Kamera/Bildgestaltung

Wie im Flug - Zeitrafferaufnahmen leicht gemacht

Faszinierende Zeitrafferaufnahmen kennen wir aus dem Fernsehen oder Kino. In Wissenschaftssendungen werden lange dauernde Vorgänge mit Hilfe von Zeitrafferaufnahmen anschaulich gezeigt. Aber auch beim Film wird der Zeitraffer eingesetzt. Exzessiv eingesetzt wurde diese Technik von Godfrey Reggio im Film „Koyaanisqatsi“, der 1983 in die Kinos kam. Hier wird unter anderem der hektische Alltag der westlichen Zivilisation in Szene gesetzt. Mit Hilfe von Zeitrafferaufnahmen von Straßen und Stadtszenen wurde der hektische Eindruck stark übersteigert und dadurch ausgesprochen effektiv dargestellt.

Die ersten Zeitrafferaufnahmen entstanden schon wesentlich früher. So verwendete der französische Filmpionier Georges Méliès diese Technik bereits 1897 in seinem Kurzfilm „Carrefour De L’Opera“. Auch sind Zeitrafferaufnahmen ein nicht mehr wegzudenkender Bestandteil des Slapstick-Genres. Hauptdarsteller, die hektisch durch die Gegend laufen und hüpfen wirken automatisch lustig bis albern. Beim englischen Komiker Benny Hill wurde diese Variante oft eingesetzt. Gerne bemühtes Klischee sind hier Verfolgungsjagden mit der Polizei. Die Kamera steht still und die Akteure laufen, aus unterschiedlichen Richtungen kommend, durchs Bild.

Technisch funktionieren Zeitrafferaufnahmen genau umgekehrt wie die Zeitlupe (siehe letztes Camgaroo Magazin 03/07). Die Einzelbilder (Frames) werden in größeren Abständen aufgenommen, als sie abgespielt werden. Beim Kinofilm werden 24 Einzelbilder in der Sekunde verwendet - beim Videobild sind es 25 Voll- oder 50 Halbbilder. Will man einen belebten Platz darstellen und macht man jede Minute eine Aufnahme, so hat man nach 25 Minuten genau eine Sekunde Zeitrafferfi

Zeitrafferaufnahmen – selbst gemacht

Wie ist es nun dem Normalsterblichen möglich selbst Zeitrafferaufnahmen anzufertigen? Im Gegensatz zu den im letzten Heft erwähnten Zeitlupenaufnahmen, die mit Hilfe unerschwinglicher Spezialkameras entstehen, benötigt man für einen Zeitraffer noch nicht einmal eine Videokamera. Ein Fotoapparat ist vollkommend ausreichend — vorzugsweise eine Digitalkamera. Schließlich benötigt man für unser oben genanntes Beispiel nur eine Aufnahme pro Minute. Ein Stativ mit Fernauslöser ist Pflicht. Hat man keinen Fernauslöser zur Hand kann man sich auch mit dem Selbstauslöser der Kamera behelfen. Der zeitliche Vorlauf, den dieser benötigt, muss beim Auslösen berücksichtigt werden. Auf jeden Fall sollten sämtliche Einstellungen manuell vorgenommen werden. Andernfalls läuft man Gefahr, dass sich die Bilder stark voneinander unterscheiden, die Bildhelligkeit zu stark schwankt oder der Autofokus mittendrin nicht korrekt scharf stellt. Wichtig ist auch die Bildgröße und -qualität. Das Raw-Format, ist in diesem Fall weniger geeignet — schließlich muss eine Vielzahl von Bildern auf der Speicherkarte Platz finden. Besser man verwendet hier JPEG. Auch ist bei einer späteren Verwendung als Video nicht die volle Fotoauflösung notwendig. Als Faustregel gilt hier: Entweder Sie verwenden die exakte Auflösung des Videoprojektes oder — wenn diese von der Kamera nicht angeboten wird — die jeweils nächst größere.

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Nun ist Durchhaltevermögen gefragt. Für eine Sekunde Zeitraffer muss 25 Minuten lang jede Minute ein Bild gemacht werden. Dass man da schnell die Lust verliert dürfte klar sein. Es existieren verschiedene Möglichkeiten den Prozess zu automatisieren. So gibt es von den Herstellern digitaler Spiegelreflexkameras Fernauslöser die es ermöglichen ganze Bildreihen in festgelegten Zeitintervallen aufzunehmen — beispielsweise der TC-80N3, der an aktuelle EOS-Modelle angeschlossen werden kann.

Mit Geräten wie diesem kann das Zeitintervall ganz einfach programmiert werden, die Aufnahmen werden automatisch vorgenommen.

Manche Hersteller legen ihren Kameras Software zum Fernsteuern bei - auch hier ist teilweise eine Funktion für Intervallaufnahmen vorgesehen. Darüber hinaus gibt es Software von Drittanbietern, teilweise frei erhältlich, teilweise als Shareware. Unter www.camgaroo.com haben wir Ihnen eine Liste mit Links zu diesem Thema zusammengestellt.



  • Anzahl der Aufnahmen, Intervalle oder Langzeitbelichtungen können hier frei programmiert werden.

  • Ordner importieren: So lassen sich ganze Verzeichnisse mit Bildsequenzen übernehmen.

  • DV-Dateigrößen

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