Interview, Aktuelle Produktion

Im Interview: Frank Krause, Macher des Stereo3D Kurzfilms "Hunted – Gejagt"

 Montag, 16. Juli 2012: Mit seinem anspruchsvollen Kurzfilm „Hunted“ zeichnet Frank Krause das Leben eines notorischen Computerspielers nach, der plötzlich vom Jäger (am Monitor) selbst zum Gejagten (in der Realität) wird – und das Ganze in Stereo3D.
[Text- und Bildmaterial: Gabriele Lechner und Frank Krause, © Camgaroo/LechnerMedia]

Der Film entstand während seines Studiums als Medieninformatiker mit dem Studienschwerpunkt Bachelor of Science. Er bildete den praktischen Teil der Bachelor-Arbeit. Dazu musste sich Frank Krause erst mal intensiv mit dem Thema Stereo3D auseinandersetzen. Nach der genauen Planung wurde der Film dann in vier Tagen abgedreht. Insgesamt gingen von der Filmidee bis zum fertigen Projekt drei Monate ins Land.  

Mit welcher Soft- und Hardware haben Sie Ihren stereoskopischen Film verwirklicht?

Gefilmt wurde mit einem für meine Hochschule bereitgestelltem Stereo-Rig, das wohl eher für schmalere Fotokameras ausgelegt war und ziemlich selbstgebaut aussah. Die Kameras waren zwei Sony HDR-HC7. Der Schnitt erfolgte mit Adobe Premiere - habe eigens dafür eine Anaglyphenausgabe für den Schnitt eingerichtet. Und die Postproduktion in AfterEffects mit dem Plugin von Chris Keller.

Welche Technik kam dabei zum Einsatz? Vielleicht können Sie uns ein oder zwei kurze Videosequenzen in Einzelschritten vorstellen.

Die Sequenzen in Premiere wurden entsprechend verschachtelt über die „Nest“-Funktion, sodass am Ende mit nur einer Anaglyphensequenz geschnitten wurde, danach der Export aber wieder in Farbe für linkes und rechtes Halbbild stattfinden konnte.

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Sie haben sehr viele Innenaufnahmen in Ihrem Video. Wie erfolgte die Ausleuchtung?

Grundsätzlich braucht man im 3D-Bereich einiges mehr an Licht. Durch zu starke Kontraste kann es außerdem zu Geisterbildern kommen. Dieser Effekt nimmt mit steigender Parallaxe des Objekts sogar zu, da entsprechend größere Bereiche durch den Helligkeitskontrast betroffen sind. Um dies zu vermeiden, wird Licht benötigt, das zu helle und zu dunkle Bereiche aneinander angleicht. Außerdem besitzen über- oder unterbelichtete Bereiche keine wirkliche Zeichnung, wodurch Tiefe im Bild verloren geht.

Zur Verfügung standen drei 650 W Scheinwerfer aus dem Sachtler HS652 Lichtkoffer. Da der Hauptcharakter durch das helle Sonnenlicht erwacht und der Raum dadurch erhellt wird, wurden die beigelegten Tageslichtfilter genutzt, um die Farbtemperatur an die des Außenlichts anzupassen. Um ein weiches, dem jeweiligen Raum angepasstes Licht zu erzeugen, wurde je ein Scheinwerfer an die Wand und an die Decke des aktuellen Handlungsortes gerichtet. Vor allem bei Einstellungen mit direktem Sonneneinfall, wie bei denen im Vorraum des Hauses, musste entsprechend ausgeleuchtet werden, damit kein zu starker Kontrast zwischen der Helligkeit drinnen und draußen entsteht.

Die Außenaufnahmen waren, dank Hochsommer, gut ausgeleuchtet. Bei den Naheinstellungen des Hauptcharakters, der in diesen Situationen leicht nach unten blickt, wurde mit einem Reflektor nachgeholfen, um den Kontrast zu verringern. Leider nicht in jedem Fall mit ausreichendem Erfolg.

Mit welchen Problemen hatten Sie während der Produktion zu kämpfen?

Vor allem mit der unausgereiften Technik des Rigs. Wir hatten kein Genlock zur Verfügung und die Belichtungseinstellung der Sony-Kameras war nicht für 3D ausgelegt. 

Haben Sie Tipps für 3D Filmer im Amateurfilmbereich?

Vieles einfach mal ausprobieren, wenn es interessant klingt. Wird es dann ernst, dann sollte man  aber genau planen und die gesammelten Erfahrungen nutzen.

Was bedeutet der Camgaroo Award für Sie?

Es war eine kleine Bestätigung, dass die investierte Arbeit sich doch gelohnt hat und der Film nicht nur Freunden und Familie gefällt.