Aktuelle Produktion, Interview

Mit dem Camcorder unterwegs: Über ein Leben in Kolkata

 Mittwoch, 11. Juli 2012: 

Er habe die Stadt gefragt, sagt er, was dann die armen Rikschazieher machen sollen, und darauf keine Antwort bekommen. Deshalb vermute er, dass sie noch einige Jahre fahren können. 

Die Begegnung mit Mohammed hat mir das Leben, den Kampf ums Überleben in Indien an seinem Beispiel eindrücklich geschildert. Jeder, der mit seinen Lebensumständen unzufrieden ist, sollte sich den Film ansehen. 

Es wird gesagt, dass der Reisefilmer ein Mittler zwischen den Kulturen ist. Dazu muss er sich den Menschen in ihrem Umfeld nähern, auch wenn es oft Überwindung und auch Kraft erfordert. 

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Mohammed wird weiter mit seiner Rikscha Menschen durch Kolkata ziehen, solange er die Schinderei körperlich aushält und man ihn arbeiten lässt. Er wird sich keine Gedanken darüber machen, ob es ein menschenwürdiges Leben ist. Er wird sich weiter 9 Stunden täglich quälen, für das Überleben. 

Ich setze mich mit Basu in ein Lokal und zeige ihm die Aufnahmen von Mohammed. Bei einem Kingfisher-Bier und einer Cola übersetzt er mir die Interviews, aus Bengali ins Englische.

Kolkata ist für Außenstehende eine der schrecklichsten Städte der Welt, für viele Bewohner in ihrem täglichen Kampf ums Überleben die Stadt der Hoffnung. Die Menschen warten nicht auf ihr Glück, sondern sie arbeiten täglich daran. 

Morgen werden wir den Zug nehmen, um die nächste Station auf unserer Indienreise zu erreichen, Varanasi am Ganges, die heiligsten Stadt der Hindus. Aber das ist wieder eine neue Geschichte. 

Michael Preis Im Interview

Wann bzw. bei welchem Anlass haben Sie die Leidenschaft fürs Dokumentarfilmen entdeckt?

Ich reise seit frühester Jugend in ferne Länder. Begonnen hat alles in Marokko, wo ich den Reiz des Entdeckens fremder Kulturen erstmalig gespürt habe. Mit dem Reisen in fremde Länder  verbinde ich schon immer eine unbekannte Ferne, eine mystische Kultur und eine  fremdartige Lebensweise der Menschen. Verlockende Argumente für eine Fernreise. „Einmal sehen, ist besser als tausendmal hören“, rät eine chinesische Weisheit.

Ich habe gemerkt, wie viele Erlebnisse ich gespeichert habe, die danach trachten, erzählt zu werden. Erinnerungen in Form von Fotografien haben mir bald nicht mehr genügt. Ich wollte auch Gefühle äußern und diese mit Musik verstärken. Dazu natürlich die bewegten 
Bilder benutzen, die Leben einfangen. Das Foto bleibt die Kunst des Augenblicks. Mit langen Filmen habe ich meinem Umfeld von den Reisen erzählt, was nach heutiger Erfahrung manchmal auch eine Prüfung der besten Freunde gewesen sein muss. Meine Mitgliedschaft im BDFA 1991 hat mich dann zu kürzeren, aussagekräftigeren Filmen geführt, die sich möglichst konzentriert mit einer Begegnung auf der Reise beschäftigen. Das zwingt mich, vor, während und nach den Reisen zu einer intensiven Beschäftigung mit dem Reiseland. Ich glaube, dass sich niemand so  nachhaltig mit einer fremden Kultur beschäftigt, wie ich als Reisefilmer.