgegenzuwirken ist die parallele Anordnung der Kameras zueinander, stürzenden Linien werden so erfolgreich verhindert. Allerdings muss man hier in der Nachbearbeitung die Bilder zueinander verschieben um die Lage der späteren Bildschirmebene zu bestimmen. Dabei werden zu beiden Seiten die äußeren Bildteile unbrauchbar — das resultierende Bild wird also schmaler, als ursprünglich eingestellt. Man kann nun komplexe Berechnungen anstellen um die korrekten Werte für Gesichtsfeld und die erweiterte Bildgröße in der Waagerechten zu ermitteln. Für den Anfang ist es jedoch einfacher, die horizontale Bildauflösung großzügig auszudehnen und den Film in der Nachbearbeitung zu beschneiden, um auf die gewünschte Ausgabegröße zu kommen.

Hier heißt der benötigte Parameter „Film Offset“, zu deutsch Filmversatz. Dieser Wert bewirkt, dass der virtuelle Film hinter dem Kameraobjektiv parallel verschoben wird und somit die Projektionsebene entgegengesetzt auf der anderen Seite. Soll diese Verschiebung horizontal erfolgen, müssen die Einstellungen im Feld „Film Offset X“ vorgenommen werden. In unserem Beispiel haben wir für die rechte Kamera den Wert „-5%“ und für ihr linkes Gegenstück den Wert „5%“ verwendet. Beide Kameras bleiben parallel zueinander, „schielen“ aber trotzdem nach innen. Nun muss man nur noch den Abstand zueinander so anpassen, dass sich die Mittelachsen in der gewünschten Projektionsebene schneiden.

Auch in der kostenlosen 3D-Software „Blender“ gibt es eine entsprechende Funktion. Hier befinden sich — ebenfalls in den Einstellungen für das Objekt „Camera“ — die Eingabefelder „Shift“. Für die waagerechte Verschiebung ist auch hier der Wert bei „X“ zuständig.

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Ausgabe und Weiterverarbeitung

Es empfiehlt sich immer, beide Kameraansichten in voller Auflösung und in Farbe zu berechnen. Später lassen sich die beiden Sequenzen für links und rechts in die unterschiedlichsten 3D-Formate konvertieren ohne diese neu berechnen zu müssen. Formate gibt es viele. Neben dem Farbanaglyph-Verfahren, das auch für die Bilder in diesem Artikel zur Anwendung kam, existieren auch Ausgabeformate die in Verbindung mit einer Shutter-Brille farbiges 3D-Sehen ermöglichen. 



  • Links: Falsches Setup - Was für längere Brennweiten noch funktioniert, versagt im Weitwinkelbereich. Die beiden Bildebenen sollten eigentlich identisch sein. Rechts: Das Resultat - Ursprünglich waagerechte Linien weisen unterschiedliche Winkel auf, der 3D-Eindruck ist gestört oder geht ganz verloren.

  • Links: Parallele Ausrichtung - Nutzbar ist nur der hier rot markierte Bereich. Zudem muss noch der Konvergenzversatz in der Nachbearbeitung optimiert werden.

    Rechts oben: Direkt übereinander gelegt erscheint das Bild so. Die 3D-Wirkung ist mit viel Mühe erkennbar. Der Bildinhalt schwebt scheinbar vor der Projektionsebene.

    Rechts unten: Hier wurde der Konvergenzversatz optimiert. Die Augen der kleinen Statue sind genau auf der Projektionsebene. Die farbigen Bereiche links und rechts enthalten keine räumliche Information und müssen abgeschnitten werden.

  • Perfektes Ergebnis: Nun sind auch die waagerechten Linien deckungsgleich. Das Auge wird trotz Weitwinkel nicht irritiert.

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