Test, Kamera

Unterwegs mit der Blackmagic Pocket Cinema Camera: Erfahrungsbericht als Naturfilmerin in Indien

 Mittwoch, 11. Juni 2014: Die Hersteller der Black Magic Pocket Kamera werben auf der Internetseite, dass die kleine Kamera besonders für Outdoor-Dokumentarfilme geeignet ist. Meine Tigersafari in Indien diesen Januar bot mir eine gute Gelegenheit, die Black Magic Pocket Kamera unter extremen Feldbedingungen zu testen (von Anneliese Possberg).

Die 24 Safaritouren fanden im offenen Jeep statt. Das heißt viel Staub und sehr enger Raum. Die Nationalparks haben strikt geregelte Öffnungszeiten, so dass ich alles unter starkem Zeitdruck filmen musste. Die Guides sind nicht geschult, um auf die Wünsche der Touristen einzugehen: Sie bleiben bei einem Tier nur kurz stehen, bevor das nächste Auto von hinten drängelt. So hatte ich oft eher die „Run and gun“ Situationen eines Videojournalisten.

Außerdem liegen viele Parks weitab der Zivilisation, so dass man nicht eben schnell Ersatzteile bestellen kann. Die einzige Möglichkeit, die Akkus aufzuladen war am Abend im Hotel (falls kein Stromausfall war, was in Indien regelmäßig vorkommt). Das Licht war eher mittelmäßig, mit viel Nebel oder Dunst. In der Winterzeit sind die Naturfarben eher braun, da im Trockenwald die Blätter abfallen und das Gras vertrocknet ist. Da kann die BMP beweisen, wie gut das aufgenommene Material sich in der Postproduktion bearbeiten lässt, um kontrastreiche, gesättigte Naturfarben zu bekommen.

  • Ein großer Pluspunkt der BMP ist die Größe. Sie sieht wie eine „Point-and-shoot“ Amateurkamera aus und fällt nicht auf, trotz einigen Aufbauten. Das ist besonders in Indien wichtig, wo man für professionell aussehende Kameras (egal ob man sein Geld damit verdient oder nicht) viel Geld zusätzlich zu den Eintritten hinlegen muss. Fürs Filmen (auch als Amateur) muss man in den Nationalparks 300 Euro am Tag bezahlen. Aber weil die BMP für die Beamten unbekannt ist und eher wie eine Fotokamera aussieht (ich habe das externe Mikrophon in den Nationalparks abgeschraubt), konnte ich die Rangers am Eingang überzeugen, dass ich Fotos mit einer Amateurkamera mache. 

Weil die Kamera so leicht und klein ist, reicht in den meisten Fällen ein leichtes Reisestativ mit einem kleinen Fluidkopf von Gitzo. Das Stativ konnte ich problemlos hinten im Jeep aufbauen und recht ruhige Aufnahmen machen. Für lange Brennweiten, wie etwa 900 mm, werde ich in Zukunft trotzdem den Sachtler Fluidkopf FSB 6 mit einem stabileren Karbonstativ einsetzen, vor allem wenn ich Tieren mit einem langen Tele nachziehen will.


  • Die Kombination von einem Super 16mm Sensor und einem MFT Anschluss ermöglicht leichte, hochwertige Objektive sogar im starken Telebereich – also ideal fürs Tierfilmen. Sogar kleine Vögel konnte ich so nah heranziehen, dass der Betrachter sie gut beobachten kann. Mit offener Blende, externem ND-Filter (falls nötig) und langen Brennweiten konnte ich Tiere von dem unruhigen Hintergrund, wie Wald und braunem Blätterwerk, schön freistellen. So erhalten sogar „Indie“ Dokumentarfilme eine filmische Ästhetik, die bisher nur Großproduktionen vorenthalten war.
  • Der Fluch des großen Sensors und der langen Brennweiten bei offener Brennweite: das Fokussieren wird zur schweißtreibenden Angelegenheit. 
  • Oft hätte ich mir intern verbaute ND-Filter gewünscht, wie bei einigen kompakten Filmkameras, aber ich verstehe, dass das der Preis für die kompakten Maße der Kamera ist. 
  • Bereits zu Hause war mir schon klar, dass die BMP „Out oft he box“ im Feld nicht einsatzfähig ist. Das interne Mikrophon ist unbrauchbar und im grellen Sonnenlicht kann man am Display der Kamera nichts erkennen. Ein externes Mikrophon von Sennheiser, das MKE 400 mit Klinkenstecker und die passende tote Katze sowie einen externen EVF mit Lupe von Zacuto (Z-Finder EVF Pro) mit HDMI Kabel (mit Mikro HDMi Anschlusskabel) kamen noch dazu. Ein Aluminium Käfig von View Factor soll die kleine Kamera vor harten Stößen im Jeep schützen. Außerdem bieten die vielen Öffnungen im Käfig die Möglichkeit, das Zubehör fest an die Kamera anzubringen.
  • Reisedokus oder sogar Wildtiere zu filmen bedeutet, dass der Filmer schnell auf die Situation reagieren muss, ohne lange die Einstellungen zu suchen. Einerseits bietet die BMP einen großen Vorteil durch ihre Einfachheit: man kann nicht viel einstellen, so dass sie eigentlich das macht, was eine Filmkamera machen muss: sie filmt. Der Filmemacher konzentriert sich auf das richtige Framen und das Scharfstellen des Motivs und passt auf, dass die Szene richtig belichtet ist. Den Rest kann er in Ruhe in der Postproduktion zu Hause machen, vorausgesetzt man nimmt im Film-Dynamik-Modus auf. Der ProRes 422 HQ Codec bietet sehr viel Flexibilität und Bearbeitungsmöglichkeiten in der Postproduktion. Allerdings muss man das Material im Nachhinein bearbeiten. Das Aufgenommene ist sehr kontrastarm und entsättigt und benötigt zumindest eine primäre Korrektur.