Interview

Harold Faltermeyer – ein Weltstar in Hollywood zu Hause in Bayern

 Mittwoch, 04. Juli 2018: Wer kennt nicht Axel F., die instrumentale Titelmelodie zu Beverly Hills Cop, zuge- schnitten auf die Hauptfigur Axel Foley (Eddy Murphie), oder die Filmmusik zu Top Gun (mit Tom Cruise), zu Running Man (mit Arnold Schwarzenegger) oder zu „Der Kö- nig von St. Pauli“ (mit Heinz Hoenig), um nur ein paar Filme zu nennen, für die Harald Faltermeyer die Musik oder die Titelmelodie komponierte. Er erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter eine Oscarnominierung für „Shakedown“ (1987, Best Song aus Beverly Hills Cop II) und zwei Grammys (1986 für Beverly Hills Cop, Best Album und 1987 für „Top Gun Anthem“, Best Instrumental Performance). Viele erfolgreiche Jahre verbrachte er in Los Angeles, lebt aber inzwischen wieder in seiner bayerischen Heimat. Gabriele Lechner besuchte den spannenden Mann in Baldham bei München in seiner „Almhütte“.

Hut auf dem Kopf und Zigarre im Mund, so kennt man ihn und so bittet er mich in seine heimelige Hütte im Faltydorf, das schon sein Großvater aufgebaut hat. Dort wohnt die große Familie verteilt auf mehrere Anwesen. Darüber hinaus hat sich Harold Faltermeyer sein eigenes kleines Paradies geschaffen. So gibt es alles, was ihm Spaß macht - eine Schreinerei, eine Schmiede, eine kleine Metzgerei (er stellt seine eigene Weißwurst her) und eine Brauerei (er braut auch sein eigenes Bier) - a lles für den Hausgebrauch und zur Freude für ihn und seine Freunde, die er gerne auch mit seiner Kochkunst verwöhnt. Überhaupt ist Harold Faltermeyer ein ruhiger, zufriedener, genussfreudiger und sympathischer Mensch, der sich aus dem Presserummel um seine Person nicht viel macht, aber wenn es sein muss auch dort seinen Mann steht. Zur Zeit ist er auf Tournee in allen namhaften Fernsehshows unterwegs, um sein neues Kochbuch „Sweet Home Bavaria“ vorzustellen. In seiner organisationsfreudigen und liebenswerten Frau Birgitt Wolff, die sich um Presse und Marketing kümmert, hat er die ideale Ergänzung gefunden.

Wir nehmen am großen Esstisch Platz, im Hintergrund Hirschgeweihe an der Wand (ja, er ist auch Jäger), ein selbstgeräucherter, hauchdünn aufgeschnittener Schinken auf dem Tisch - und es kann losgehen. 

Harold, wie bist du Filmkomponist geworden? War das schon in jungen Jahren absehbar?

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Ich bin schon sehr früh über meine Eltern und meinen Großvater mit Musik in Berührung gekommen. Mein Großvater spielte Geige und mein Vater Klavier und ich lauschte gebannt ihrem Duett. Ein Sonntag ohne Hausmusik war undenkbar. Mit 13 gründete ich meine eigene Band „Melodic Sound“, der mein jüngerer Bruder Ralf sowie Thomas und Stefan Zauner, der spätere Sänger der Münchner Freiheit, angehörten. Ich schrieb meine ersten eigenen Lieder auf Notenblätter und unser Vater organisierte den ersten Auftritt in einer Dorfgaststätte. Bald darauf folgte ein Live-Gig in der Musiksendung Talentschuppen. Das war damals ungefähr so wie das heutige DSDS (Anm.d.Red.: Deutschland sucht den Superstar). Wir waren stolz wie Oscar. Dort hat uns Joy Fleming gesehen und war so begeistert, dass sie unseren Song „Feeling“ mit ihrer damaligen Band „Joy and the Hitkids“ neu aufgenommen hat. Für uns war das ein unglaubliches Aha-Erlebnis. Wir hatten es geschafft, dass eine bekannte Band unseren Song gut fand.

Wir haben andere Menschen erreicht, ob viele oder wenige, das spielte keine Rolle. Und dieses Aha-Erlebnis bestärkt einen in jungen Jahren weiter zu machen. Es ist ganz wichtig für dein Weiterkommen. Wenn du was nicht für dich alleine machst und es den Menschen gefällt, das ist ein unbeschreibliches Gefühl, das gibt dir einen ganz eigenen Halt. Das ist genau der Ansporn für alles Weitere. Das ist der Anfang.

Ja, den Eindruck habe ich bei vielen unserer jungen Filmemacher auch. Und wie ging es bei dir weiter?



  • Harold Faltermeyer und Gabriele Lechner

  • Harold Faltermeyer (oben rechts) und Giorgio Moroder (oben links) in Salt Lake City

  • Harold Faltermeyers erste Band, Melodic Sound: Harold Faltermeyer (mitte), Bruder Ralf (vorne), sowie Thomas und Stefan Zauner (hinten)