Interview

Filmproduzent Max Wiedemann im Interview

 Mittwoch, 19. Juni 2019: 

Von Buena Vista erhielten wir dann endlich die Zusage. Sie fanden den Film großartig. Im nach hinein war diese schwierige Phase vielleicht auch mit ein Baustein für die Erfolgsgeschichte des Filmes: Dadurch, dass wir die große Lücke zu füllen hatten und der Vertrieb für den Film auch eine beachtliche Summe ausgab, musste er entsprechend groß herauskommen und somit war der Film auf einmal einem breiten Publikum zugänglich. Im Laufe der Zeit waren etwa 2,4 Mio. Besucher im Deutschen Kino, in Frankreich etwa 1,5 Mio. und in Nordamerika war er der erfolgreichste Erststart eines deutschsprachigen Films. „Das Leben der Anderen“ erhielt im In- und Ausland einen Preis nach dem anderen bis zur Krönung, den „Oscar für den besten fremdsprachigen Film“ im Jahr 2007.

RESPEKT, ECHT TOLL, WAS IHR DA AUF DIE BEINE GESTELLT HABT. KANNST DU EIN RESÜMMEE AUS DIESEN ERFAHRUNGEN AN UNSERE JUNGEN FILMEMACHER WEITERGEBEN?

Nobody knows anything“. Es hilft keine Marktforschung, die liegen oft komplett daneben und können auch nichts besser einschätzen. Da geht es nur um Statistiken. Glaubt an die eigene Vision und wenn man dann gegen die Wand fährt, ist man wenigstens sich selber treu geblieben.

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Es zeigt sich auch, dass die Zuschauer ins Kino gehen, um was Neues zu sehen. Was waren denn die erfolgreichsten Filme? Es waren oftmals Einhörner, Filme mit einer Strahlkraft, und keiner wusste vorher, wie erfolgreich sie werden, z.B. Star-Wars, Avatar ….

Wer Lust auf was Neues hat, der muss sich ein Stück weit von den Statistiken verabschieden und darf sich nicht von etablierten Marktstrukturen einschüchtern lassen.

DAS IST JA HEUTE SOWIESO EIN PHÄNOMEN, DASS KEINER MEHR EINE ENTSCHEIDUNG TREFFEN ODER EIN RISIKO EINGEHEN WILL, ALLE WOLLEN SICH ABSICHERN, DAZU BRAUCHEN SIE EXTERNE BERATER ODER STATISTIKEN.

Ja, es wird oft nur noch nach Fakten entschieden. Und wenn einer einen Fehler macht, dann kann er sich herausreden - ich konnte nicht anders, der Berater, die Statistik hat es bestätigt. Die althergebrachten Macher gibt es nur noch selten. Als Visionär bist Du meist alleine.

DIE GRÜNDUNG EURER FIRMA ERFOLGTE 2003, ALSO KURZ NACH DEM ZUSAMMENBRUCH DES NEUEN MARKTES 2001 AN DER BÖRSE. WAR DAS SCHWIERIG FÜR EUCH?

Damals hatte man einen nüchternen Blick auf alles. Man hatte das Gefühl, keiner hat auf mich gewartet, und man hat Respekt vor dem großen Berg, der vor einem liegt. Wie soll man sich ein Stück vom Kuchen sichern. Steigt man eher in eine große Filmproduktionsfirma ein oder macht man sich selbständig. Wir haben bald erkannt, dass alle, auch die Großen nur mit Wasser kochen. Letztendlich, egal wie groß die Firma ist, sitzen alle zusammen und besprechen das Drehbuch. Durch den Zusammenbruch der Börse sind wir bei der Gründung sehr nachhaltig vorgegangen und ein Börsengang war für uns kein Thema.



  • Filmproduzent Max Wiedemann im Interview mit Gabriele Lechner

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  • Erfolgreiche Produktionen: "Werk ohne Autor“ wurde für die deutsche Auswahl für die Oscarnominierung ins Rennen geschickt

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  • Ausblick von der Firma Wiedemann & Berg Film in München auf die Akademie der Bildenden Künste

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  • Setbesuch bei „Werk ohne Autor“ mit Regisseur Florian Henckel von Donnersmarck (zweiter von rechts)

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