Interview

Harold Faltermeyer – ein Weltstar in Hollywood zu Hause in Bayern

 Mittwoch, 04. Juli 2018: 

Naja, ich war kein guter Schüler. Mich interessierte nur Musik und Kunst, alles andere war ein „No go“! Das wirkte sich natürlich auch auf meine Noten aus und es kam unweigerlich zum Eklat. Das Zwischenzeugnis war so schlecht, dass ich wohl niemals die 10. Klasse erfolgreich abschließen würde. Mein Vater nahm mich aus der Schule. Dafür bin ich ihm noch heute dankbar. Er marschierte zur Musikhochschule und erreichte dort, dass ich vorspielen durfte. Man attestierte mir außergewöhnliche musikalische Begabung („Absolute Gehör“ wurde mir bereits i Alter von fünf Jahren bestätigt) und ich durfte studieren. Ich verließ nach den Osterferien die Schule und nutze das halbe Jahr bis zum Beginn des Studiums dazu, ein Praktikum in den Studios der „Deutschen Grammophon Gesellschaft“ zu absolvieren. Dazu musste Ossi Drechsler, der damalige Chef erst mal eine Planstelle schaffen.

In der „Deutschen Grammophon Gesellschaft“ verkehrte damals alles was Rang und Namen hatte, z.B. auch Max Greger, der ein Album mit Glenn Miller Songs aufnahm. Ich hab allen auf die Finger geschaut und lernte schnell. Und als mir im Herbst dann Ossi Drechsler eine Ausbildungsstelle als Tontechniker anbot, war ich glücklich. Die Tontechnikerlehre war übrigens meine einzige Festanstellung. Zeitgleich studierte ich acht Semester an der Musikhochschule München. Ich eignete mir profundes Wissen in der Technik an, so dass ich beide Bereiche abdeckte: die Musik und die Technik. Das war damals noch neu.

Normalerweise durfte man während der Lehre keine allein verantwortliche Tontechniker-Arbeit durchführen. Es war alles genau geregelt.

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Aber eines Morgens kam ich ins Studio und der Toningenieur war nicht erschienen. Wir erwarteten 50 Musiker zur Aufnahme. Die wegzuschicken hätte eine Menge Ärger und Unannehmlichkeiten bedeutet. Also wurde eine Ausnahme gemacht und der Chef sagte: „Harold, mach Du das!“ Und Harold hat's gemacht. Das war ein unglaubliches Erlebnis.

Da spürte ich zum ersten Mal ganz deutlich, nur du hast, was dich ausmacht.

Wie kam es zur Zusammenarbeit mit Giorgio Moroder?

Nachdem die Grammophon Studios an einen Privatinvestor verkauft wurden und sich fortan „Arco Studios“ nannten, hatte ich viel mehr Freiheiten. Ich war gleichzeitig als Toningenieur, Arrangeur und Produzent tätig und so war ich bald in aller Munde. Was ist das für ein kleiner Verrückter, der zwischen Regie- und Aufnahmeraum unterwegs ist, hier und da ein Mikrofon verschiebt, zurück zum Mischpult läuft und von dort aus durch die Glasscheibe die Musiker dirigiert. 

Über einen Freund hatte Giorgio Moroder von mir gehört. Eines Tages klingelte das Telefon und er war dran. Ich erkannte ihn gleich an seinem Südtiroler Akzent: „Ich überleege geroode, ob Du mol zu uns rüberkimmen solst, um mit mir zu orbeiten … ?“. Das ließ ich mir nicht zwei Mal sagen. Giorgio war damals schon in München eine ganz große Nummer und sein Musicland Studio nur fünf Kilometer von uns entfernt. Giorgio und ich arbeiteten wie besessen. Unser erstes Filmprojekt, das wir gemeinsam angingen, war die Musik zu Alan Parkers Midnight Express. Wir vereinten die pulsierenden Synthesizer-Klänge mit einem Symphonieorchester und schufen damit einen Soundtrack, der Giorgio 1978 seinen ersten Oscar einbrachte.



  • Harold Faltermeyer und Gabriele Lechner

  • Harold Faltermeyer (oben rechts) und Giorgio Moroder (oben links) in Salt Lake City

  • Harold Faltermeyers erste Band, Melodic Sound: Harold Faltermeyer (mitte), Bruder Ralf (vorne), sowie Thomas und Stefan Zauner (hinten)

  • Grammy 1987 für „Top Gun Anthem“, Best Instrumental Performance