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Wie man die dritte Dimension angreift

 Montag, 16. Juli 2012: Erläuterungen zum 3D-Kurzfilm „Angriff aus der 3. Dimension“. Als ich die diesjährige Camgaroo-Award-Ausschreibung las, war ich begeistert: Ein 3D-Sonder-Award! Schon in den letzten Jahren hatte ich regelmäßig Filme eingereicht, doch dies klang nach einer besonderen Herausforderung.
[Text- und Bildmaterial: Eckhard Kruse, © Camgaroo/LechnerMedia]

Da ich gerade an einem Kurzfilm bastelte, der Realfilm mit computeranimierten Außerirdischen kombinierte, beschloss ich, dass meine kleinen grünen Lieblinge auch gleich für einige stereoskopische 3D-Experimente herhalten könnten. Reale Aufnahmen wollte ich dabei auch einbeziehen – da ich jedoch nur eine einzelne, herkömmliche HD-Kamera verwende (eine Panasonic HDC–SD100 - stolze Trophäe des Camgaroo-Award 2008!), musste ich etwas tricksen.

Für die ersten Experimente machte ich Fotos (mit einer Nikon D80), jeweils mehrere mit verschiedenem horizontalen Versatz, meist einfach aus der Hand ohne viel Aufwand. Genaues Justieren der rechten und linken Aufnahmen am PC ist eh unvermeidlich. Mit Photoshop geht das einfach: Die zwei Bildebenen lassen sich mit Rot-/Cyan-Farbprofilen und additiver Überlagerung direkt am Bildschirm drehen und verschieben und dabei auf ihre Wirkung überprüfen. Die bunten Pappbrillen waren mittlerweile auch eingetroffen - natürlich mehrere, damit auch meine Frau und Freunde sagen konnten, ob sie sahen, was ich sah (oder einfach nur beim Anblick Kopfschmerzen bekamen). Ich war begeistert, dass mit rot-cyan auch noch ein recht guter Farbeindruck erhalten bleibt. Dass ging vor allem gut, weil in meinem Film grün und blau dominieren und beide Farben durch den Cyan-Filter gemeinsam beim rechten Auge ankommen und dort noch getrennt wahrgenommen werden können. 

Somit war es also schon einmal möglich, stereoskopische Hintergrundbilder mit meinen 3D-Animationen (ich verwende Maxon Cinema4D) zu kombinieren. Wie sich reine stereoskopische 3D-Animationen erstellen lassen, ist ja in dem Camgaroo-Tutorial im Camgaroo Magazin 02/10 bereits bestens beschrieben. Doch es geht noch mehr: 

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1. Eine Möglichkeit ist es, Fotos als Texturen in den 3D-Animationen zu verwenden. Die Luftaufnahmen des Ufoanflugs sind so entstanden - ein Glück, dass ich im Sommer „zufällig“ viele schöne Fotos dafür bei einer Ballonfahrt machen konnte. (Siehe Aufmacher)

2. Ein einfacher Trick, um Kameraschwenks/Zooms zu simulieren, besteht darin, ein Fenster über das stereoskopische Foto zu bewegen bzw. seine Größe zu verändern. Die höhere Fotoauflösung bietet auch für HD-Video noch die notwendigen Reserven. Durch die Kamerabewegung fälllt bei Szenen ohne bewegte Elemente kaum auf, dass das Bild nur von einem Fotoapparat stammt.

3. Und es geht noch mehr, wenn man Videoaufnahmen in die 3D-Animationen einbaut. Die (2D-)Videoaufnahme des fließenden Neckars ist per „Cameramapping“ auf eine 3D-Ebene gelegt und kann dann von verschiedenen Blickwinkeln aus betrachtet werden. 

Außerdem habe ich mir den Spaß gegönnt, durch einen großen „Augenabstand“ von mehreren Metern die Häuschen der Heidelberger Uferstraße optisch schrumpfen zu lassen.

4. Eine weitere Anregung, für die sogar ein normales Video-Schnittprogramm (ich verwende übrigens Vegas) ausreicht: Indem man dieselbe Videoaufnahme für das rechte und linke Auge etwas verschiebt, lässt sie sich in eine Tiefenebene setzen. Wie bei den Kulissen im Theater kann man nun mehrere solche Ebenen für verschiedene Tiefen erstellen und diese mit Masken so ausschneiden, dass die vorderen Ebenen teilweise den Blick auf die hinteren Ebenen freigeben.  



  • Szene aus dem Film "Angriff aus der dritten Dimension"

  • Eckhard Kruse auf der Suche nach Außerirdischen

  • Szene aus dem Film "Angriff aus der dritten Dimension"

  • Ein einfacher Trick, um Kameraschwenks/Zooms zu simulieren, besteht darin, ein Fenster über das stereoskopische Foto zu bewegen bzw. seine Größe zu verändern.

  • Die (2D-)Videoaufnahme des fließenden Neckars ist per „Cameramapping“ auf eine 3D-Ebene gelegt und kann dann von verschiedenen Blickwinkeln aus betrachtet werden.

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