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Mikrofone beim Filmen: Grundlagen

von Björn Kindler

Manch ein Filmer mag verzweifeln - da sind hollywoodreife Aufnahmen im Kasten - nur so richtig professionell will das Ganze immer noch nicht nicht wirken. Grund: der Ton. Soll dieser professionell werden muss mit externen Mikrofonen gearbeitet werden. Welche verschiedene Mikrofontypen es gibt und wie sich diese beim Filmen einsetzen lassen lesen Sie hier.

Mikrofone sind in jedem Camcorder fest eingebaut. Der Ton, der damit aufgenommen werden kann, ist jedoch zahlreichen Einschränkungen unterworfen. Die Ursachen hierfür können dabei recht unterschiedlicher Natur sein:

Körperschall

Erschrecken Sie bitte nicht - wir unternehmen einen kleinen Ausflug in die Physik. Wie Sie sicherlich wissen, benötigt Schall ein Medium um sich ausbreiten zu können. In unserer normalen Umgebung ist dies die Luft. Werden Luftmoleküle durch einen Impuls, beispielsweise durch eine schwingende Lautsprechermembran weggedrückt, können Sie nicht einfach irgendwohin ohne andere Luftmoleküle zu verdrängen. Ähnlich wie eine Welle, die durch einen ins Wasser geworfenen Stein erzeugt wird, breiten sich Schallwellen kreisförmig (im Raum kugelförmig) rund um die Schallquelle aus. In einem gasförmigen Medium wie der Luft unserer Atmosphäre sind die Moleküle relativ spärlich gesät. Anders verhält es sich dabei im Wasser. In Flüssigkeiten ist die Materiedichte entsprechend höher - so ist der Schall auch auf weiten Entfernungen noch deutlich zu vernehmen. Vielleicht haben Sie auch schon einmal im Urlaub beim Schnorcheln oder Tauchen ein Motorboot unter Wasser gehört und dann, beim Auftauchen, verdutzt festgestellt, dass es noch hunderte von Metern entfernt ist.

Ein Medium gibt es allerdings, das noch dichter ist als Wasser: feste Materie. Auch das haben Sie vielleicht schon erlebt. Wenn irgendwo in einem größeren Haus an der Heizung gearbeitet wird bekommt das jeder Hausbewohner mit. Teilweise sogar so, als wären die Handwerker in der eigenen Wohnung. Je dichter also das Medium, desto schneller und besser wird der Schall übertragen. Im Vakuum herrscht dagegen absolute Stille. Science-Fiction-Filme in denen Raumschiffe mit jaulendem Antrieb um die Kurve flitzen sind daher, genau genommen, vollkommener Blödsinn. Feste Materie ist dagegen ein guter Schallleiter. Allerdings muss man unterscheiden aus welchem Material diese besteht. Metallene Heizungsrohre sind da sicherlich ganz weit vorne während andere Stoffe, je nach deren Struktur, die Schallausbreitung sogar dämpfen können. Geräusche, die durch Festkörper übertragen werden, bezeichnet man als „Körperschall“ oder, wenn sie durch Gehen auf einem Fußboden erzeugt werden, auch als „Trittschall“.

Nach diesem kurzen Ausflug sind Sie vielleicht schon selber darauf gekommen, was eine der Hauptschwächen eingebauter Mikrofone sein könnte - die direkte Verbindung zum Gehäuse. Da dieses ja auch aus fester Materie besteht und das Mikrofon irgendwie daran befestigt sein muss, können sich die verschiedenen Geräusche, die in einem Camcorder entstehen, direkt durch das Gehäuse auf das Mikrofon übertragen. Da sind zum einen die Motoren, die in so einem Camcorder verbaut sind, wie etwa der Antrieb für das Band, die Festplatte oder die DVD. Auch Autofokus und Zoom müssen irgendwie angetrieben werden. Die Hauptschallquelle ist in den meisten Fällen jedoch der Filmer selbst. Allein durch Berühren des Gehäuses, oder durch Umgreifen können Geräusche erzeugt werden, die sich direkt auf das eingebaute Mikrofon übertragen. Im Video hört man dann ein unschönes Knacken oder Klappern. Wird ein Stativ verwendet kann sich hier sogar Trittschall störend bemerkbar machen, da das Stativ als Festkörper den Schall von Fußboden direkt in die Kamera zu leiten vermag. Dieses Phänomen kann auch durch Resonanzschwingungen von Holzböden wie etwa einer Theaterbühne auftreten.

Externe Mikrofone haben den Vorteil nicht komplett vom Gehäuse umgeben zu sein. Irgendwie müssen aber auch die mit der Kamera verbunden werden. Gute Mikrofone haben daher eine Aufhängung, die eine Übertragung von Körperschall ausschließt. Diese wird meistens in Form von Gummibändern realisiert, die so gegeneinander verspannt sind, dass das Mikrofon in der Mitte frei schwingen kann und keinen direkten Kontakt zu den massiven Bestandteilen des Gehäuses hat. Eine solche Befestigung wird in der Tontechnik „Spinne“ genannt.

Fairerweise muss man sagen, dass die Kamera-Hersteller sich auch dieses Problems angenommen haben und versuchen die eingebauten Mikrofone, soweit wie möglich, akustisch vom Gehäuse zu entkoppeln. Allerdings kann das naturgemäß nie so gut funktionieren wie mit einem externen Mikrofon.

Windgeräusche

Störende Nebengeräusche können aber noch andere Ursachen haben - gerade wenn man in freier Natur aufnimmt. Wind ist ein großes Problem. Teilweise ist hier die Tonaufnahme nicht nur eingeschränkt sondern, beispielsweise bei einer Sprachaufnahme, vollkommen unverständlich - je nach Windstärke. Ursache ist der Luftstrom der durch das Hindernis - in diesem Fall das Mikrofon selber - verwirbelt wird. Diese Luftwirbel erzeugen die Störgeräusche.

Behelfen kann man sich in diesem Fall mit einem speziellen Windschutz. Sicher kennen Sie die Aufnahmen, wenn sich der Wettermann aus den Nachrichten ins Freie begibt um beispielsweise direkt vom Sturmgeschehen an der Nordsee zu berichten. Das fellbesetzte Etwas, das er in der Regel in der Hand hält ist das Mikrofon. Der Fellüberzug, der in der Filmsprache auch „Katze“ genannt wird, hilft die Verwirbelungen am Mikrofon und somit die Störgeräusche auszuschalten.

Es gibt noch eine weniger sperrige Variante um Mikrofone vor Wind zu schützen. Gegen leichten Wind und um störende Popp- und Zischgeräusche bei Sprachaufnahmen auszuschalten genügt ein Schaumstoffüberzug. Bunt und auffällig mit einem Senderlogo versehen sieht man diese Ar t von Windschutz vor allem in Nachrichtenberichten, beispielsweise wenn eine ganze Armada von verschiedenen Mikrofonen bei einer Pressekonferenz aufgebaut wurde. Je nach Windstärke kommt der Fellüberzug dann zusätzlich zum Einsatz.

Richtcharakteristik

Störende Nebengeräusche kommen oft nicht direkt aus der Richtung in die aufgenommen wird. Sie lassen sich zumeist verringern, indem auf Mikrofone mit ausgeprägter Richtcharakteristik zurückgegriffen wird. Dabei ist die Empfindlichkeit des Mikrofons in einer Richtung besonders hoch. Man muss es entsprechend auf die für die Aufnahme erwünschte Schallquelle ausrichten. Man entscheidet zwischen unterschiedlichen Mikrofoncharakteristika. Die unterschiedlichen Bezeichnungen leiten sich vom Aussehen des Empfindlichkeitsverlaufs rund um das Mikrofon ab. Die für den Filmer relevanten Arten haben wir hier kurz aufgeführt.

Kugel

Ist das Mikrofon in alle Richtungen gleich empfindlich spricht man von einem Kugelmikrofon oder einer Kugelcharakteristik. Diese Art von Mikrofonen wird vor allem eingesetzt um die Klangatmosphäre eines ganzen Raumes zu erfassen. Klangquellen aus unterschiedlichen Richtungen werde so gleichermaßen erfasst.

Niere

Hier ist bereits eine gewisse Richtwirkung zu verzeichnen. Beim Nierenmikrofon wird der hintere Teil komplett ausgeblendet - man spricht hier von Rückwärtsdämpfung. Vorteil - unerwünschte Geräusche aus Richtung des Filmers werden nicht mit aufgezeichnet. Auch an den Seiten ist die Empfindlichkeit geringer als direkt nach vorn. Zeichnet man den Empfindlichkeitsverlauf auf einem kreisförmigen Diagramm (Polardiagramm) auf, ergibt sich die Form einer Niere - daher der Name.

Superniere

Ist die Richtwirkung entsprechend ausgeprägt, spricht man von einer Superniere. Hiermit lassen sich seitliche und hintere Schallquellen gut ausblenden. Der Abstand zwischen Mikrofon und Schallquelle kann entsprechend erhöht werden. Dies ist vor allem sinnvoll, wenn das Mikrofon selber nicht im Bild zu sehen sein soll.

Das entfesselte Mikrofon

Grundsätzlich gilt: Je näher das Mikrofon an die Schallquelle heranrückt, desto besser lässt sich der Ton aufnehmen, und desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit störende Nebengeräusche mit auf der Aufnahme zu haben. Ist das Mikro direkt an der Kamera befestigt oder sogar eingebaut, muss man nahe an das Motiv - beispielsweise eine sprechende Person – herangehen, um den Kommentar verständlich aufnehmen zu können. Eine Totale ist so nicht möglich. Einfacher ist es wenn der Sprecher das Mikrofon in der Hand hält. Allerdings muss der Sprecher das Mikrofon möglichst ruhig halten. Bewegt er dieses zu sehr, besteht wiederum die Gefahr, dass sich Körperschallgeräusche ins Mikrofon übertragen und die Aufnahme stören.

Um auch das auszuschließen - und weil es beispielsweise bei Spielszenen unerwünscht ist, ein Mikrofon im Bild zu haben - werden hier sogenannte Tonangeln verwendet. Das Mikrofon ist an einem teleskopartig ausziehbaren Stab befestigt, der in Richtung der aufzunehmenden Tonquelle gehalten wird. Bei besseren Systemen ist die Befestigung des Mikrofons an der Tonangel akustisch entkoppelt - also über das eingangs erwähnte System der freien Aufhängung mittels gegeneinander verspannter Gummibänder. In der Regel benötigt der Filmer hier eine weitere Person, die die Tonangel halten kann. Alternativ kann aber auch die Kamera - aber auch die Tonangel auf einem Stativ befestigt werden.