Interview

Harold Faltermeyer – ein Weltstar in Hollywood zu Hause in Bayern

 Mittwoch, 04. Juli 2018: 

Es ist auch wichtig, um die Dialoge und die Soundeffekte herum zu arbeiten, diese zu unterstützen, nicht zu übertönen. Das erfordert viel Fingerspitzengefühl. Man muss immer das große Ganze im Auge behalten. Wenn du ein großes Budget hast, dann komponierst du die Filmmusik und lässt sie von einem Orchester einspielen.

Mit welchem Equipment arbeitest du?

Ich habe etliche Rechner in Reihe geschaltet um genug RAM zu haben. Als Software verwende ich Protools, Logic Pro und Ableton.

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Gibt es abschließend noch ein paar Worte, die du jungen Filmmusikern mit auf den Weg geben möchtest?

Du musst es einfach machen und den Mut zum Scheitern haben und den Mut, immer wieder neues auszuprobieren. Je anachronistischer du vorgehst, desto mehr Chancen hast du, was Einmaliges, was Neues zu erfinden. Filmmusik ist kein Lehrberuf. Es braucht viel Erfahrung und die Bereitschaft, etwas auszuprobieren. Du bist wie ein Chamäleon. Musst dich dem Film anpassen, Gefühle ausdrücken können, wandelbar und flexibel sein und verschiedene Instrumentationen beherrschen.

Und noch ein Thema, was mir auf dem Herzen liegt. Lasst euch nicht von den Filmproduzenten und den Sendern ausnehmen. Es kann doch nicht sein, dass mit Musikschaffenden so umgesprungen wird. Vor allem der Nachwuchs hat damit zu kämpfen, dass die Arbeit von Filmkomponisten nicht mehr honoriert wird. Wenn der Komponist nicht zu den Bedingungen der Produktion arbeitet, dann wird ihm sofort gedroht, ihn durch „Library Music“ zu ersetzen. Da fehlt aber die Handschrift, die eigene Note.

Wer sich zu billig verkauft, schadet nicht nur sich selbst, sondern allen Kollegen. Das ist heute ein Schlaraffenland für die Produzenten und für die Musiker bleibt nur ein Bagatellbetrag.

Diese Entwicklung geht mir seit 20 Jahren auf den Senkel. Hier besteht Handlungsbedarf, auch bei ARD und ZDF. Wer in die Branche einsteigen möchte, sollte sich organisieren, z.B. im Komponistenverband DEFCOM (Deutsche Filmkomponisten Union).

Inzwischen waren über 2 Stunden ins Land gezogen, ich hätte ihm noch ewig zuhören können, aber es war Zeit zu gehen. Zum Abschied sagte er mir noch einen Satz, der mir im Gedächtnis geblieben ist - als Ansporn für junge Komponisten:

„EIN HIT LÄSST SICH NICHT AUFHALTEN!“



  • Harold Faltermeyer und Gabriele Lechner

  • Harold Faltermeyer (oben rechts) und Giorgio Moroder (oben links) in Salt Lake City

  • Harold Faltermeyers erste Band, Melodic Sound: Harold Faltermeyer (mitte), Bruder Ralf (vorne), sowie Thomas und Stefan Zauner (hinten)

  • Grammy 1987 für „Top Gun Anthem“, Best Instrumental Performance

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