Drehbuch, Kamera/Bildgestaltung, Postproduktion, Regie

Wie ein Film entsteht

Exposé 

Das Exposé umfasst in kurzen Sätzen den Inhalt des Films. Durch die vorhergehende Recherche kann man die Filmidee nun ausschmücken. Erzählen Sie die Geschichte von Anfang bis Ende und arbeiten Sie die Charaktere der Hauptakteure klar heraus, z.B. „Frau D., eine alte Frau mit verhärmtem Gesicht, etwa um die 60 Jahre alt, steht hinter dem Vorhang und beobachtet täglich stundenlang die Nachbarschaft. Eines Morgen sieht sie Herrn M., wie immer korrekt gekleidet, in Anzug und Krawatte, mit gescheiteltem Haar aus der Haustüre gehen....“ 
Hier entstehen bereits Vorstellungen, wie die beiden Charaktere aussehen. Durch das Exposé entsteht der „erste Film“ im Kopf des Lesers. Ein gutes Exposé hat so manchen Produzenten oder Fernsehanstalt überzeugt. Im Spielfilmbereich ist übrigens der Produzent eine der wichtigsten Personen, damit ein Film überhaupt durchgeführt und finanziert werden kann. 

Treatment (engl. Abhandlung)

Das Treatment ist um einiges detaillierter als das Exposé. Hier wird der Film bereits in Episoden oder Szenen aufgeteilt, teilweise sind bereits kurze Dialoge integriert und die Handlungsweise der Hauptakteure wird durchleuchtet. Eine Aufteilung in Bild- und Tonspalte ist empfehlenswert.
Das Treatment ist Planungsgrundlage, z.B. für die Besetzung der Hauptrollen, Auswahl der Drehorte und Schauplätze. Die Dramaturgie des Filmablaufs sollte aus dem Treatment klar erkennbar sein. Hier zeigt sich bereits, ob sich der Stoff für einen Film eignet und wo Schwächen in der Dramaturgie liegen. 

Ein Kunstwerk - Dramaturgie im Film 

 An dieser Stelle möchte ich kurz mit Ihnen auf die Dramaturgie eines Films eingehen. Ihre Aufgabe als Filmemacher ist es, die Zuschauer möglichst durchgehend in den Bann des Filmes zu ziehen, sie zu fesseln und auf keinen Fall zu langweilen. Wie schaffen Sie das? 

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In dem Sie die Emotionen der Zuschauer ansprechen. Dazu müssen Sie Spannungsfelder aufbauen. Spannung entsteht immer dann, wenn unterschiedliche Charaktere oder Situationen aufeinander treffen. 

Um Spannung zu erzeugen können Sie zu folgenden dramaturgischen Hilfsmitteln greifen: 

  • Kontraste und Paradoxien aufbauen: z.B. starker Mann hat Angst vor Spinnen, kleines Kind rettet großes Tier usw.
  • Den Zuschauern einen Wissensvorsprung verschaffen: Wenn der Zuschauer mehr weiß, als der Hauptakteur, dann möchte der Zuschauer den Hauptakteur warnen. Welche Emotionen da hervorgerufen werden, haben Sie sicher schon live erlebt, wenn Sie z.B. Kinder im Kasperletheater beobachten.
  • Eine überraschende Wende einbauen: Überraschungen sind gut für das menschliche Gehirn, das sofort mit der Ausschüttung von Glückshormonen reagiert. 
  • Machen Sie neugierig. Neugierde kann nicht nur durch interessante Inhalte, sondern auch durch eine abwechslungsreiche Bildsprache oder spannende Kameraführung erzeugt werden.
  • Emotionen einbauen: Zeigen Ihre Akteure Emotionen, z.B. weinen oder lachen, so werden diese auf die Zuschauer übertragen. Aber Achtung, gerade bei Laiendarsteller kann man beim Zuschauer auch oft das Gegenteil erreichen. Wer hat es nicht schon erlebt, dass das jemand weint und die Zuschauer zu lachen anfangen. Noch schlimmer, der Schauspieler im Film schüttet sich aus vor Lachen und die Zuschauer schütteln nur den Kopf und können beim besten Willen nicht mitlachen. Manchmal wird dieser Effekt natürlich auch ganz gezielt eingesetzt, denken Sie nur an die Sketche von „Dick und Doof“mit Oliver Hardy und Stan Laurel.
  • Gegensätzliche Situationen schaffen: Erfolg / Niederlage, Liebe / Hass, Freude / Trauer, Freunde / Feinde, Gut / Böse, Schön / Hässlich  - liegen nah beieinander.
  • Ein dramaturgisch geschickt aufgebauter Film enthält den großen Spannungsbogen, der die ganze Handlung zusammenhält. Innerhalb dieses Bogens gibt es mehrere kleine dramaturgische Abschnitte. Diese sog. Teilbogen sollten nicht episodenhaft aneinander gereiht, sondern klug miteinander verschachtelt werden. Durch dieses Verschachteln und das damit verbundene Auf und Ab der Handlung schlägt man den Zuschauer in den Bann des Films. Nachdem der Handlungsverlauf bereits sehr differenziert im Treatment abgebildet wurde, steht uns, im nächsten Teil, die schöne Aufgabe des Drehbuchschreibens bevor. 



  • Neugierde kann nicht nur durch interessante Inhalte, sondern auch durch eine abwechslungsreiche Bildsprache oder spannende Kameraführung erzeugt werden. Hier im Bild Kameramann Benedikt Fuhrmann für den Kinofilm „Pension Freiheit“

  • Drehbuchseite und Szenen aus „Pension Freiheit“

  • Szene 33

  • Szene 34

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