Interview

Filmproduzent Max Wiedemann im Interview

 Mittwoch, 19. Juni 2019: 

WAR ES SCHWIERIG IN DER MÜNCHNER FILMHOCHSCHULE AUFGENOMMEN ZU WERDEN, BEI DEN VIELEN BEWERBUNGEN?

Die Massenbewerbungen laufen im Regiebereich. Im Produktionsbereich gibt es nicht so viele Bewerbungen. Sobald man die Bewerbungsaufgaben gelesen hat, sondierte sich das sowieso schnell.

ZU BEGINN EURER KARRIERE HABT IHR DURCHSCHNITTLICH 3- 4 KURZFILME PRO JAHR GEDREHT.

Ja, das war neben dem Studium und das war ganz schön anstrengend. Es gab keine Freizeit, kein Wochenende, man war mit Herz und Verstand ganz bei der Sache. Vor allem lernte man auch mit wenig Budget Überzeugungsarbeit zu leisten und Partner für seine Sache zu begeistern.

IM LETZTEN STUDIENJAHR HABT IHR DANN BEREITS EURE ERSTE FERNSEHPRODUKTION GESTEMMT. WIE KAMT IHR DAZU?

Wir hatten zuvor eine romantische Kurzfilmkomödie erfolgreich mit dem jungen Regisseur Stefan Holtz gedreht. Pro7Sat1 wurde auf den jungen Regisseur aufmerksam und sie haben bei ihm angefragt, ob er einen Langfilm, eine Komödie, drehen möchte. Aus der gemeinsamen Historie heraus hatten wir die Chance unser erstes TV-Projekt zu produzieren. Die Produktion ist super gelaufen, der Sender war sehr zufrieden und es ging gleich mit dem nächsten Projekt weiter.

EUER ERSTES KINOPROJEKT „DAS LEBEN DER ANDEREN“ WAR EIN VOLLER ERFOLG. WAR DAS EINE GROSSE HERAUSFORDERUNG?

Die Zusammenarbeit bei diesem Film entstand aus der gegenseitigen Wertschätzung und Freundschaft zu Florian Henckel von Donnersmarck, mit dem wir zuvor bereits einen Kurzfilm realisiert hatten. Wir sind damals ein hohes Risiko eingegangen. Wir hatten für Debutfilme immerhin eine recht ordentliche Finanzierung von ca. 1,6 Mio. Euro auf die Beine gestellt. Aber kein Kinoverleih wollte im Vorfeld in den Film investieren, so haben wir die Rechte bei uns behalten und sind mit einer Privatbürgschaft ins Risiko gegangen den Film mit den vorhandenen Mitteln fertigzustellen, in der Hoffnung zu einem späteren Zeitpunkt einen Verleih zu finden, der unsere Finanzierung schließen kann. Während der Produktion wurde der Film immer teurer. Wir wollten unbedingt höchste Qualität produzieren, es gab viele Einzelentscheidungen, bei denen wir drauf legen mussten, damit der Film sein volles Potential entfalten kann.

Die Finanzierungslücke wurde immer größer und am Ende standen wir mit mehr als ¼ Million in der Unterfinanzierung, für die wir letztlich privat bürgen mussten – Genau vor solchen Situationen hatte man uns im Studium gewarnt. Als der Film dann fertig geschnitten war, stellten wir ihn den Verleihern vor. Es kamen wegen der großen Finanzierungslücke überhaupt nur wenige in Frage. Und dann erhielten wir – zu unserer großen Überraschung – eine Absage nach der anderen. Die gängige Meinung war: Ein toller Film, aber mehr als 50.000 Zuschauer bringt er nicht, zu speziell. Ich hatte wirklich schlaflose Nächte und die Gedanken kreisten darum, wie ich die nächsten 10 - 15 Jahre die Schulden abbezahle, wenn der Film floppt. Aber der Glaube, dass der Film ein Erfolg wird, war so groß, dass wir das Risiko trotzdem eingegangen sind.



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  • Erfolgreiche Produktionen: "Werk ohne Autor“ wurde für die deutsche Auswahl für die Oscarnominierung ins Rennen geschickt

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  • Setbesuch bei „Werk ohne Autor“ mit Regisseur Florian Henckel von Donnersmarck (zweiter von rechts)

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