Aktuelle Produktion, Interview

Filmemacher Peter Burghardt – Ein faszinierender Einblick in eine andere Welt

 Mittwoch, 23. Januar 2013: Peter Burghardt gewann mit seinem Film „Die gelbe Hölle des Kawah Ijen“ den ersten Preis in der Kategorie „Dokumentar Kurzfilm“ beim Camgaroo Award 2012. Inhalt: Dokumentation über die gefährliche Arbeit der Schwefelträger im Vulkab Kawah Ijen in Ostjava. Die Arbeiter tragen mehrmals täglich die abgebrochenen, kalten gelben Schwefelstücke vom Kraterrand hinunter zum Tal. Und dies alles mit unzureichender Ausrüstung.
[Text- und Bildmaterial: Gabriele Lechner und Peter Burghardt, © Camgaroo/LechnerMedia]

Camgaroo: Bitte stellen Sie sich und Ihr Team kurz vor.

Peter Burghardt: Den Film habe ich, Peter Burghardt, 74 Jahre, mit einem sechsköpfigen Filmteam gedreht.

Camgaroo: Wo wurde die Dokumentation gedreht? Welche Gefahren lauern um den Vulkan?

Peter Burghardt: Im Osten der Insel Java liegt der Kawah Ijen, ein tückischer, noch aktiver Vulkan, an dessen Ostufer sich eines der bedeutendsten Schwefelvorkommen der Welt  befindet. In seiner unmittelbaren Umgebung leben in der Mehrzahl Bergbauern,die Kaffee und Gemüse anbauen. Über 220 Bewohner verdingen sich als Schwefelarbeiter in diesem Vulkankrater.                                                                                                                                    Ein steiler, unwegsamer Pfad führt vom Kraterrand zur Abbaustelle am Ufer eines säurehaltigen Sees, der durch giftige, aus seiner Tiefe aufsteigende Gase für alle am Kratergrund Arbeitenden zur tödlichen Falle werden kann. Im Jahr 1976 erstickte ein gigantischer Gasausbruch 49 Schwefelschürfer.                                                       

Camgaroo: Erzählen Sie uns von den Filmarbeiten. Gab es Probleme beim Dreh?

Obwohl wir uns der latenten Gefahr, die auch weiterhin von diesem unberechenbaren Vulkan ausging, bewusst waren, wollte unsere sechsköpfige Filmgruppe den Kawah Ijen unbedingt „bezwingen“. Und so setzten sich  unsere Geländewagen am frühen Morgen über eine holperige Wegstrecke bis zum Camp der Schwefelarbeiter in 1800 Meter Höhe in Bewegung. Von hier aus machten wir uns dann , mit Kamera und Stativ bestückt, auf den beschwerlichen Weg bis zum Kratereinstieg auf 2400 Meter. Schon während des Aufstieges begegneten uns die ersten, schwefelbepackten Träger mit dem für sie typischen kleinschrittigen Gang.                                                       Endlich am Kratergrund angekommen, sahen wir durch heftige Dampfschwaden die Schwefelschürfer. Mit Eisenstangen attackierten sie das gelbe Gold und brache Brocken unterschiedlicher Größe aus dem mächtigen Schwefelstock, immer wieder auf der Flucht vor den stechend- heißen Dämpfen, die ihre Lungen langsam aber  stetig zerstören. Am Risiko der Arbeiter will sich allerdings staatlicherseits niemand beteiligen. Wo Schutzmasken angebracht wären, ist ein feuchtes Tuch vor Mund und Nase die einzige Alternative.
Auch wir bekamen während des Filmens am Kratergrund die aggressiven Nebel zu spüren und atmeten befreit durch, als ein kräftiger Windstoß das ätzende Gas weg blies. Meine Kamera, eine robuste Canon XM2, ummantelt mit einer Plastiktüte, reagierte auf das aggressive Gasgemisch mit passagerer Bildstörung. Da blieb nur die Flucht aus dem „Inferno“.
Den steilen Aufstieg aus dem Krater meisterten die Schwefelträger mit Bravour. Insgesamt hatten sie eine 5 km lange Strecke mit durchschnittlich 70 kg Schwefelbrocken auf den Schultern, mehrmals täglich zu bewältigen.
Auch für uns Filmer war der Aufstieg über ausgetretene Stufen und Steilhänge nicht ungefährlich. Die Kraterwände strahlten eine unerträgliche Hitze ab und ließen Müdigkeit und Abgeschlagenheit verstärkt aufkommen. Aber trotz allem machten wir unsere Aufnahmen.
Am Kraterrand, dem höchsten Punkt des Schwefelpfades, erschöpft, aber zufrieden mit der Filmausbeute, angekommen, warfen wir noch einen letzten Blick in diesen gigantischen Hexenkessel mit seinem verwunschenem, türkisfarbenem See und dem gelben Krustenfleck. Frühmorgens, beim Einstieg , hatten wir die gefährliche Schönheit gar nicht so wahrgenommen, zu groß war die Erwartung, in diesen faszinierenden Krater einzutauchen. Jetzt ging es bereits auf die Mittagszeit zu, und wir hatten noch einen langen Abstieg vor uns.

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