Interview

Harold Faltermeyer: Top Gun 2 – Maverick, eine neue Filmmusik entsteht

 Montag, 22. Juli 2019: Harold Faltermeyer, einer der renommiertesten, international erfolgreichen Komponisten ist unseren Lesern schon seit längerem bekannt. Er ist seit 2017 Jurymitglied des Camgaroo Award und immer wieder einmal berichten wir über seine Arbeit. 2017 veröffentlichten wir ein ausführliches Interview mit ihm, das ihr auf www.camgaroo.com nachlesen könnt. Aktuell hat Harold seine bayerische Heimat verlassen, um direkt in Hollywood vor Ort zusammen mit Hans Zimmer und seinem Sohn Florian, der ihm assistiert, die neue Filmmusik zu „Top Gun 2 Maverick“ (mit Tom Cruise) zu komponieren.
[Das Interview führte Gabriele Lechner © Bilder: Harold Faltermeyer, Birgitt Wolff, © Camgaroo/LechnerMedia]

Viele Informationen zum neuen Kinofilm gibt es noch nicht - ein geheimnisvoller Schleier um- weht den Film, selbst die Crew ist noch nicht komplett bekannt. Wir haben uns deshalb auf den Weg gemacht und Harold direkt in LA besucht, um mit ihm über die neue Produktion zu spre- chen. Vor allem interessierte uns, wie sich der Workflow beim Komponieren von Filmmusik in den letzten 30 Jahren verändert hat, am Beispiel von Top Gun.

Wie gefällt es Dir hier in LA?

Persönlich würde ich hier nicht leben wollen, aber ich habe keine andere Wahl. Los Angeles, der „melting pot of creativity“ ist nun mal das Epi-Zentrum der Filmbranche.

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Wie unterscheidet sich das Arbeiten für deutsche/ europäische Produktionsfirmen und amerikanische Produktionsfirmen wie Paramount?

Ich glaube, die großen Studios in Hollywood unterscheiden sich grundlegend von denen hier vor Ort oder auch in Europa. Das geht bereits bei den Produktionsbud- gets los bis hin zur akribischen Marktforschung vor der endgültigen Fertigstellung des Films. Die Previews mit „selected audience“ und die darauf folgende Diskussion: „Wie könnte man es noch besser machen“, faszinieren mich immer wieder auf‘s Neue.

1987 wurde Top Gun produziert und Du hast die Film- musik zum großen Teil komponiert. Wie liefen die Arbeitsabläufe damals und was hat sich zu heute verändert?

Damals war das Budget für Musik äußerst knapp bemessen. Alles ging viel gemächlicher zu, obwohl wir immens unter Zeitdruck waren. Es gab noch keine digitale Filmbearbeitung, jeder Schnitt wurde tatsächlich mit dem „Messer“ gemacht. Dann mussten erstmal die Szenen auf Video kopiert werden, damit ich arbeiten konnte. Entscheidungsab- läufe dauerten bald zwei Tage oder noch länger! Heute geschieht alles im Netz, ich bekomme die Filme am Abend jeden Drehtages und es wird erwartet, dass ich am nächsten Tag bereits die super Idee abliefere.

Und wie hat sich Deine Arbeit - das Komponieren selbst verändert.

Grundsätzlich bleibt Komponieren immer das Selbe. Man findet Melodien, Sounds, Rhythmen und bringt diese zur Aufnahme. Meine Kompositionen spiele ich meist mit dem Keyboard ein. Im Gegensatz zu damals ist das heute ungleich komfortabler. Die modernen DAW’s (Digial Audio Workstation) machen die Arbeit extrem leicht. Bild und Ton laufen immer synchron und man kann beliebig viele Versuche speichern. Damals hat man das auf Bandmaschine aufgenommen, verschiedene Versionen zu behalten war sehr limitiert.