Interview

Harold Faltermeyer – ein Weltstar in Hollywood zu Hause in Bayern

 Mittwoch, 04. Juli 2018: 

Über Giorgio lernte ich auch Donna Summer kennen, die mich 1978 als Arrangeur und Keyboarder für ihr von Giorgio Moroder produziertes Doppelalbum nach Los Angeles einfliegen ließ. Und plötzlich war ich in Hollywood und arbeitete mit den besten Musikern und angesagtesten Technikern zusammen.

Was sind deiner Meinung nach die Voraussetzungen, um als Filmkomponist Erfolg zu haben?

Die größte Kunst ist es, für den Film und nicht gegen ihn zu arbeiten. Du musst einfach wissen, dass du als Filmkomponist der 4. Sieger bist. Erst kommt das Bild, dann der Dialog, dann die Soundeffekte und dann, erst ganz zum Schluss, die Filmmusik. Du musst aus deiner Detailverliebtheit raus und rationell arbeiten. Raus aus deiner „100 Prozent Perfekt Nummer“. Es zählt das Gesamtkunstwerk - der Film - und du bist dabei nur ein Teil davon. Daran scheitern viele.

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1987 wurdest du mit Shakedown, dem Titelsong von Beverly Hills Cop II für den Oscar nominiert und damit in die Academy als Voting Member eingeladen. Damit entscheidest du mit über die Oscarnominierungen und Sieger.

Es gibt über 7000 Voting Members. Du bekommst einen Wäschekorb voller Filme und musst auswählen, wen du für geeignet hältst einen Oscar zu bekommen. Dabei gibt es zwei Wahlgänge, wobei jedes Mitglied zwei Bereiche abdeckt. Den Bereich seines Berufstandes, also in meinem Fall „Beste Filmmusik, bester Song“, und alle Mitglieder bestimmen die Nominierten für die Kategorie „Bester Film“. Wenn die Nominierten feststehen, wählen in einem Online-Voting alle 7.000 Mitglieder streng geheim die Sieger in allen Kategorien, die dann in einem Kuvert auf der Bühne bekannt gegeben werden. Die „Envelopes“ kommen übrigens aus der Gmundner Papierfabrik am Tegernsee.

Du hast jetzt gerade auch den Deutschen Filmmusikpreis in Halle gewonnen. Was bedeutet er für dich?

Er bedeutet mir sehr viel, denn diesen Preis gibt es nur e inmal. Es gibt sonst keinen Preis, der sich nur der Filmmusik widmet. Er ist ausschließlich für Filmkomponisten und das macht den Preis sehr wertig. Unsere Arbeit wird dort sehr geschätzt und man fühlt sich wohl. Es gibt Masterclasses und die jungen Leute hängen uns an den Lippen.

Wie gehst du vor, wenn du Filmmusik komponierst. Spielst du alles selber ein?

Ja, ich spiele alle Instrumente mit dem Keyboard ein. Ich spiele nicht perfekt Klavier, aber ich kann unheimlich gut grooven und rhythmisch spielen. Und das, was ich spiele, kann ich richtig gut. Ein typischer Anfängerfehler ist zum Beispiel, dass du bei einem Schuss oder Schlag, immer richtig in die Pauken haust. Das ist natürlich kontraproduktiv, denn beim Abmischen nimmt der Toningenieur den Ton zurück, denn man muss den Schuss ja hören, und dann vergisst er oft den Regler wieder hochzuschieben, und schon ist die Filmmusik dahin.



  • Harold Faltermeyer und Gabriele Lechner

  • Harold Faltermeyer (oben rechts) und Giorgio Moroder (oben links) in Salt Lake City

  • Harold Faltermeyers erste Band, Melodic Sound: Harold Faltermeyer (mitte), Bruder Ralf (vorne), sowie Thomas und Stefan Zauner (hinten)

  • Grammy 1987 für „Top Gun Anthem“, Best Instrumental Performance

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