Aktuelle Produktion, Interview

Mit dem Camcorder unterwegs: Über ein Leben in Kolkata

 Mittwoch, 11. Juli 2012: 

Was reizt Sie am Dokumentarfilmen besonders?

Da ich mit meiner Frau immer individuell reise, oft mit Wagen und Begleiter, oder wir auch mit einem gemieteten Fahrzeug unterwegs sind, können wir weitgehend selbst den Ablauf beeinflussen. Manches wird natürlich schon vorher ausführlich geplant. Nur so kann man sich anderen Lebensweisen annähern. Und um eine Geschichte nach filmerischen Anforderungen gut erzählen zu können, benötigt man Zeit und Geduld. Beides nehmen wir uns. Da meine Frau für ein Album fotografiert und sie geduldig ist, gibt es keine Grenzen.

Mit welcher Ausrüstung sind Sie unterwegs? 

Ich bin lange unterwegs gewesen mit einer Panasonic AVX 100, Richtmikrofon TinyMike (Gewinn Camgaroo-Award) , Dreibein von Gitzo, komplettiert mit dem Fluidkopf von Heiler (wie Sachtler). Ein Leichtgewicht, das immer dabei ist. Manchmal auch das SteadyStick, 
das ich beim Camgaroo Award gewonnen habe. Polfilter, vor allen Dingen Hinterkamera-Auslösung.

Bei den letzten Reisen habe ich eine kleine AVCHD-Kamera benutzt, die mich anfangs sehr irritiert hat. Kaum zu sehen auf dem Stativ, manuelle Eingriffe nur durch Menue-Aufwand möglich, hat sie mir aber bald die Vorteile nachdrücklich bewiesen. Und die umwerfenden Bilder haben mich schließlich überzeugt. Das ist die Zukunft.

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Mit welchem Programm bearbeiten Sie Ihre Filme?

Ich möchte mich mit der kreativen Seite von Filmherstellung beschäftigen und habe MacroSystem den Vorzug vor PC-Schnittprogrammen gegeben.

Gibt es noch Wünsche an die Industrie? (Was könnte besser sein, oder sind Sie zufrieden mit Ihrem Equipment?).

Wünsche an die Industrie wären auch Kameras herzustellen, die ambitionierte Filmer befriedigen. Sucher, oder Klarsicht im LCD bei Sonneneinwirkung, manuelle Eingriffsmöglichkeit in erster Linie bei Schärfe, Blende ohne Menue, Anschluss für Zusatzmikro. Das geht sicher auch zu einem annehmbaren Preis, ohne in die höheren Regionen abzugleiten.

Gab es auf Ihren Reisen auch bedrohliche Situationen?

Bedrohlich wurde es in Chiapas, Mexiko, wo wir mit unserem Mietwagen von etwa 50 Jugendlichen auf einer Piste abseits der Hauptstraße festgehalten wurden. Wir sollten Territorium verletzt haben. Erst der Einsatz von Polizei, die sich auch nicht aus ihrem Wagen getraut hatte, und der Zahlung von Lösgeld brachte die aufgebrachte Menge dazu, die blockierenden Steine vor den Rädern zu entfernen. Und ich wollte doch nur nachsehen, wie der Ort aussah, wo ich vor 3 Tagen Filmaufnahmen von einer Prozession zur schwarzen Jungfrau von Guadalupe ohne Schwierigkeiten gemacht hatte. Wir fühlten uns wie bei den in der Presse oft berichteten Geiselnahmen, mit der ängstlichen Ungewissheit über den Ausgang.

Was bedeutet der Camgaroo Award für Sie?

Beim Camgaroo-Award beteilige ich mich gerne, wenn ich mit meinen Filmen den gestellten Themen oder Genres gerecht werden kann. Die  von einer professionellen Jury getroffene Entscheidung bringt mir bei Nominierung eine zusätzliche Aufwertung meines Filmschaffens. 

Und die Atmosphäre bei der Award-Vergabe in München trägt weiter dazu bei. Auch wenn man sich früher in der Altersgruppe 5 ein wenig außerhalb Ihrer Intention für den Camgaroo Award gefühlt hat. Aber das neue Genre, Doku Reise/Kultur, hat das wieder ein wenig gerade gerückt.