Kamera, Test

Mit der Canon AX10 auf einem Flugzeugträger

 Donnerstag, 04. Oktober 2012: Erfahrungsbericht: Die Bewährungsprobe!

Persischer Golf, im Winter 2011/2012: Auf der Navy-Airbase in Manama, Bahrain, steht eine Grumman E-2C – das Transportflugzeug, das uns zum Flugzeugträger USS C Stennis bringen soll, der sich irgendwo in der Straße von Hormuz befindet. Das Flugzeug, liebevoll „Greyhound“ genannt, wurde 1965 konstruiert und letztmalig 1990 überarbeitet. Da die Landung an Deck auch „controlled crash“ genannt wird (Tempo 320 auf 0 in 1,4 Sekunden) ist das Alter der Maschine nicht gerade vertrauenserweckend.

Im Flugzeug stehen nur vier Sitzplätze für Passagiere zur Verfügung, den Rest des Platzes braucht man für die Fracht. Unsere Fernsehkamera (Sony 700 XD CAM HD), unsere zweite Kamera (Sony Z1 HDV) und sämtliches Gepäck (Stative, Akkus, Ladegeräte etc) ist im Laderaum verzurrt. Schließlich erwartet uns eine Landung mit Fangseil an Deck des Flugzeugträgers.

Klein und universell einsetzbar – die Canon XA10

Ich bin froh, dass ich mir die Canon XA10 in meine Jacke gesteckt habe. Während des dreistündigen Fluges können wir diesem Camcorder im Cockpit einige wichtige Bilder drehen. Für die Landung montieren wir, ebenfalls aus den Tiefen meiner Taschen hervorgezaubert, eine GOPRO Hero mit einem Magicarm im Cockpit.

Die Landung – wir sitzen rückwärts zur Flugrichtung – ist hart und knackig. Gleich danach beginnen unsere dreitägigen Dreharbeiten für die ProSieben Reportagereihe „24 Stunden“. Redakteurin Regina Haumann und Kameramann Christian Bormann drehen mit der Sony 700 XDCAM HD. Ich arbeite als Kamerareporter mit der Sony Z1.

Radarstrahlung stört das Recording der Sony Z1

Auf der „vultures row“ - etwa mit „Geiernest“ am besten zu übersetzen - einem schmalen Gang vor der Kommandobrücke mit hervorragendem Überblick auf das Flugdeck, der erste Schock: Die Radarstrahlung stört das Recording bei der Z1, das Band hebt förmlich vom Aufnahmekopf ab. Ich setze hoffnungsvoll die Canon XA10 ein. Alles funktioniert störungsfrei – die Aufzeichnung auf dem internen Speicher sowie auf der externen SD-Card ist kein Problem. Relativ schnell wird es dunkel. Wir wollen den Nachtstart festhalten. Der Flugzeugträger ist in gespenstisches fahles Licht getaucht. Kameralicht oder Scheinwerfer sind verboten. Ich befinde mich im Bubble, einer winzigen, verglasten „Blase“ im Flugdeck. Hier sitzt der „Shooter“. Er gibt die Kommandos für den Katapultstart, wenn die Kampfjets mit einem dampfgetriebenen Katapult von 0 auf Tempo 200 km/h in 2 Sekunden beschleunigt und in den Himmel geschossen werden. Weder unsere XDCAM HD noch unsere Z1 können noch drehen – es ist viel zu dunkel. 

Der Nachtdreh – nur die Canon ist noch in Lage brauchbares Material aufzunehmen

Das bedeutet wieder Einsatz für die Canon XA10 mit erstaunlich guter Lowlight Funktion. Durch den Griffaufsatz mit 2 XLR-Eingängen kann ich sogar ein Sennheiser Richtmikro und eine Sennheiser Funkstrecke einstecken und habe professionellen Ton – der Shooter erklärt seinen Job und die Gefahren. Das Deck eines Flugzeugträgers ist – gemäß dem Versicherer Lloyds of London – der gefährlichste Arbeitsplatz der Welt.



  • Reporter Jens Niehuss mit „Cranial“ und Schwimmweste

  • Blick aus dem Bubble bei Tag

  • Blick aus dem Bubble bei Nacht

  • Aufnahme der Landesignaloffiziere mit der Infrarot-Funktion