Interview

Filmproduzent Max Wiedemann im Interview

 Dienstag, 04. September 2018: Seine erste Kinofilmproduktion „Das Leben der Anderen“ erhielt 2007 den Oscar für den „Besten Fremdsprachigen Film“. Zahlreiche weitere Kino- und TV-Produktionen folgten, darunter „Männerherzen“, „Who am I - Kein System ist sicher“, „Willkommen bei den Hartmanns“. Im In- und Ausland wurde Wiedemann & Berg mit zahlreichen Ehrungen und Preisen ausgezeichnet. Sie zählt zu den erfolgreichsten Filmproduktionen in Deutschland. Seit 2017 ist Max Wiedemann in der Jury des Camgaroo Award. Gabriele Lechner traf sich mit Max Wiedemann in einem Schwabinger Cafe, unweit des Firmensitzes zu einem spannenden und ausführlichen Gespräch.

MAX, WIE KAMST DU AUF DIE IDEE FILMPRODUZENT ZU WERDEN. WAR DAS SCHON ALS KIND FÜR DICH KLAR ODER WIE KAM ES ZU DIESEM BERUFSWUNSCH?

Als Kind war ich erst mal Konsument. Die Leidenschaft fürs Filmeschauen entdeckte ich etwa im Alter von 10 Jahren. Da damals die Videotheken meist für Kinder nicht zugänglich waren, ließ ich mir von meinen Eltern zahlreiche Filme mitbringen. Ich wurde mit dem Hollywoodkino der 80er / 90er Jahre groß - Back to the Future, Starwars, Topgun … das waren meine Favoriten. Aber auch Fernsehen konnte ich stundenlang. Es war eine spannende, bunte Zeit. Allerdings wurde einem immer ein schlechtes Gewissen eingeredet: „Geh doch mal an die frische Luft, beweg Dich, unternimm was“. Keiner verstand, warum ich mir einen Film zum dritten Mal anschaute. In dieser Zeit lernte ich auch meinen jetzigen Geschäftspartner Quirin Berg kennen.

UND DANN HABT IHR BESCHLOSSEN, FILMPRODUZENT ZU WERDEN?

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Das war eigentlich erst etwas später, in der Kollegstufe, also etwa im Alter von 17 Jahren. Wir hatten einen ambitionierten Kunstlehrer, der 16 mm Filme drehte. Er vermittelte uns die Filmleidenschaft, in dem er den Lehrplan einfach ein wenig umstrickte und statt eines Fotographie- Kurses einen Filmkurs anbot. Das klang für uns irgendwie kreativ und spannend, außerdem konnte man, so dachten wir, auf einfache Weise Punkte sammeln. In diesem Kurs haben wir dann zwei Sachen herausgefunden: Erstens: Filmemachen ist alles andere als nicht aufwändig, und zweitens wie unheimlich viel Spaß es macht, selber Filme zu machen. Wir haben damals sogar eine Jugendförderung für eines unserer Projekte erhalten. Bei diesen Projekten arbeitete ich im Team mit Quirin Berg und wir verstanden uns damals schon sehr gut.

WIE SEID IHR IN DIE FILMWELT GERUTSCHT?

Parallel zur Schule haben wir bereits Praktika im Filmbereich als Setassistenten und Fahrer gemacht. Mein erstes Praktikum wird mir immer im Gedächtnis bleiben. 1997 hatte ich die Chance bei dem Kinofilm „Der Cascadeur* mitzuhelfen. Uns war dann schnell klar, was wir beruflich machen wollten - Filme, das war unser Ding.

WARUM GERADE PRODUZENT?

Das Berufsbild des Produzenten hat uns am meisten begeistert. Es verbindet kreative Elemente mit wirtschaftlichen und organisatorischen. Und vor allem, man ist der aktive Part. Man ruft an und wird nicht angerufen. Man bringt als „Macher“ die Dinge zusammen. Als Produzent muss man in der Lage sein, sich zu freuen, über das Talent der anderen. Es ist schön, wenn man die Schätze bei anderen entdeckt, die richtigen Leute zusammenbringt und sie fördern kann.

IHR HABT EUCH BEIDE FÜR DEN WEG ÜBER DIE FILMHOCHSCHULE ENTSCHIEDEN?

Es gibt viele Wege um Filmproduzent zu werden. Es ist keine Voraussetzung aber hilft, wenn man eine Filmhochschule besucht hat. Wir fanden, dass das der richtige Weg für uns ist. In der Filmhochschule hat man sehr schnell einen Circle an Gleichgesinnten. Als junger Produzent bist du auf gute Kontakte angewiesen. Als neuer Filmproduzent hat man es erst mal schwer auf einem gesättigtem Markt, der voll ist von guten etablierten Produzenten. In der Filmhochschule wächst man gemeinsam mit seinen kreativen Partnern und viele Projekte sind aus den Kontakten dieser Zeit entstanden.



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