Interview

Harold Faltermeyer: Top Gun 2 – Maverick, eine neue Filmmusik entsteht

 Montag, 22. Juli 2019: 

Bedeutet „finden“, dass man auf bestehende Aufzeichnungen zurückgreift oder, dass man die sozusagen in sich selbst findet, also komponiert oder ist das eine Mischung, also selbst Komponiertes, an- gereichert mit bestehenden Sounds und Rhythmen aus Sound-Libraries?

Es ist in der Tat eine Melange aus bestehenden Melodien mit neu komponierten. Oft entstehen bei mir Kompositionen, inspiriert durch interessante Sounds.

Habe ich es richtig verstanden, dass Du Filmsequenzen inklusive Ton teilweise im Rohschnitt erhältst und Deine Aufgabe ist es dann, diese mit Musik zu unterlegen? Und was ist, wenn die Sequenzen wieder geändert werden?

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Das ist richtig. Man geht heute mehr dazu über, ganze „Suiten“ zu komponieren und nicht unbedingt jeden Cut eines Rohschnitts zu treffen. Der Rohschnitt dient lediglich als Vorlage für die emotionelle Ausrichtung der Musik Wenn Sequenzen geändert werden, kümmert sich meistens der „Music Editor“ darum, die Musik auf den Punkt zu bringen. Dafür hat er von jeder Instrumentengruppe einzelne „Stems“, die er beliebig hin und her schieben kann. Wunder der Technik. (Anmerkung der Redaktion: Stem-Dateien sind offene, mehrkanalige Audio-Dateien, in der sich jede Spur einzeln steuern lässt)

Ist schon bekannt, wann „TopGun 2 Maverick“ in die Kinos kommt?

Geplant ist Ende Juni 2020.

Du hast ja gerade auch 40 Jahre „Hot Stuff“ gefeiert. Der Welthit wurde von Dir, Pete Belotte und Keith Forsey geschrieben und erstmalig von Donna Summer gesungen, seitdem oft gecovert. Hattet Ihr bereits beim Komponieren so eine Ahnung, das könnte ein Hit werden und wie kam der Titel zustande?

Ja, war ein schönes Fest! Pete war leider nicht dabei. Wir brauchten damals dringend Songs für Donnas neues Album und so wurden wir drei einfach in ein Studio „gesteckt“. Pete kam mit einer Pizzaschachtel in den Aufnahmeraum und deutete auf den Aufdruck. „Hot Stuff“ stand auf dem zerknitterten Karton! So ging‘s los und am Nachmittag hatten wir bereits ein passables Demo eingespielt. Donna kam ins Studio, sang das Lied noch mit halbfertigem Text und das war‘s dann auch schon. Ein paar Korrekturen, Overdubs und eine klasse Mischung von Jürgen Koppers, dann ging‘s auch schon zum Mastering Studio.

Das ging ja ruckzuck und war sehr effektiv.

Ja, es war spontan, unbeschwert und offensichtlich höchst kreativ. Letztlich war das Donna Summer‘s größter Hit!

Wir freuen uns jetzt schon, auf TopGun 2! Wie hast Du im letzten Interview gesagt: - „Ein Hit lässt sich nicht aufhalten“ - wir sind gespannt, was Du wieder gezaubert hast! Viel Spaß weiterhin beim Komponieren.