Interview, Aktuelle Produktion

Im Interview: Dokumentar-Filmemacherin Anneliese Possberg

 Mittwoch, 25. Juli 2012: 

Die übrig gebliebenen drei Wochen verbrachte ich mit Ausrüstung kaufen: dicke Kleidung, Informationsmaterial und natürlich ein neues Video Equipment, denn für die Tieraufnahmen wollte ich eine Kamera mit einem starken Zoom und einer sehr guten Bildqualität. Die Sony AX2000 mit 20x Zoom und hervorragende Bildqualität war gerade auf dem Markt erschienen und war von der Fachpresse sehr gelobt worden. Die Panasonic PM 700 kaufte ich wegen der Zeitrafferfunktion, die die Sony leider nicht anbietet.

Welches Equipment hatten Sie neben den beiden Camcordern sonst noch dabei?

Ein Tischstativ von Cullman für die besten Froschperspektiven und ein Stativ von Mamya mit Fotokopf, weil das 
Silikon oder der Friktionsmittel der Videoköpfe bei Minusgraden einfrieren kann oder spröde wird. Mit Fotoköpfe gelingt mir auch ein Schwenk viel besser, weil kaum ein Widerstand da ist – allerdings braucht man da eine gewisse Übung um die Kamera während des Schwenks horizontal zu halten. 

In welchem Format haben Sie aufgenommen?

Ich habe in Full HD aufgenommen, auf 6 x 32 Gb SD Karten( Pro Karte ungefähr 180 Minuten) mit AVCHD - zur Zeit die beste Komprimierung, auch wenn sie nur 4:2:0 Farbraum und 24 Mbit/ Sek. erlaubt.

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Gab es Probleme mit der Technik?

Erstaunlicherweise haben beide Kameras bei den tiefen Temperaturen mitgemacht. Die Panasonic PM 700 habe ich sogar mit Gurte am Reling des Eisbrechers in 40 m Höhe festgemacht, um in der Mitternachtssonne der Antarktis Zeitraffer zu filmen - trotz Minusgrade (-20 in der Nacht auf offenem Meer) gab es keine Probleme. Die Batterien hielten natürlich nicht so lange, aber ich habe die Ersatzbatterien immer am Körper gehabt, um sie warm zu halten. Lediglich bei -30 Grad auf dem Schelfeis in der Kaiserpinguin Kolonie hatte ich Probleme mit dem Scharfstellen. Ich musste auf manuellen Fokus umschalten und alles mit der Hand nachschärfen. Die Linse fror auch regelmäßig ein. Die Beine des Cullmann Tischstativs (aus Aluminium) brachen entzwei, weil ich sie zu lange im Schnee bei der Kälte benutzt habe.

Mit welchen Problemen haben Sie persönlich während der Dreharbeiten bei dieser extremen Kälte zu kämpfen?

Ich persönlich hatte einige Probleme beim Filmen: Die schwere Bekleidung und die Schwimmweste (obligatorisch auch wenn das Meereis 3 m Dicke misst) behinderten mich in meinen Bewegungen.

Die Kälte (zwischen minus 20 Grad am Mittag und -35 am Abend) und dazu der Hunger machte mir zu schaffen: 
auf dem Festland darf man nichts mitnehmen außer der Technik. Bei den Kaiserpinguinen in der Atka Bucht blieb ich 12 Stunden und irgendwann verlangte mein Körper seine Rechte. 

Die Sonne in der Antarktis bescherte mir Verbrennung 2. Grades im Gesicht: das Ozonloch lässt ungehindert die UV Strahlen durch und kein Sunblocker hilft dagegen. Nach zwei Tagen antarktischer Sonne litt ich auch noch an „Schneeblindheit“. Das fühlt sich wie Sand in den Augen und kommt vom starken Licht, das vom Schnee reflektiert wird und die Augen reizt. Zusätzlich hatte ich noch mit einem typischen Phänomen zu kämpfen, dem gefürchteten „white out“. Am Nachmittag kam eine Wetterfront, die den Himmel bedeckte. Das Licht wird zwischen dem Schnee und der hellen Wolkendecke hin und her reflektiert, so dass es keine Schatten gibt. Das menschliche Augen hat dadurch keinen Anhaltspunkt mehr, es ist alles weiß und auf dem Weg zwischen der Kolonie und dem Zelt (wo das Wasser gelagert war), habe ich meinen Gleichgewichts- und Orientierungssinn verloren. Immer wieder bin ich hingefallen, aber zum Glück gab es Fähnchen, die den Weg gezeigt haben.



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